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FCSP-Triathlet Thorsten Schröder: „Da bin ich voll ausgetickt“

Er ist Mitglied in der Triathlon-Abteilung des FC St. Pauli und hat eine lebenslange Dauerkarte für die Gegengerade. Im Oktober 2017 absolvierte Thorsten Schröder als erster St. Paulianer den Ironman auf Hawaii. Wir haben uns mit dem Tagesschau-Sprecher über Masterpläne, Glücksgefühle und seine tiefe Verbundenheit zum FC St. Pauli unterhalten.  

Moin moin Thorsten, kann man das Überqueren der Ziellinie auf Hawaii mit einem Treffer in der 90. Minute am Millerntor, der über den Ausgang einer Saison entscheidet, gleichsetzen?

Ich würde eher die Qualifikation für Hawaii mit einem Treffer in letzter Minute vergleichen. Denn die war haarscharf und dramatisch. Als ich die Quali tatsächlich geschafft hatte, bin ich ausgetickt. Das Rennen auf Hawaii selbst ist wie eine solide Saison nach dem Aufstieg in der Bundesliga, in der man die Klasse hält. Oder wie Island. Die freuen sich wie Bolle, dass sie bei der WM dabei sind und wissen, dass sie nicht Weltmeister werden. Sie wollen vor allem Spaß haben, es genießen, und es reicht ihnen, eine gute Figur abzugeben. So ging es mir auch auf Hawaii.

Den Einfall einen Ironman zu laufen hat man ja nicht einfach so. Wie kommt man auf die irrsinnige Idee, sich auf so ein Abenteuer einzulassen?

Ich hatte schon 13 Jahre Triathlon-Erfahrung auf kürzeren Strecken gesammelt als ich im November 2011 mit dem Langdistanz-Training anfing. Ich wollte eine neue Herausforderung und herausfinden, ob ich in der Lage bin, Körper und Kopf so zu trainieren, dass ich die 226 Kilometer auf der Langdistanz durchhalte. Das erschien mir sehr schwierig, aber nicht komplett unrealistisch. Tatsächlich habe ich es bei meinem ersten Ironman in Frankfurt 2012 sicher ins Ziel geschafft. Aus dem „Einmal und nie wieder“ ist dann eine große Leidenschaft geworden. Ich habe mich in den Folgejahren gesteigert und irgendwann kam der Gedanke, dass ich es mit Fleiß, Disziplin und einem guten Plan vielleicht zumindest in die Nähe der Qualifikation für Hawaii schaffen könnte. Zusammen mit meinem Trainer habe ich einen Masterplan entwickelt, der auf zwei Jahre ausgelegt war. Im ersten Jahr wollte ich vor allem schneller laufen, in der vergangenen Saison ging es dann in die Vollen, unter anderem mit drei Trainingslagern. Ich wollte nach Hawaii und habe viel dafür getan. In Frankfurt bin ich noch um anderthalb Minuten gescheitert, in Hamburg hat es dann geklappt. Ist ja auch viel schöner, dass ich die Quali in meiner Quasi-Heimat eintüten konnte. Besser geht es nicht.

Ist Hawaii als Triathlet irgendwann die logische Folge?

Nein, das ist es nicht, denn der Trainingsaufwand ist immens. Das muss man wollen! Es gibt aber sicher talentiertere Triathleten, die vielleicht nicht ganz so viel ackern müssen. Ich bin von Natur aus kein schneller Läufer, kein schneller Radfahrer und schon gar kein guter Schwimmer. Das musste ich mir alles erarbeiten, was ich aber gerne getan habe, da mich auch die Fortschritte immer wieder motivieren. Ich hatte noch nie zuvor so viel Spaß am Training wie in der Hawaii-Saison. Obwohl ich noch nie so viel trainiert habe.

Hattest Du auch Phasen, in denen Du in ein Motivationsloch gefallen bist?

Überraschendeweise überhaupt nicht. Auch meine Freundin meinte, dass ich offensichtlich sehr viel Spaß am Sport habe. Das lag sicher auch daran, dass mich das große Ziel „Hawaii“ zusätzlich motiviert hat. In den Jahren zuvor gab es immer mal Phasen und Tage, an denen ich keine Lust hatte. Bei miesem Wetter zum Beispiel oder wenn neben Arbeit und Training für kaum etwas anderes Zeit blieb.

Warst Du Dir sofort Deiner Leistung bewusst oder kam das mit der Zeit?

Vor allem konnte ich kaum glauben, dass ich tatsächlich bei der Weltmeisterschaft dabei bin und der große Traum wahr wird. Der schien vor wenigen Jahren ja noch komplett unerreichbar. Ich bin nach der geglückten Quali in Hamburg mit dem Gedanken „Wahnsinn, es geht nach Hawaii“ eingeschlafen - und auch wieder aufgewacht. Es dauerte seine Zeit, bis ich das realisiert hatte. Hawaii selbst war entspannt. Für mich ging es nur noch darum, den Ironman zu genießen - sofern das unter den Bedingungen dort möglich ist. Und darum,  ohne Defekt oder andere Probleme heil ins Ziel zu kommen. Den Weltmeister-Titel hatte ich von vornherein abgehakt (schmunzelt).

Aus  „Einmal und nie wieder“ ist eine große Leidenschaft geworden

Aus „Einmal und nie wieder“ ist eine große Leidenschaft geworden

Erkläre uns doch bitte Deine Verbindung zum FC St. Pauli.

Die ist schon sehr alt. Es begann mit der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga 1983. Zu Gast war der SC Eintracht Hamm. Meine Schwestern wohnten damals in der Schanze und als mein Vater und ich zu Besuch waren, sind wir auch ans Millerntor gegangen. Dabei habe ich mein Herz sofort an den FC St. Pauli verloren. Die vielleicht 5.000 Zuschauer haben eine grandiose Stimmung gemacht. Man konnte die Rufe der Spieler auf dem Platz hören, man war also sehr nah dran. Die Mannschaft hat gekämpft wie wahnsinnig. Und die bunte Mischung auf den Rängen gefiel mir auch. Ich fand das alles so toll, dass mir sofort klar war: Das ist mein Verein! Das ist mein Stadion!

Und wie sieht’s aktuell aus?

Wenn die Arbeit nicht dazwischen grätscht, oder auch Dinge wie ein Ironman auf Hawaii (lacht), bin ich am Millerntor. Ich habe mir 2003 eine lebenslange Dauerkarte für die Gegengerade gekauft, weil ich mir sicher war, dass ich auch die kommenden 50 Jahre ans Millerntor gehe. Ich habe zugeschlagen, obwohl man nicht so genau wusste, was aus dem Verein werden würde. Die Investition hat sich aber sehr gelohnt. Ein großer Vorteil, sich nicht um den Stadion-Eintritt scheren zu müssen. Vor allem in den zurückliegenden und bevorstehenden Erstliga-Jahren des FC.  

Was macht den Verein heute für Dich aus?

Es hat sich natürlich einiges verändert. Der Verein ist sehr viel professioneller geworden, er hat sich aber seinen Charme bewahrt. Die Stimmung ist immer noch grandios. Allerdings finde ich es sehr schade, dass ein paar Zuschauer pfeifen, wenn es bei unseren Jungs mal nicht läuft. Das gab es früher nicht, was auch ein Grund für mich war, zum FC zu gehen. Denn für mich ist mein Herzens-Club kein Dienstleister, der mir für mein Geld einen Erfolg liefern muss und wenn er das nicht macht, bin ich sauer. Sondern wir kämpfen alle zusammen. Außerdem müsste jedem klar sein, dass Runtermachen selten leistungssteigernd wirkt. Natürlich muss man im Stadion meckern und motzen. Mache ich auch, schließlich stand ich früher in der Meckerecke. Aber am Ende sollte immer die Mannschaft unterstützt werden – mit Anfeuern!

Die meisten Menschen kennen Dich nur als seriösen Nachrichtensprecher. Wie schaut Thorsten Schröder Fußball?

Da gehe ich enthusiastisch mit, schreie die Mannschaft nach vorne und versuche alles, um meinen Teil zum Erfolg auf dem Rasen beizutragen. Die dann etwas heisere Stimme kann man wohl auch hören, wenn ich direkt nach einem Spiel arbeiten muss (schmunzelt).

Was wünscht Du St. Pauli für die Zukunft?

Eine lange Zugehörigkeit zur Zweiten Liga mit gelegentlichen Besuchen in der obersten Etage. Bitte keine dritte Liga mehr. Ansonsten wünsche ich mir, dass die Fans am Millerntor weiterhin so laut und gleichzeitig gesellschaftlich engagiert bleiben.

Danke für das Gespräch, Thorsten!

 

(lf)

Fotos: www.spomedis.de

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