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Aziz Bouhaddouz: „Du schießt die Tore nie alleine, sondern nur als Team“

Mit 15 Saisontoren war Aziz Bouhaddouz in der abgelaufenen Saison der beste Torschütze unseres FCSP - auch dank seiner Treffsicherheit konnte der Klassenerhalt gefeiert werden. Bevor sich der 30-Jährige am Donnerstag (25.5.) für zwei Länderspiele mit der marokkanischen Nationalmannschaft in den Flieger setzte, blickte der Angreifer im Interview erst noch auf seine erste Saison am Millerntor zurück.

Hallo Aziz, die Füße kannst Du nach der Saison nicht hochlegen, weil Du für die beiden Länderspiele mit Marokko gegen die Niederlande (31.5.) und Kamerun (9.6.) nominiert wurdest. Ärgerst Du Dich, im Gegensatz zu den Teamkollegen keinen Urlaub zu haben?

Nein. Auch wenn ich 16 Tage unterwegs sein werde, freue ich mich auf die Reise.

Wie geht’s anschließend für Dich weiter?

Ich nutze die Zeit und werde bei meiner Familie in Marokko bleiben. Eine Woche ist natürlich nicht lang, deswegen werde ich noch mal mit dem Trainerteam sprechen. Vielleicht bekomme ich nachträglich noch ein paar Tage länger frei.

Gehen wir mal ein gutes Jahr zurück, als Du zum FCSP gekommen bist. Mit welchen Zielen bist Du ans Millerntor gewechselt?

Nach zwei Spielzeiten in Sandhausen mit jeweils neun Toren wollte ich zweistellig treffen. Ich freue mich, dass mir das gelungen ist. Leider konnten wir das zunächst gesteckte Ziel, eine gute Rolle in der Liga zu spielen, nicht erreichen. Dafür konnten wir eine starke Rückrunde abliefern und, zur Winterpause undenkbar, bereits am 32. Spieltag den Klassenerhalt sichern.

Hand aufs Herz: Was war das Erste, an das Du nach dem Schlusspfiff in Kaiserslautern gedacht hast?

Jedes Spiel war immens wichtig, aber das in Kaiserslautern noch ein bisschen mehr als alle anderen. Es hatte Endspielcharakter. Entsprechend haben wir von der ersten bis zur 95. Minute alles gegeben. Am Ende wurde es noch mal spannend, aber dann hatten wir es geschafft. Die Erleichterung war nach dem Abpfiff bei uns allen riesig.

In Kaiserslautern konntest Du eines Deiner insgesamt 15 Tore erzielen. Dein vielleicht wichtigster Treffer für unseren FCSP?

Aufgrund der besonderen Bedeutung der Partie ja. Die Führung hat uns Sicherheit gegeben, anschließend konnten wir das Spiel verdient gewinnen und den Klassenerhalt feiern.

Aziz Bouhaddouz (re.) überwindet FCK-Keeper Julian Pollersbeck und erzielt sein wichtigstes Tor für den FC St. Pauli.

Aziz Bouhaddouz (re.) überwindet FCK-Keeper Julian Pollersbeck und erzielt sein wichtigstes Tor für den FC St. Pauli.

Welches war Dein schönstes Tor?

Als ich den Ball gegen Karlsruhe über Dirk Orlishausen hinweg zum 5:0 ins Tor gechippt habe. Eigentlich wollte ich den Ball ja für Lenny auflegen, er kam aber wieder zu mir zurück und dann dachte ich, ich hebe ihn mal drüber.

Gegen den KSC ist Dir dadurch ein lupenreiner Hattrick gelungen. War das Spiel Dein Saison-Höhepunkt?

Es gab nicht den einen Höhepunkt, es gab viele tolle Momente. Dazu gehören sicherlich die beiden Siege gegen Karlsruhe und Kaiserslautern, aber auch der erste Saisonsieg gegen Bielefeld, als ich mein erstes Tor am Millerntor bejubeln durfte und wir den ersten Heimsieg feiern konnten.

Im Laufe der Saison bist Du immer treffsicherer geworden, in der Rückrunde konntest Du zehn Tore bejubeln. Warum lief es bei Dir so gut?

Ein Stürmer braucht Selbstvertrauen, um seine Buden zu machen. Hat man davon mehr, kann man aus einer halben Torchance gerne auch ein Tor machen. Es gibt aber auch Spiele, wie beim letzten Heimspiel gegen Fürth, da will der Ball einfach nicht rein, obwohl man einen Lauf hat. So ist das im Fußball. Wenn alles optimal gelaufen wäre, hätte ich die 20-Tore-Marke geknackt. Aber auch ein Robert Lewandowski trifft nicht jedes Mal. Sonst hätte er schon längst 40 Mal oder häufiger gejubelt. Mit meiner Quote kann ich aber zufrieden sein. An dieser Stelle muss ich mich bei den Jungs bedanken. Es waren viele perfekte Vorlagen dabei. Ich denke da zum Beispiel an Cenks Flanke bei 1860 oder Waldis Hereingabe gegen Karlsruhe. Du schießt die Tore nie alleine, sondern nur als Team. Ohne die Jungs hätte ich keine 15 Mal getroffen!

In der Hinrunde waren es insgesamt nur elf Tore, in der zweiten Saisonhälfte konntet Ihr dann 28 Treffer erzielen. Hast Du eine Erklärung dafür?

Unsere Chancenverwertung war natürlich lange nicht gut. Ich meine, gelesen zu haben, dass wir auch in dem Punkt nach der Hinrunde Letzter waren. In der Rückrunde hat es in allen Bereichen – sowohl defensiv als auch offensiv – einfach viel besser geklappt. Wir standen hinten besser, haben besser nach vorne gespielt und uns so viel mehr Torchancen herausgearbeitet. Diese haben wir dann auch besser genutzt.

Dank Deiner Tore und Leistungen wurdest Du noch in der Hinrunde für die Nationalmannschaft Marokkos berufen. Im Januar hast Du dann am Afrika Cup teilgenommen, während sich die Teamkollegen in Hamburg und Spanien auf die wichtige Rückrunde vorbereitet haben. Wie schwer ist Dir die Entscheidung gefallen?

Ich habe mich nicht gegen den FC St. Pauli, sondern für Marokko entschieden. Es ist ein Traum, bei einem solchen Turnier für sein Heimatland aufzulaufen. Aufgrund unserer Situation war es für mich aber nicht einfach, die Vorbereitung zu verpassen. Rückblickend war der Afrika Cup die absolut richtige Entscheidung. Ich bin mit sehr viel Selbstvertrauen zurückgekehrt und konnte der Mannschaft in der Rückrunde helfen.

Abschließende Frage: Wie geht’s nächste Saison weiter, was ist da drin?

Wir wollen in der neuen Saison da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben. Wir wollen so erfolgreich wie möglich spielen, mit meinen Toren will ich natürlich dazu beitragen.

#allezusammen: Bouhaddouz bejubelt mit Lasse Sobiech, Cenk Sahin und Bernd Nehrig dessen Treffer gegen 1860 München.

#allezusammen: Bouhaddouz bejubelt mit Lasse Sobiech, Cenk Sahin und Bernd Nehrig dessen Treffer gegen 1860 München.

(hb)

Fotos: Witters

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