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Trauer um Herbert Müller

Mit Herbert Müller hat der FC St. Pauli einen herausragenden Spieler seiner Vorkriegsmannschaft, ein langjähriges Mitglied und ein echtes menschliches Vorbild verloren. Bei einer Trauerfeier am Dienstag (22.1.) gedachten zahlreiche Gäste einem großen St. Paulianer.

Eine kluge erzieherische Maßnahme brachte Herbert Müller 1931 zum Vereinsfußball: Um seinen Sohnemann vorm Eintritt in die Hitlerjugend zu bewahren, hatte Vater Müller, überzeugter Sozialdemokrat, dem kleinen Herbert kurzerhand Fußballstiefel gekauft – und ihn beim FC St. Pauli angemeldet. „Dafür bin ich meinem Vater heute noch dankbar“, erzählte Herbert Müller 2008 bei den Recherchen zum Jubiläumsbuch.

Für den braun-weißen Fußball entpuppte sich Vater Müllers Intervention als Glücksgriff, denn rasch zeigte sich das Talent des frischgebackenen St. Paulianers. Schon mit 17 Jahren debütierte der halbrechte Stürmer in der 1. Mannschaft des FC St. Pauli – und lieferte sich in der Folge leidenschaftliche Duelle mit Uwe Seelers Vater Erwin und anderen Größen der damaligen 1. Liga. Sein letztes Spiel für den FC St. Pauli machte er 1944.

Nach dem Krieg trat Herbert Müller, zuvor technischer Zeichner bei der Hamburger Großwerft Blohm & Voss, eine Stelle bei der Hamburger Polizei an. Den damaligen Gepflogenheiten entsprechend wechselte er zum SV Polizei. Doch seine große fußballerische Liebe blieb immer der FC St. Pauli.

Auch als Sichtungstrainer des Hamburger Fußballverbandes erwies er seinem Herzensverein große Dienste, entdeckte er doch neben anderen Talenten wie Stefan Effenberg auch einen vielversprechenden A-Jugendlichen namens Holger Stanislawski.

Als Herbert Müller später wieder zum FC St. Pauli und dem „Alten Stamm“ fand, freute er sich sehr, dort unter anderem seine alten Freunde Günter Peine und Harald Stender wiederzutreffen, mit denen er schon als Straßenfußballer die Hinterhöfe des Viertels unsicher gemacht hatte.

Dass es damals noch eine Grenze zwischen Hamburg und Altona gab, hatten die drei späteren FC St. Pauli-Idole gnadenlos ausgenutzt: „Wenn mal ein Schutzmann kam, um uns zu vertreiben, sind wir einfach die Straße runtergerannt, über die Grenze“, so Herbert Müller. Von dort winkten die „Wilden Fußballkerle“ dem machtlosen Gesetzeshüter fröhlich zu.

Die Entwicklung des FC St. Pauli machte Herbert Müller große Freude. Bis ins hohe Alter topfit und geistig rege, war er ein häufiger Gast am Millerntor. „Für mich ist das ein Wunder, was hier geschieht“, erzählte er 2009 in einem Sat.1-Fernsehbericht: „Ich denke oft an früher, wie primitiv das hier erst losging. Und wenn man das heute sieht: Das Stadion ist fast immer ausverkauft. Das ist ja sagenhaft, wie die Stimmung hier ist!“

Herbert Müller verstarb am 31. Dezember 2012. Dem FC St. Pauli und seinem „Alten Stamm“ wird er sehr fehlen. Unser Mitgefühl gilt seiner Tochter, seinem Sohn und seiner gesamten Familie.

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