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NLZ-Leiter Stilz: "Wir merken, dass keiner mehr weg will"

Das Nachwuchsleistungszentrum befindet sich in einem ständigen Entwicklungsprozess. Wir haben mit NLZ-Leiter Roger Stilz gesprochen. Der Fußball-Lehrer sprach u.a. über die Konkurrenzsituation im Nachwuchsfußball, die besondere Rolle der U23 und die Durchlässigkeit ins Profiteam.

Moin Roger, ein kurzes Fazit zur Winterpause: Bist Du zufrieden mit der Entwicklung im Nachwuchsleistungszentrum?

Wir müssen gucken, wie sich die einzelnen Spieler entwickeln und die Quote nach oben ist. Da glauben wir, sagen zu dürfen, dass die individuelle Betreuung besser und vielfältiger geworden ist. Ich bin echt zufrieden, was die Themen anbetrifft, wo die verschiedenen Abteilungen - Athletik, Torwarttraining, Sportpsychologie usw. -, die wir aufgebaut und bewusst erweitert haben, miteinander sprechen. Die individuelle Förderung und das Abholen des Einzelnen werden immer besser. Natürlich gibt es immer Potentiale, aber man sieht ja auch, dass seit Beginn der Saison zehn NLZ-Spieler im Kader der Profis standen. Die Jungs sehen und merken, dass sie ihre Chance bekommen - da geht auch ein Dank an die sportliche Leitung mit Andreas Bornemann und das Team um Jos Luhukay. Und unsere Aufgabe ist es, die Jungs darauf vorzubereiten. Und ich glaube das gelingt uns gut.

Mit Benjamin Liedtke habt Ihr einen Koordinator für den Leistungsbereich U10-U14 installiert. Aus welchem Grund?

 Das Ziel mit der vollen Stelle eines Koordinators U10-U14 am Brummerskamp war ganz klar: Ich wollte eine noch bessere Betreuung der jungen Jahrgänge, weil sich daraus alles entwickelt. Benjamin Liedtke war viele Jahre Trainer in diesen Jahrgängen und hat sich eine gehörige Portion Expertise angeeignet. Er hat sich ganz klar im Bewerbungsverfahren, an dem externe und interne Bewerber teilgenommen haben, durchgesetzt. Das Aufgabenprofil ist klar: Benj coacht die Trainer, hat ein Auge auf die Implementierung und Weiterentwicklung der Spielphilosophie und ist täglicher Ansprechpartner im sportlichen Bereich für die Spieler und Eltern. Ich bin absolut zufrieden mit der Art und Weise, wie Benj die abgesprochenen Themen in seinem Bereich umsetzt. Was nicht heißen soll, dass wir nicht weiterhin kritisch miteinander sind. Aber das sind wir beide (lacht).

Viele Bundesligisten beginnen schon in diesem Altersbereich bei anderen NLZs zu scouten. Hat sich die Konkurrenzsituation im Nachwuchsfußball nochmal verschärft?

Die Frage begegnet uns immer wieder. Auf jeden Fall wird die Konkurrenzsituation nicht geringer. Wir als FC St. Pauli und auch als NLZ müssen den Wettbewerb anerkennen und nicht so tun, als gäbe es ihn nicht. Diese Haltung habe ich 2016, als ich die Arbeit hier aufgenommen habe, auch wahrgenommen und ich wollte das ändern. Denn: Wir befinden uns in einem umkämpften Markt und das auch schon in diesem Altersbereich. Deshalb vermitteln wir Eltern, Spielern und ihrem Umfeld unsere klare Handschrift, wie wir arbeiten wollen. Wir feedbacken ehrlich und zeigen Perspektiven auf. 

Dazu müssen wir zum einen ehrlich zum Wettbewerb sein und zum anderen mussten wir einen eigenen Weg finden, wie wir ausbilden möchten. Wir glauben an den Wert von unendlich vielen Ballkontakten, an die Kraft von weniger Druck und mehr Freude. Aber auch an die Professionalität, an klare Absprachen, an offene, ehrliche Gespräche mit Eltern. Wir glauben daran, dass wir mentale Drucksituationen in diesem Altersbereich nicht noch künstlich erzeugen müssen, weil sie noch früh genug und automatisch auf die Jungs zukommen werden.

In dieser Saison standen zehn NLZ-Spieler bei der Lizenzmannschaft im Kader. Ein Kompliment an Eure Arbeit?

Ich glaube, unsere Spieler immer besser vorbereitet auf das, was kommt. Wir haben unsere Schritte zu gehen im athletischen Bereich. Ich denke an Aurel Loubongo, Luis Coordes und Christian Conteh, die gemerkt haben, dass dort athletisch ein anderer Wind weht. Da haben wir auch unsere To-Do`s. Wir haben aber auch richtig positive Beispiele wie Finn Ole, Ersin, Flo Carstens oder Niklas Hoffmann, die auf ihre Spiele gekommen sind. Das ist auf jeden Fall eine richtig positive Tendenz, mit der wir uns vor anderen Zweit- und auch Erstligisten nicht verstecken müssen. Da sind wir auf einem guten Weg.

Ein Großteil dieser Spieler ist zuvor den Weg über die U23 gegangen. Wie wichtig ist dieser Zwischenschritt in der individuellen Entwicklung?

Die U23 ist für uns eine eminent wichtige Ausbildungsstufe. Für einen Verein wie den unsrigen bietet die Regionalliga Nord die Möglichkeit, im Herrenfußball Fuß zu fassen, das auf der Stufe zu erleben, ist eminent wichtig. Bis auf Finn Ole Becker haben alle anderen den Weg über die U23 genommen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das der Weg ist, den der Verein in der mittelfristigen Zukunft gehen muss. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: ich bin überzeugt, dass wir die U23 als feste Plattform für unsere internen, aber auch externen Spieler ausbauen müssen, um ihnen darüber die Möglichkeit geben, den Weg in den bezahlten Fußball, also 3., 2., 1. Liga, zu gehen. Deswegen ist das eine unglaublich wichtige Stufe.

In der laufenden Saison hat die U23 fußballerisch konstant überzeugt, aber sich verhältnismäßig zu selten mit Punkten belohnt. Worin besteht die Schwierigkeit, den Schritt vom Jugend- zum Erwachsenenfußball zu machen?

Das erleben wir ja nicht zum ersten Mal. Dieses Wagnis gehen wir aber bewusst ein: Wir haben in der U23 ein Durchschnittsalter von 20 Jahren. Die großen Herausforderungen für junge Spieler in diesem Bereich sind die Körperlichkeit und die Kompromisslosigkeit im direkten Duell. Oftmals sind es nicht fußballtaktische oder -technische Aspekte. Wir sind spielerisch nahezu allen Mannschaften ebenbürtig oder sogar überlegen. Aber neben der athletischen Komponente kommt noch eine mentale hinzu, weil man natürlich mehr im Fokus steht. Es wird darübergeschrieben und auch mal kritisch geguckt, wenn man mal zwei, drei Spiele verliert. In diesen engen Momenten mental wie körperlich stabil zu bleiben und dranzubleiben, darin liegt die große Herausforderung für Jugendspieler, die zum ersten Mal im Herrenbereich spielen.

Mit Blick auf die Ergebnisse haben die Mannschaften von der U15 bis zur U23 zugegebenermaßen noch Luft nach oben. Woran liegt das?

Es hätten schon ein paar mehr Punkte mehr sein können, bei der einen oder anderen Mannschaft. Darüber ärgere ich mich aber gar nicht so sehr. Jetzt kann man sagen, dass die Platzierungen schon ein bisschen dünn sind. Das finde ich aber nicht. Ich habe nichts gegen mehr Punkte, aber mir geht es auch darum, wie wir im Alltag mit den Talenten arbeiten und wie wir sie in ihrer Lebenswelt und Situation abholen. Ich glaube, dass wir da eine Handschrift entwickelt haben, wie wir arbeiten wollen – nämlich spartenübergreifend. Die verschiedenen Bereiche – Kaderplanung, Torwarttraining, Sportpsychologie, Athletik, Pädagogik, Video-Analyse, Administration – greifen gut ineinander. Das bemerken auch die einzelnen Spieler, Eltern und Berater. Da machen wir gute Schritte und nehme auch den einen oder anderen Punkt weniger in Kauf.

Wir befinden uns noch in einer langen Winterpause, in der die Trainer intensiv mit ihren Schützlingen arbeiten können. Was ist den leistungsorientierten Mannschaften in der Rückserie zuzutrauen?

Ich glaube schon, dass wir in den verschiedenen Staffeln ein bisschen klettern werden. Man muss dazu auch sagen, dass die U19 und U17 in ihren Bundesligen schon gegen einige der Topteams zweimal gespielt haben. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir gegen die Konkurrenten auf Augenhöhe gute Spiele abliefern und unsere Punkte einfahren werden. Ich denke, wir können uns auf die Rückrunde freuen. Wenn wir die Belastung im Winter gut steuern, bin ich zuversichtlich, dass wir eine gute Rückrunde spielen werden. Das betrifft all unsere Mannschaften.

Ihr habt in den vergangenen Jahren, aber eben auch 2019 sportlich, infrastrukturell und beim Personal viel angestoßen. Welche Projekte stehen für 2020 auf der Agenda?

In der Infrastruktur haben wir im vergangenen Jahr echt Schritte gemacht. Wenn ich an die Übernahme des zweiten Jugendtalenthauses oder an den neuen Kunstrasenplatz und das neue Minispielfeld am Brummerskamp denke. Das war von Nöten und haben wir als Verein vorangetrieben. Wir sind weiterhin dabei, dass wir infrastrukturelle Themen voranschieben. Personell haben wir uns modifiziert. Mit Lukas Arenas haben wir einen Leiter zur Athletik neu dazu geholt, der Karim Rashwan, der im Sommer zu den Profis gegangen ist, ersetzt. Jannik Niden, der zur Videoanalyse zu den Profis hochgegangen ist, wurde durch Niklas Hagenhoff ersetzt im Spätherbst. Das war natürlich eine lange Bewerbungsphase, aber ich habe nichts gegen sowas. Denn es ist so, dass wir a) Spieler ausbilden und b) auch Mitarbeiter weiterentwickeln wollen. Und ich freue mich ungemein, dass Karim und Jannik oben bei der Lizenzabteilung so ein gutes Standing haben und ihren Job machen können. Ich persönlich möchte für Mitarbeiter- und Personalentwicklung stehen. Deswegen arbeiten wir mit Potentialanalysen, Coachings, Vorträgen. Wir machen Weiterbildung möglich. Das ist der Weg, den wir als Verein, aber auch als NLZ gehen wollen. Ich glaube, das sieht man auch in der Professionalisierung im Nachwuchsleistungszentrum und da bin ich wirklich zufrieden. Da möchte ich einen Dank an die einzelnen Abteilungen aussprechen, die sich ein Tempo angewöhnt haben. Ich finde, dass wir in diesem Bereich einen guten Job machen und einen guten Service für die Jungs bieten. Und das merken wir auch daran, dass keiner mehr weg will.

Eine Sache möchte ich nicht vergessen: Ich möchte ganz zum Schluss einen großen Dank an die AFM aussprechen. An den AFM-Abteilungsvorstand aber auch an alle AFM-Mitglieder. Ohne die Hilfe der AFM wäre das ganze Paket NLZ so nicht möglich. In diesem Sinne auf ein Neues in 2020. Merci, für die Unterstützung!

 

(ms)

Fotos: Olli Mueller


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