Historie
FC St. Pauli - Historie Millerntor

Millerntor

Ein Stadion schreibt Geschichte

 

Heimspiele des FC St. Pauli auf dem Heiligengeistfeld haben Tradition.

Bereits mit Ende des Ersten Weltkriegs fanden dort in regelmäßigen Abständen Fußballspiele statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Stadion völlig zerstört, aber bereits 1946 hatte der FC St. Pauli eine neue Spielstätte, die natürlich noch weit hinter den heutigen Vorstellungen eines modernen Stadions zurückblieb.

Das Millerntor-Stadion im Jahre 1949. Das Bild erschien u. a. in dem Jubiläumsbuch "50 Jahre FC St. Pauli".

Das Millerntor-Stadion im Jahre 1949. Das Bild erschien u. a. in dem Jubiläumsbuch "50 Jahre FC St. Pauli".

 

Im Jahre 1961 begannen die Bauarbeiten für das Millerntor-Stadion an seiner heutigen Stelle. Die alte Arena, die sich an der Ecke Glacischaussee/Budapester Straße befunden hatte, musste der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) weichen.

Eingeweiht wurde das neue Millerntor-Stadion erst 1963: Die überlange Bauzeit musste in Kauf genommen werden, nachdem vergessen worden war, eine Drainage unter dem Rasen einbauen zu lassen. Die Folge: Nach jedem heftigen Regenguss stand das Millerntor unter Wasser, Fußballspiele nach dem Regelwerk des Deutschen Fußball-Bundes waren nicht mehr möglich.

Auch nach der Einweihung vor 35 Jahren wurde das Stadion noch mehrmals baulich verändert. Vor allem die Zuschauerkapazität musste aus Sicherheitsgründen zweimal gesenkt werden. Im Jahre 1961 zunächst für 32.000 Zuschauer gedacht, fasst das Stadion nur noch 20.629 Zuschauer. Der Stimmung tat die Reduzierung des Fankontingents keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Kompaktheit wurde zur Stärke und trägt noch immer zur einzigartigen Faszination am Millerntor bei.

Millerntor-Stadion hieß die Kultstätte, bevor sie 1970 in Wilhelm-Koch-Stadion umbenannt wurde. Die Umbenennung wurde zu Ehren des ehemaligen Präsidenten vorgenommen, der von 1933 bis 1945 und von 1947 bis zu seinem Tod 1969 den Club führte.

Heute ist die Namensgebung umstritten, da Koch Mitglied der NSDAP war. Auf der Jahreshauptversammlung 1997 wurde deshalb ein Mitglieder-Antrag auf Umbenennung des Stadions gestellt, der in eine kontroverse Diskussion führte: Darf die Spielstätte eines liberalen und weltoffenen Clubs, wie es der FC St. Pauli ist, nach einem ehemaligen NSDAP-Mitglied benannt sein?

Die Rolle Wilhelm Kochs im Dritten Reich hat der renommierte Historiker Frank Bajohr ("Arisierung in Hamburg") inzwischen in einem Gutachten untersucht, das auf der Geschäftsstelle erhältlich ist. Bajohrs Einschätzung: "Wilhelm Koch war kein ideologisch überzeugter und parteipolitisch aktiver Nazi."

Auf der Jahreshauptversammlung am 30. Oktober 1998 wurde dennoch nach heftigen Wortgefechten für eine Umbenennung der Spielstätte entschieden. Weit nach Mitternacht lautete das sehr knappe Votum: Seit der Saison 1999/2000 heisst die Spielstätte des FC St. Pauli Millerntor-Stadion.

Das Millerntor-Stadion am heutigen Standort vor Beginn der Bautätigkeiten. Foto: Susanne Katzenberg

Das Millerntor-Stadion am heutigen Standort vor Beginn der Bautätigkeiten. Foto: Susanne Katzenberg

 

Am 13.07.2006 verkündeten der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust und unser Vereinspräsident Corny Littmann den Plan des Neubaus. Das altehrwürdige Millerntor-Stadion wird einer neuen Spielstätte weichen. Hierzu sollen die alten Tribünen in vier Bauabschnitten durch neue ersetzt werden und so zukünftig 27.000 Zuschauern Platz bieten. Verläuft alles nach Plan sind diese vier einzelnen Abschnitte im Jahr 2014 fertiggestellt.

Im Dezember 2006 wurde der Plan in die Tat umgesetzt und das Projekt Stadionneubau begann. Vor den Augen von 2.000 Fans begleiteten die Klänge der Hells Bells den Abriss der Südtribüne.

Mit ein wenig Verzögerung läuteten die Hellmilch-Bautrupps im Mai 2007 die Bauphase der neuen Südtribüne ein, die schon sechs Monate später im Spiel gegen Augsburg teilweise geöffnet wurde. Zu dem Spiel nutzten erstmals 1.500 Fans die Stehplätze der Tribüne, bevor Anfang 2008 die gesamte Tribüne gegen Carls Zeiss Jena für Zuschauer eröffnet wurde.

Einweihung der Südtribüne im Jahre 2008 von Corny Littmann

Einweihung der Südtribüne im Jahre 2008 von Corny Littmann

 

Am 18. Juli 2008 fand schließlich die offizielle Einweihung der neuen Südtribüne statt. Das dazu veranstaltete Freundschaftsspiel gegen die Cubanische Nationalmannschaft gewannen unsere „Kiezkicker“ mit 7:0. In der neu gestalteten Tribüne befinden sich seitdem auch die Geschäftsstelle, das Ticketcenter und der Fan-Shop.

Im November 2009 begannen die Arbeiter dann offiziell, auch die Haupttribüne dem Erdboden gleich zu machen, um so Platz für die neue Tribüne und die Kita in der Kurve zwischen der neuen Süd- und Haupttribüne zu schaffen.

Gut zwei Monate später war das Fundament gegossen und Ende August 2010 konnte die Tribüne beim ersten Heimspiel der Saison gegen 1899 Hoffenheim eröffnet werden. Vollständig beendet war der zweite Bauabschnitt jedoch erst, als im November 2010 das Piraten-Nest als weltweit erste Kindertagesstätte in einem Fußballstadion, mit rund 100 Kita-Plätzen, seinen Betrieb aufnahm.

 

Die neue Haupttribüne am Millerntor

Die neue Haupttribüne am Millerntor

 

Nur einen Tag nach dem letzten Heimspiel der Saison 2011/2012 rollten die Bagger an, um auch die alte Gegengerade in ihre Einzelteile zu zerlegen. Schon nach der Sommerpause weihten 4.000 Fans die neue Gegengerade gegen Ingolstadt auf den bis dahin fertig gestellten Stehplätzen ein. Der endgültige Abschluss der Arbeiten an der neuen Gegengerade konnte nach der Winterpause gegen Cottbus gefeiert werden. Auf den rund 3.000 schwarz-weißen Sitzschalen prangt seitdem nun der Schriftzug „FC St. Pauli 1910 Millerntor“, und es findet sich Platz für 10.000 weitere Fans, die ihr Team stehend anfeuern.  

Am 3. Februar 2013 wurde die neue Gegengerade offiziell beim Heimspiel gegen Energie Cottbus eröffnet.

Am 3. Februar 2013 wurde die neue Gegengerade offiziell beim Heimspiel gegen Energie Cottbus eröffnet.

 

Im letzten Schritt wird - voraussichtlich im Jahr 2014 - auch die Nordtribüne erneuert. Geplant sind 5.200 Sitz- und Stehplätze für Heim- und Gästefans.