Sonntag, 07. Dezember, 2008
FC St. Pauli schlägt TuS Koblenz mit 3:2
Das letzte Heimspiel der Hinrunde bot den Fans noch einmal alles. Erst die Führung, dann der 1:2-Rückstand - doch die erste Saison-Niederlage am Millerntor wollte keiner so recht wahrhaben. Denn bekanntlich ist der Ball rund und vor allem dauert das Spiel 90 Minuten...
Dass das Spiel gegen den FC Ingolstadt 04 nicht gerade vorzeigbar war, schien den Spielern des FC St. Pauli mehr als bewusst. Sie boten den 22.204 Zuschauern somit an diesem Sonntagnachmittag ein ganz anderes Auftreten. Bereits nach 10 Sekunden war die erste große Möglichkeit da. Mit starkem Antritt ging Florian Bruns bis in den Strafraum und passte scharf auf Marius Ebbers, der rutschte jedoch um wenige Zentimeter vorbei. Im Folgenden sah man eine temporeiche, ausgeglichene Partie. In der 10. Minute war es wieder Bruns, der engagiert zu Werke ging. Er rettete den Ball per Hackentrick vor dem Aus und passte entscheidend auf Alexander Ludwig, der aus 20 Metern flach abzog und so das 1:0 erzielte.
Was folgte, war nicht etwa weiterer Druck des FC St. Pauli. Die TuS Koblenz zog nun das Tempo an und drängte auf den Ausgleich. So brannte es zweimal vor dem Tor von Mathias Hain, in beiden Situationen konnte die Abwehr unter großer Mitwirkung von Hain den Ball jedoch retten. Die Elf von Holger Stanislawski fand mit der 20. Minute dann wieder besser ins Spiel, allerdings ohne zwingende Tormöglichkeiten. Dennoch blieb es beim hohen Tempo, stetem Hin und Her auf dem Platz und einem somit recht ansehnlichen Spiel.
Ein jeder auf den Rängen hätte sich mit dem 1:0 zur Halbzeitpause auf jeden Fall zufrieden gegeben. Was den Ingolstädtern am vergangenen Wochenende an Entschlossenheit vor dem Tor gefehlt hat, zeigten die Koblenzer jedoch um so deutlicher. Sie strahlten eine ständige Torgefahr aus, die durch "Böcke" in der Abwehr des FC St. Pauli noch verstärkt wurde. Einer dieser Aussetzer wurde letztendlich bestraft. In der 39. Minute wurde Fatmir Vata im Strafraum allein stehen gelassen und dies nutzte der Stürmer zum Ausgleichstreffer. Das 1:1 wurde so mit in die Halbzeitpause genommen - sicherlich gerechtfertigt. Denn obwohl der FC St. Pauli deutlichere Offensiv-Akzente als gegen den FC Ingolstadt 04 aufwies, erlaubte sich dieses Mal die Abwehr der Braun-Weißen mehr Unaufmerksamkeiten. Die TuS Koblenz hat sich trotz der bisherigen Auswärts-Misere nicht versteckt und den Ausgleich hart erarbeitet.
Die zweite Hälfte bot lange Zeit recht wenig. Ebbers passte in der 51. Minute auf Carsten Rothenbach, der direkt auf das Tor zog, anstatt quer auf den im Strafraum stehenden Filip Trojan abzulegen. Zehn Minuten später war es wieder Trojan, der aus sechs Metern vergab. In der 69. Minute rasselten Hain und Du-Ri Cha zusammen, woraufhin der Koblenzer verletzt ausgewechselt werden musste. Und dann kam die 71. Minute. Ralph Gunesch ging im eigenen 16er gegen Matthew Taylor zu ruppig vor, dieser fiel und Schiedsrichter Tobias Welz entschied auf Strafstoß. Matej Mavric verwandelte den Elfmeter zum 1:2.
Holger Stanislawski wechselte in der Folge seine zur Verfügung stehenden Offensiv-Spieler ein. Erst Rouwen Hennings und David Hoilett, dann in der 78. Minute Morike Sako. Was für ein Glücksgriff. Denn Sako war es, der in der 84. Minute nach allmählichem Hände-vor-die-Augen-halten auf den Rängen den Ausgleich besorgte. Ein langer Querpass von Gunesch auf Ebbers, Kopfball auf Sako, der aus der Drehung einnetzte. Das 2:2 ließ nun den Puls steigen. Die Elf von Holger Stanislawski hängte sich die letzten Minuten noch einmal voll rein. In der Nachspielzeit trat Hain einen Freistoß lang nach vorn und nach Kopfballvorlage von Sako schob Marcel Eger aus dem Gewusel den Ball ins Tor. 3:2 nach einem absoluten Herzschlagfinale! Marko Lomic sah nach diesem Treffer aufgrund einer Schiedsrichter-Beleidung sogar noch die Rote Karte.
Nach der Partie gab Alexander Ludwig zu: "Letzte Woche haben wir schon nicht gut gespielt und trotzdem gewonnen - heute war es noch knapper." Wohl war, denn die TuS Koblenz, die nach Spielende der FC St. Pauli-Fankurve anerkennend Beifall geklatscht hat, führte bis zur 84. Minute völlig verdient. Doch bekanntlich - und selten traf es so gut zu wie heute - dauert das Spiel 90 Minuten...
Maren Harre
Fotos: Norbert Harz
Fotos: Norbert Harz
FC St. Pauli
Hain - Rothenbach, Gunesch, Eger, Kalla - Boll - F. Bruns (60. Hennings), Schultz (60. Hoilett), Ludwig (78. Sako), Trojan - Ebbers
Trainer: Stanislawski
TuS Koblenz
Yelldell - Forkel (78. Ouedraogo), Mavric, A. Richter, Lomic - Bajic - M. Hartmann (30. Djokaj), Krontiris - D.-R. Cha (69. Ziehl), Taylor, Vata
Trainer: Rapolder
Tore: 1:0 Ludwig (10.), 1:1 Vata (39.), 1:2 Mavric (71., FE), 2:2 Sako (84.), 3:2 Eger (90. + 1)
Gelbe Karten: Schultz, Hain, Eger - Bajic, Ziehl, Djokaj
Rote Karte: Lomic (90. + 2, Schiedsrichterbeleidigung)

















