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Thema Stadionöffnung: "Das unterliegt nicht einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung"

Knapp 2.300 – so viele Menschen dürfen das erste Heimspiel des FC St. Pauli in der Saison 2020/21 im Millerntor-Stadion verfolgen. Für diese Anzahl und das entsprechende Hygienekonzept erhielt der Verein nun grünes Licht von den Hamburger Behörden. Zuvor hatten am Dienstag (15.9.) die Bundesländer gemeinsam eine Teil-Rückkehr von bis zu 20 Prozent der Fans in die Bundesliga-Stadien beschlossen. Wir haben mit Bernd von Geldern, Geschäftsleiter Vertrieb beim FC St. Pauli, über diese neue Entwicklung zum Thema Fan-Rückkehr in die Stadien gesprochen.

Moin Bernd, durch die Entscheidung der Bundesländer zur Teil-Rückkehr von Fans in die Stadien kam kurz vor dem Bundesliga-Start reichlich Schwung in das Thema. Doch erst mit der Anpassung der Eindämmungsverordnung durch die Stadt Hamburg hat der FC St. Pauli Details zu seinem Konzept für die Öffnung des Millerntor-Stadions bekanntgegeben. Woher rührt die vorherige Zurückhaltung?

Zunächst einmal daher, dass tatsächlich erst durch diese Anpassung der Eindämmungsverordnung der Weg frei war für mehr als 1.000 Fans in Hamburger Stadien. Zudem musste auch unser Hygienekonzept für diesen Fall erst genehmigt werden. Jetzt, wo gewissermaßen die Tinte trocken ist, können wir auch guten Gewissens damit an die Öffentlichkeit gehen. Aber bis zu diesem Zeitpunkt gab es einfach zu viele Unklarheiten. Niemand hätte etwas davon gehabt, wenn wir Zuschauerzahlen und Ideen ausgerufen hätten, die letztlich nichts mit der Realität zu tun haben. Es wäre in meinen Augen auch verantwortungslos gewesen, durch so ein Vorgehen den Entscheidungen der Behörden und der Politik vorzugreifen.

Das Thema beschäftigt den Verein demnach schon länger?

Wir haben schon vor Wochen eine große interdisziplinäre Gruppe eingerichtet, die sich aus vielen Bereichen zusammensetzt. Mit der Gruppe haben wir nach der besten Lösung gesucht und immer wieder in Gesprächen mit der Politik und DFL herauszufinden versucht, was für uns die passende Lösung ist. Dass diese Arbeit im Hintergrund läuft, haben wir im Übrigen auch kommuniziert. Nur eben keine Zahlen und Details.

Viele dürften nach dem Länder-Entscheid auf noch mehr Zuschauer zum ersten Heimspiel gehofft haben. Ist das aktuelle Szenario denn überhaupt rentabel?

In der Geschäftsleitung und im Präsidium haben wir beschlossen, dass wir auf jeden Fall mitmachen wollen, um den Weg zurück in die Normalität zu gehen, denn wir wollen wieder vor Fans Fußball spielen. Dazu möchten wir unseren Teil beitragen. Wir wollen Erkenntnisse sammeln, um schrittweise mehr Fans in die Stadien lassen zu können. Das unterliegt nicht einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung.

Welche Regeln und Vorgaben müssen die Zuschauer*innen beachten und umsetzen?

Es wird mobile und auch personalisierte Tickets geben, da kommen wir nicht drum herum. Durch den Personalausweis muss nachgewiesen werden, dass man das Ticket, das es nur online geben wird, auch gekauft hat. Da müssen wir als Verein sicherstellen, dass die Person, die das Ticket erworben hat, auch im Stadion ist. Mit dem Kauf bestätigt man zudem, dass man symptomfrei ist. Auch im Stehplatzbereich müssen sich die Fans an den entsprechenden Plätzen hinsetzen. Und das ist nur ein Teil der Einschränkungen, die sie in Kauf nehmen müssen. Wir wissen, dass das viel verlangt ist, aber wir sind der Überzeugung, dass unsere Fans diesen Weg mitgehen. Wenn alles reibungslos läuft, haben wir nämlich auch die Argumente auf unserer Seite, für die kommenden Spiele mehr Leute reinzulassen.

Welche Fans haben denn überhaupt eine Möglichkeit, gegen Heidenheim dabei zu sein?

Die Treuesten der Treuen und das sind unsere Dauerkarten-Inhaber*innen, sie werden bevorzugt behandelt. Das werden sie in normalen Spielzeiten mit dem Vorkaufsrecht für Dauerkarten-Inhaber*innen ja auch. Hinzu kommen die Dauerkarten-Inhaber*innen auf den Business-Seats, sodass wir insgesamt ca. 17.000 Personen mit einem Vorkaufsrecht haben. Wir werden alle anschreiben, ob sie überhaupt Interesse haben.

Wie wird die Ticketvergabe ablaufen?

Das muss ich genauer erklären, denn wir werden die Tickets verkaufen. Da wird jede*r Dauerkarten-Inhaber*in sicherlich sagen, dass das Ticket mit dem Kauf der Dauerkarte ja schon bezahlt wurde. Wir bekommen es aus technischen Gründen zum ersten Spiel nicht anders umgesetzt. Das Ticket, das 15 Euro* kosten wird, muss erworben werden. Dafür kann man sich das Ticket, das man für das Spiel mit dem Kauf der Dauerkarte erworben hat, dann erstatten lassen. Die Möglichkeit zur Rückerstattung schalten wir dann immer nach den jeweiligen Spielen frei.

Wird der Ablauf für das erste Heimspiel auch für die weiteren Heimspiele gelten oder kann es dann andere Regelungen geben?

Nach dem Spiel gegen Heidenheim werden wir sofort in die Analyse gehen und schauen, was wir besser machen können. 14 Tage später steht das nächste Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg an. Welche Änderungen hier dann schon greifen können müssen wir sehen. Unser Ziel ist es, sicherlich dann ab dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC (Sonntag, 8.11.) Abläufe zu etablieren, soweit das die pandemische Entwicklung zulässt. Oberste Priorität hat erst einmal, wie wir die Teilöffnung für unsere Fans unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes optimal gestalten können.

Können sich auch Gruppen für Tickets bewerben oder diese so erwerben, dass man nebeneinandersitzen kann?

Zum ersten Heimspiel können wir das nicht umsetzen. Man wird zwar einen Platz auswählen und buchen können, aber man kann eben nur ein Ticket kaufen. Es ist aber somit möglich, dass man sich abspricht und zumindest mit seinen Bekannten im selben Bereich Tickets bucht. Das erste Heimspiel steht aber unter einer anderen Überschrift und die lautet, dass wir uns zusammen solidarisch an die Auflagen halten, damit wir möglichst schnell wieder vor möglichst vielen Fans spielen können. An dieser Stelle möchte ich an alle, die im Stadion sein werden, appellieren, dass sie sich so an die Vorgaben halten, dass wir im Nachgang der Politik und den Behörden sagen können, dass es bei uns einwandfrei gelaufen ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

(hbü)

Fotos: FC St. Pauli

 

*VIP-Tickets kosten 65 Euro

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