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Endlich auf Augenhöhe?

In der 'Feldarena' kommt es am Donnerstag (31.3.) um 19:30 Uhr zum bisher größten Match der Frauenfußballabteilung des FC St. Pauli. Im Halbfinale des Hamburger Pokals empfängt die Verbandsliga-Elf den Regionalligisten Hamburger SV. Die Partie ist seit Wochen ausverkauft, die Zuschauerzahl wird in dieser Saison in Hamburg wohl unerreicht bleiben.

Es ist eine Weile her, als sich die beiden Klubs letztmals unter freiem Himmel trafen. Damals ging das Team der 1. Frauen im Pokal auf Grand gegen die Rothosen zweistellig unter. Es lagen Welten zwischen den Teams. So sollte es noch viele Jahre sein. Was wird das Publikum nun am Donnerstagabend erwarten? Die ungeschlagenen Tabellenführerinnen der Verbandsliga werden sicherlich sehr selbstbewusst den Platz betreten gegen Gegnerinnen, die eine Liga höher gegen den Abstieg kämpfen.

Zuerst zum FC St. Pauli: Der damalige Bezirksligist, niedriger ging es nicht, der meist darum kämpfte, eine Saison nicht als Letzter abzuschließen, hat sich zu einem der Topteams der Hansestadt gemausert. Ungeschlagen führt die Elf die Tabelle vor dem Vorjahresmeister Wellingsbüttel an.

Sagenhaften 69 erzielten Treffern stehen lediglich sieben Gegentore gegenüber - beides Bestwerte in der Liga. Auswärts ist die Bilanz von Stammtorhüterin Tara Zimmermann sogar makellos. Sowohl die Defensive wie die Offensive präsentieren sich also aufstiegsreif. 2016 kassierte die Elf erst am letzten Spieltag beim 7:1 gegen Wentorf ein erstes Gegentor.

Anders lief die Entwicklung beim Gegner. Vor zwölf Jahren standen sich im Endspiel noch die Zweit- und die Drittvertretung des Bundesligisten gegenüber. Insgesamt zehn Mal hieß der Pokalsieger Hamburger SV. 2002 stand der Klub sogar im großen Endspiel in Berlin. Der HSV war unbestritten das Nonplusultra im Hamburger Frauenfußball. Am 21. Mai 2012 folgte der große Schock. Der Vorstand beschloss die Erste Frauen, aus finanziellen Gründen aus der Eliteliga zurückzuziehen. Fortan spielte die beste Hamburger Elf in der dritten Liga. In der Regionalliga rangiert der HSV augenblicklich in der unteren Tabellenregion und kämpft gegen den Abstieg.

Die Elf der Rothosen besteht vor allem aus jüngeren Spielerinnen. Gerade auswärts hat der HSV eine ausbaufähige Bilanz aufzuweisen. Einem dürftigen Punktgewinn stehen 33 Gegentreffer entgegen - fast fünf pro Spiel. Am Ostersonntag verloren die Hamburgerinnen ihre Nachholpartie mit 1:7 in Celle. Doch die Jugend des Teams ist gleichzeitig auch eine Chance. Denn das Team von Trainer Christian Kroll ist zu Überraschungen fähig. Anfang des Jahres wurde völlig überraschend das Top-Team aus Bramfeld aus dem Pokal gekickt.

Trotz der sportlichen Lage des HSV sieht St. Paulis Trainer Kai Czarnowski den Gegner in der Favoritenrolle: "Der HSV spielt eine Liga höher, dorthin wollen wir erst noch kommen." Dennoch wollen die Braun-Weißen alles daran setzen, die Überraschung zu schaffen. Dabei hoffen sie auf ihre Offensivabteilung. Nina Philipp führt die Torschützenliste in der Verbandsliga mit 26 Treffern fast uneinholbar an. Auch Linda Sellami (11) und Ann-Sophie Greifenberg (10) sind unter den Top 5 zu finden. Spielerisch hat das Team, das im letzten Jahr im Halbfinale an Bergedorf scheiterte, noch einmal zugelegt. Der Aufbau ist variabler und schneller geworden, Räume werden dadurch geschaffen und auch genutzt.

Die Saisonziele wurden im letzten Sommer mit Aufstieg und Pokalsieg bewusst in den Bereich des Maximums gelegt, um Reizpunkte zu setzen. Nach dem Motto: Nur wer Hohes anstrebt, kann auch Hohes erreichen. Czarnowski erwartet einen heißen Kampf. Er hat seinen Spielerinnen in einer Grafik die Entwicklung der letzten fünf Jahre aufgezeigt. "Dass der Fußballgott ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt uns gegeneinander loste, ist kein Zufall. Jahrelang wären wir chancenlos gewesen."

"Jetzt steht uns der HSV im Weg, deshalb wollen wir ihn schlagen. Aber das ersetzt nicht unsere Saisonziele", stellt der Trainer klar. „Unsere Ziele sind der Aufstieg und der Pokalsieg, nicht der Sieg gegen einen bestimmten Gegner."

Das Match ist seit Wochen ausverkauft. Der Umzug in ein Stadion wurde nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Das Team will unbedingt auf gewohntem Terrain den Heimvorteil nutzen, um erstmals das Finale zu erreichen. 70 der 450 Eintrittskarten, die alle gratis abgegeben wurden, gingen an den HSV. Fast 400 St. PaulianerInnen werden also die Chance haben, akustisch ihren Teil zu einem historischen Sieg beizutragen.

 

(ut)

Foto: Stefan Groenveld

 

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