Auf Seiten der Braun-Weißen musste Coach Frontzeck auf Mahir Saglik, Lennart Thy, Sören Gonther und auch Patrick Funk verzichten, dafür kehrte Kapitän Fabian Boll zurück in die Startelf, nachdem dieser in Paderborn verletzungsbedingt noch ausgesetzt hatte. Dies war zugleich die einzige Änderung auf Seiten unserer Kiezkicker. Auf Seiten der Gäste, die im Gegensatz zur letzten Partie am Millerntor von eigenem Anhang unterstützt wurden, musste Trainer Ralf Loose mehrere Änderungen vornehmen und auf Kapitän Robert Koch (Rot), Romain Bregerie (Gelb-Rot) sowie Filip Trojan (Schienbeinprellung) verzichten. Dafür stand Dresdens Torjäger Mickael Poté nach überstandener Magen-Darm-Reizung zur Verfügung.
Während unser FC St. Pauli (8 Punkte, Platz 17) seit sechs Spielen auf einen Sieg wartete, konnte Dynamo (9 Zähler, Platz 14) nur eine der letzten sieben Partien gewinnen. Mit einem Sieg konnten und wollten beide Teams Anschluss an das Tabellenmittelfeld herstellen.
Wirklich Torchancen blieben im ausverkauften Millerntor-Stadion in der Anfangsviertelstunde Mangelware. Beide Teams standen defensiv zunächst gut und konnten sich so vor dem gegnerischen Tor nicht durchsetzen. Fast wie aus dem Nichts dann aber das 0:1 für die Gäste: Idir Ouali konnte sich nach Doppelpass mit Florian Jungwirth zum ersten Mal gegen Widersacher Jan-Philipp Kalla durchsetzen und schob freistehend vor Tschauner diesem die Kugel durch die Beine ins Netz (18.).Nach einer Ecke in der 27. Minute fiel beinahe das 0:2, als Dynamo-Kapitän Sebastian Schuppan frei zum Abschluss kam, das Gehäuse zum Glück aber um Haaresbreite verfehlte.
Eine Minute später musste Keeper Tschauner dann aber doch zum zweiten Mal hinter sich greifen. Anthony Losilla hatte am Strafraum zu viel Platz und spielte rechts raus zu Tobias Jänicke. Der wiederum passte in die Mitte Torjäger Poté, der Tschauner aus vier Metern völlig freistehend keine Chance ließ – 0:2 (28.). Dynamo hätte nach 32 Minuten fast ein drittes Tor erzielt, doch den Flachschuss des starken Linksaußen Ouali konnte Tschauner gerade noch entschärfen. Chancen für die Frontzeck-Elf gab es bis dahin keine – Dresden ließ in der eigenen Hälfte keine Räume zu und verteidigte sehr gut.
Vor der Pause erhöhten die Kiezkicker dann aber den Druck. Erst versuchte es Florian Kringe per Fernschuss (40.), dann Akaki Gogia von der Strafraumkante (41.) und erneut Kringe per Kopf (42.) Gäste-Torwart Benjamin Kirsten musste bei allen Versuchen aber nicht eingreifen. Nach dem vierten Versuch binnen fünf Minuten war es aber soweit: Fabian Boll nahm ein abgefälschtes Gogia-Zuspiel im Strafraum an, drehte sich um Jungwirth und zog aus elf Metern ab. Kirsten konnte den ersten Torschuss auf sein Gehäuse nicht abwehren. Nur noch 1:2 und somit Hoffnung bei allen Braun-Weißen! Anschließend ertönte der Halbzeitpfiff.
Bollers Treffer kurz vor der Pause ließ Hoffnung bei allen St. Paulianern aufkommen.
Frontzeck brachte zur zweiten Halbzeit Joseph-Claude Gyau für Kevin Schindler - die Gäste kamen unverändert aus der Kabine. Unverändert blieb aber nicht der Spielstand – und das war auch gut so! Vier Minuten waren gerade mal gespielt, da stieg Christopher Avevor nach einer Kringe-Ecke am höchsten und drückte das Leder per Kopf aus sechs Metern ins lange Eck – 2:2!!! Die Partie somit wieder offen und der psychologische Vorteil auf Seiten der Frontzeck-Schützlinge.
Das zeigte sich nur sechs Minuten nach dem Ausgleich: Boll bediente den startenden Ginczek, der Kirsten aus 13 Metern überwinden und so die Partie vollends drehen konnte - 3:2 für unsere Kiezkicker!!! Verrückte Szenen am Millerntor! Innerhalb von nur zehn Minuten drehten die Braun-Weißen ein 0:2 in ein 3:2. Da wurden Erinnerungen an das letztjährige Heimspiel gegen 1860 München wach, das nach 0:2-Rückstand furios noch 4:2 gewonnen wurde.
Gäste-Coach Loose, der zuvor bereits zwei Mal gewechselt hatte, brachte in der 72. Minute mit Ex-Kiezkicker Petar Slišković einen weiteren Angreifer - zumindest einen Zähler wollten die Gäste noch mit nach Hause nehmen. Die Frontzeck-Elf aber verteidigte ihre Führung dank einer kompakteren Defensive, wirkliche Torchancen ließen sie nicht mehr zu. Bezeichnend für die harmlose Schlussphase der Gäste: Solgas Fernschuss aus 25 Metern, der beinahe im Seitenaus landete.
Fünf Minuten vor Schluss dann fast die Vorentscheidung, doch der Treffer von Sebastian Schachten zum vermeintlichen 4:2 wurde nach vorheriger Abseitsstellung von Ginczek aberkannt. Dynamo warf in den Schlussminuten noch mal alles vorne - aber vergeblich! Den ersten Sieg der Kiezkicker seit Anfang September konnten sie nicht mehr verhindern.
Nach den zuletzt guten Auftritten gegen Union Berlin (2:2) und Paderborn (1:1) konnten sich Boller und Co. endlich wieder mit einem Dreier belohnen. Ein immens wichtiger Sieg unseres FC St. Pauli, der vier Plätze gut machen und nun auf Platz 13 rangierend den Anschluss ans Tabellenmittelfeld herstellen konnte.
Jan-Philipp Kalla, Fin Bartels und Daniel Ginczek bejubeln das 3:2 - von hinten kommt Florian Kringe angerauscht.
Statistik
FC St. Pauli
Tschauner – Schachten, Avevor, Thorandt, Kalla – Boll, Kringe (ab 81. Bruns) – Schindler (ab 46. Gyau), Bartels, Gogia (ab 74. Daube) – Ginczek
Trainer: Michael Frontzeck
SG Dynamo Dresden
Kirsten – Gueye, Thoelke, Savić, Schuppan – Jungwirth, Fiel (ab 58. Solga) – Ouali (ab 72. Slišković), Losilla, Jänicke (ab 58. Kitambala) – Poté
Trainer: Ralf Loose
Tore: 0:1 Ouali (18.), 0:2 Poté (28.), 1:2 Boll (45.), 2:2 Avevor (49.), 3:2 Ginczek (54.)
Gelbe Karten: Thorandt – Losilla, Thoelke
Zuschauer: 21.045 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
(hb)
Fotos: Witters
