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Göttlich: "Wir sind Überzeugungstäter"

Es ist viel passiert in den letzten 18 Monaten, seitdem Präsident Oke Göttlich mit seinen Präsidiumskollegen sein Amt übernommen hat. Neben sportlichen Berg- und Talfahrten wurden personelle Veränderungen vorgenommen und wirtschaftlich wichtige Entscheidungen getroffen. Wir sprachen mit Oke Göttlich über die sportliche Situation, die finanzielle Entwicklung und die Ziele des FC St. Pauli.

Oke, die Situation bei Eurer Amtsübernahme hätte prekärer kaum sein können. Verbunden mit dem Risiko der Präsident gewesen zu sein, unter dem der FC St. Pauli in die 3. Liga absteigt.

Jetzt mal Schwamm drüber! Wichtig ist, dass wir dieses Gefühl konservieren, dass wir gemeinschaftlich geschlossen und demütig bleiben müssen. Dazu ist es wichtig, an dieser Stelle neben der sportlichen Leitung und der Mannschaft all die anderen nicht zu vergessen, die im letzten Jahr dazu beigetragen haben, dass wir es noch geschafft haben: Die Gremien, die den Weg mitgegangen sind, die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, die eine tolle Arbeit geleistet haben, die Sponsoren und Partner, die zum Verein gestanden haben, und natürlich auch unsere Fans und Mitglieder, die die Mannschaft unfassbar unterstützt haben. Auch wenn viele denken, dass es eine Selbstverständlichkeit ist und es nicht mehr hören können: Ein Fußballverein kann nur funktionieren, wenn wir uns um Geschlossenheit, Kontinuität, Loyalität zum Verein und Hysterielosigkeit bemühen. Egos müssen vor der Tür bleiben!

War das der Nährboden für eine Saison wie die nun zu Ende gehende?

Das, gepaart mit den richtigen Entscheidungen, die von der sportlichen Leitung unter anderem bei der Kaderplanung getroffen worden sind und einer Mannschaft, die aus der letzten Saison so viel für sich gezogen hat, dass sie ein ganz starkes Kollektiv geworden ist, und den Fans, die mit unserem Team wieder eine Symbiose gebildet haben. Mir ist es auch wichtig zu betonen, dass Thomas Meggle eine starke Arbeit beim FC St. Pauli leistet. Gemeinsam mit seinem Team um die Kaderplanung, die Mediziner, den Athletikbereich, den Trainern und dem NLZ werden zukunftsfähige Strukturen und professionelle Arbeitsweisen entwickelt, die auf die Teamarbeit und nicht Unersetzbarkeit des Einzelnen ausgelegt sind. St. Pauli ist ein Team!

Die Planungen für die neue Saison laufen, etliche Verträge wurden bereits verlängert, Aziz Bouhaddouz, Vegar Hedenstad und Richard Neudecker wurden bereits verpflichtet. Sehr positive Signale, oder?

Man darf nicht vergessen, dass wir April haben. Dafür sind wir sehr gut aufgestellt. Zudem können durch verschiedene Tabellenkonstellationen ja noch zu einem späteren Zeitpunkt interessante Spieler auf den Markt kommen, da wäre es schwierig, wenn wir schon jetzt alle Plätze vergeben hätten.

Es herrscht zudem ja die Meinung vor, dass durch die kolportierten Transfererlöse von Marcel Halstenberg und Ante Budimir Millionenbeträge zur Verfügung stehen. Das erleichtert doch dann sicher die Kaderplanung.

Moment: Das muss man etwas differenzierter betrachten. Hier gibt es ja mehrere Komponenten, denn neben der Kaderplanung gibt es noch weitere Felder, auf denen Investitionen notwendig sind: Die Finanzierung des Stadions, die Rückzahlung der Anleihe 2018, der Bau der neuen Domwache und die Finanzierung des Trainingszentrums an der Kollaustraße. Hinzu kommt, dass die kolportierten Erlöse ja auch keine Nettoerlöse sind, denn auch der FC St. Pauli ist steuerpflichtig. Klar ist aber, dass wir natürlich den größtmöglichen sportlichen Erfolg wollen. Allerdings werden wir dafür den Weg der wirtschaftlichen Vernunft nicht verlassen. Als Garanten dafür haben wir mit Tom Happe, Jochen Winand und unserem Aufsichtsrat starke Taktgeber auf unserer Seite.
Der FC St. Pauli braucht Partner, die mit uns gemeinsam den Weg einer gesunden, soliden wirtschaftlichen Basis gehen wollen - mit allen Ecken und Kanten, die wir uns bewahren wollen. Wir wollen ein kontinuierliches Fundament schaffen, welches uns ermöglicht, möglichst dauerhaft die sportliche Leidenschaft nach Erfolg zu stillen. Ich möchte das Bewusstsein dafür schärfen, dass eine steile Gerade nach oben unwahrscheinlicher ist, als eine stetige Wellenbewegung die uns langfristig weiter nach vorne und oben spülen soll.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wurde kürzlich durch die DFL bescheinigt. Die Lizenz wurde ohne Auflagen und Bedingungen erteilt.

Das ist eine ganz tolle Nachricht für uns und spiegelt die gute Arbeit wider, die auf kaufmännischer Seite von Andreas Rettig und seinem Team im Tagesgeschäft geleistet wird. Es ist für uns aber auch Verpflichtung diesen Weg weiterzugehen.

Mit dem Rückkauf der Merchandising-Rechte und weiteren Vertragsabschlüssen, wie unter anderem mit Under Armour, hat der Club weitere finanzielle Möglichkeiten erschlossen. Könnte man da als Präsidium nicht etwas risikofreudiger sein und mehr Geld in den sportlichen Bereich stecken?

Noch einmal ganz deutlich: Unser Ziel ist es, den größtmöglichen sportlichen Erfolg zu erreichen. Gar keine Frage. Aber nicht um jeden Preis. Wir werden keine unkalkulierbaren Risiken eingehen und auch keine Fantasiesummen an Ablöse oder Gehältern zahlen. Zum Thema Merchandisingrechte: Den möglichen Einnahmen aus dem Merchandisinggeschäft steht ja zunächst das Rückkaufinvestment in Höhe von 1,2 Mio. Euro gegenüber. Zudem müssen wir auch in diesem Geschäftsfeld weitere Investitionen einplanen, um den Bereich weiter zu professionalisieren. So dass man die Rechnung nicht aufmachen kann, dass dem Verein ab sofort sechsstellige Gewinne zufließen. Der FC St. Pauli verdankt es der weitsichtigen Arbeit im Vermarktungsbereich von Joachim Pawlik und von Reinher Karl im Markenrechtssegment, dass wir hier nachhaltig in der Zukunft verdienen werden.

In Deiner Amtszeit sind personell wichtige Entscheidungen getroffen worden. Neben der gelungenen Personalrochade im sportlichen Bereich ist es gelungen, Andreas Rettig für den FC St. Pauli zu gewinnen. Wie siehst Du mittlerweile seine Rolle?

Andreas ist ein absoluter Glücksfall für den Verein. Er hat seit September bei uns im Kleinen wie im Großen viel bewegt und er hat mit dazu beigetragen, dass der FC St. Pauli wieder schärfere Konturen bekommen hat. Er scheut sich nicht, anzuecken und auch mal Nein zu sagen, wenn er anderer Meinung ist – wie man unter anderem bei der Diskussion um die 50+1-Regelung gesehen hat. Zudem hat er ein riesiges Netzwerk. Das tut unserem Verein gut. Andreas, Thomas und Ewald stehen sinnbildlich für die Lust, die das Präsidium und der Aufsichtsrat entfacht haben, den gesamten Verein als Team in Bewegung zu versetzen und nicht stehen zu bleiben. Nicht zu vergessen ist, dass wir mit Andreas auch im kaufmännischen Bereich die Fußballfachkompetenz steigern konnten.

Kritiker werfen Euch vor, dass Diskussionen um 50+1 und Eure konträre Meinung zum Mainstream nur auf die Marke „FC St. Pauli“ einzahlen soll.

Das ist absoluter Blödsinn. Wir sind Überzeugungstäter. Wir engagieren uns und wir holen uns nicht blutige Nasen, nur weil es ein Marketinggag ist. Wir machen es aus voller Überzeugung, das Beste für den FC St. Pauli auch als politischer Stadtteilverein zu tun. Und das wird in Zukunft auch so bleiben.

 

Foto: Witters

 

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