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"Damit eine gerechtere Behandlung im Fußball erreicht wird"

Unsere Frauen- und Mädchenfußballabteilung nimmt in diesem Jahr an einem Jugendgruppenaustausch teil. Dabei soll es um das Thema "Geschlechter-Gerechtigkeit" gehen. Dafür kommt im Juli ein Team aus Tansania nach Hamburg. Wir sprachen mit Sanna aus der Abteilung über den Austausch, die Ziele und die Hoffnungen, die hinter dem Programm stehen.

Moin Sanna, in ein paar Tagen kommt ein Frauenfußballteam aus Tansania nach Hamburg und ist zwei Wochen bei Euch zu Besuch. Was hat es damit auf sich?

Der Besuch der Frauen aus Dar es Salaam in Tansania ist Teil eines Austausches zwischen der Frauenfußballabteilung des FC St. Pauli und dem Frauenfußballteam Simba Queens vom Simba SC. Dieser Austausch findet als "weltwärts – außerschulisches Begegnungsprojekt" statt, einer Förderlinie von Engagement Global, mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ). Die Förderung ist den UN Nachhaltigkeitszielen verpflichtet und für unseren Frauenfußball-Austausch haben wir passenderweise das UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 5 zum Thema gemacht, welches sich auf Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung aller Frauen und Mädchen bezieht.

Warum macht Ihr das Projekt?

Noch immer sind Frauen und Männer in der Gesellschaft nicht gleichgestellt. Im Fußball lässt sich das besonders gut beobachten: Fußballerinnen verdienen nur einen Bruchteil von dem, was ihre männlichen Kollegen verdienen, die Teams haben weniger Geld zur Verfügung und Frauen werden weniger gefördert und gefordert und das bloß, weil die Menschen, die den Sport ausüben ein anderes Geschlecht haben. Diskriminierung erfahren Fußballerinnen auch außerhalb des Platzes zum Beispiel dafür, dass sie einem vermeintlichen >Männer-Hobby< nachgehen. Das Projekt mit den Fußballerinnen vom Simba SC dient hierbei des Austausches über die nationalen Grenzen hinweg. Wir wollen uns gemeinsam über Frauenfußball und die Diskriminierungserfahrungen in unseren Herkunftsländern austauschen und Strategien zur Gleichstellung, zum Empowerment und zur Verbesserung entwickeln.

Wie bereitet Ihr Euch auf diese Zeit vor?

Für die erste Austauschphase gab es bereits eine 3-tägige Vorbereitungsphase, in der wir uns beispielsweise mit der deutschen Kolonialgeschichte in Tansania und kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden auseinandergesetzt und unser eigenes Denken in Bezug auf Kultur reflektiert haben. Außerdem gab es für beide Teams zur Vorbereitung bereits Workshops zum Thema "Geschlechtergerechtigkeit", in denen auch die Rollen von Frauen im Fußball und unsere eigenen Erfahrungen als Fußballerinnen mit reflektiert wurden. Nach der ersten Austauschphase wird es eine intensive Nachbereitung geben und wenn wir im März 2020 nach Dar es Salaam fahren, wiederholt sich die Vor- und Nachbereitung für beide Teams.

Was wisst Ihr über Frauenfußball in Tansania und in Afrika generell?

Noch nicht allzu viel, aber wir sind sehr neugierig mehr darüber zu lernen! Bisher haben wir von den Austauschpartnerinnen z.B. erfahren, dass die Frauenfußball Liga in Tansania recht jung ist und mittlerweile ca. sechs bis neun Teams dort spielen. Alle spielen bei den Simba Queens professionell Fußball, verdienen damit etwas Geld und sind durch den Verein eben auch krankenversichert. Als Hobby neben der Arbeit ist Fußball kaum vorstellbar, sondern bietet vor allem Frauen mit einer kürzeren Bildungslaufbahn eine berufliche Perspektive. Also eher das Gegenteil von der Situation des Frauenfußballs in Deutschland ;-)

Wie sehen die 14 Tage in Hamburg aus?

Sehr vielfältig! Die Tage sind gut mit Programm gefüllt: Wir starten mit einem gegenseitigen Kennlernprogramm, Sprach-Crashkursen und Viertelerkundung und steigen dann in die ersten Workshops ein, in denen wir uns weiter mit dem Thema der Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzen wollen – nur diesmal gemeinsam. Wir werden auch drei Tage in Berlin verbringen, Projekte von und für Frauen besuchen (wie z.B. Discover Football) und zur Saisoneröffnung trefft ihr uns im Stadion. In den 14 Tagen arbeiten wir außerdem an einer Ausstellung für unser Abschlussturnier, in der wir unsere erarbeiteten Gedanken und eigenen Erfahrungen festhalten werden.

Was erhofft Ihr Euch von dem Austauschprojekt?

Wir wollen durch den Austausch Begegnungen schaffen, die es ermöglichen den Frauenfußball aus anderen Perspektiven zu sehen. Damit ist sowohl der Fußball im jeweiligen Land gemeint, als auch Frauenfußball im Allgemeinen. Das geht allerdings oftmals erst im Vergleich. Wir wollen voneinander lernen, uns bestärken und konkrete Strategien erarbeiten, mit denen wir arbeiten können, damit eine gerechtere Behandlung von Frauen im Fußball erreicht wird.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

(lf)

Fotos: FCSP Frauen- und Mädchenfußball

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