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Fanclub "Edelstoff St. Pauli"

Zu jedem Auswärtsspiel der Braun-Weißen bitten wir einen Fanclub aus der Nähe unseres kommenden Gegners zum Interview. In dieser Woche haben wir uns mit "Edelstoff St. Pauli" über ihren Club-Namen, ihre Lieblingsspieler und natürlich die Partie beim FC Ingolstadt unterhalten.

Liebe Edelstoffler, schön, dass es diesmal geklappt hat! Erzählt doch mal: Wie viele St. Paulianer gehören mittlerweile zu Eurer Truppe und wie kam es zur Gründung Eures Fanclubs?
Nenn uns ruhig Edelstoffels! Also, es begann im sportlichen Sargnagelherbst 2001. Nach einer abendlichen Flutlicht-Punkte-Ebbe beim VfB Stuttgart blieb nur eine letzte Wochenendticketverbindung nach München und plötzlich fand sich eine Schicksalsgemeinschaft von rund einem Dutzend Totenköpfen zusammen. In unseren nur sportlich schlimmsten Zeiten danach haben wir locker 25 bis 30 Lebenslustige Zugfahrten nach Fürth, Burghausen oder Augsburg zusammengebracht. Mittlerweile sind viele, vor allem die Ex-Exilhanseaten unter uns, wieder gen Norden gezogen und nicht so viele mehr nachgekommen. Unser "Alter Stamm" umfasst heute so sechs bis acht Leute. Mein Aufruf: Hallo Münchner und Exilanten, neue Mitglieder sind willkommen!

Wie seid Ihr auf den Namen „Edelstoff St. Pauli“ gekommen?
Profan begründet: Edelstoff ist eigentlich der Name eines recht süffigen Bieres aus unser aller Lieblingsbrauerei: Augustiner, München. Mit der Flasche am Hals kam sofort die Eingebung. Im wachen Geist wühlend überlegten wir uns: Sicher verstehen Hamburger, bzw. nichtbayerische Sanktpaulianer unter unserem Namen irgendwelchen "edlen Stoff". Vielleicht Berauschendes à la grasssüßem Gegengeradenduft. Außerdem sagt man uns Münchnern ja nach, wir seien versnobt - daher "edel". Doppeldeutigkeit plus Halluzination und Selbstironie, schon war der Name in Glas gemeißelt.

Ihr kommt aus München. Da bieten sich ja eigentlich zwei andere Vereine an, für die das Herz schlagen könnte. Wie steht es mit Euren Sympathien für 1860 und den FC Bayern?
Zwei? Vergesst Unterhaching nicht. Also: Der FCB geht trotz allem fast gegen null. Im Gegensatz zu Ultrà St. Pauli pflegen wir keine Beziehung zu dem Club - wenn, dann nur zu einzelnen Mitglieder - eigentlich nur einer, aber der umso mehr. Dass uns die Jungsechzger "hassen", bedauern wir größtenteils. Die Altlöwen blicken ja – wie die meisten bei uns – gerne auf die Oldschool-Fanfreundschaft zurück. Gute Kontakte bestehen zur Fan-Initiative "Löwen-Fans gegen Rechts", an deren Aktivitäten manche von uns sich schon öfter beteiligt haben.

Das Millerntor liegt am anderen Ende des Landes - wie seid Ihr ausgerechnet darauf gekommen, den Verein zu unterstützen, der am weitesten von Euch entfernt liegt? Was macht den magischen FC so besonders für Euch?
Einige von uns sind wie gesagt Ex-Hanseaten und waren schon eingefischte Sanktpaulianer, bevor Job, Studium, Partnerschaft oder Schicksal sie an die Isar spülte. Andere können sich aus den bekannten gesellschaftspolitischen Gründen mit keiner anderen Kurve identifizieren, geschweige denn infizieren. Eigentlich gilt das für uns alle. Damit ist das Wichtigste gesagt: Wir sind Teil unserer Fans, Fans unserer Fans und leben ihre und unsere Werte.

Drückt Ihr einem oder mehreren Kiezkickern besonders die Daumen? Habt Ihr einen Fanclub-Liebling?
Naja, sicher vor allem die Urgesteine wie Boller, die dem Club schon so lange die Treue halten. Und vielleicht Leute, die sich reinhängen, wie Münchens Local Hero Markus Thorandt oder der junge Daniel Ginczek. Und Ex-Helden wie Stani oder Truller haben Lebenszeitkarten für Ex-Block 1 in unseren Herzen. Aber bei wem bitteschön nicht?

Auch Ingolstadt ist nicht weit entfernt von Euch. Seid Ihr bei Ralles Heimspiel vollständig vertreten und wie sieht eine typische Auswärtsfahrt bei Euch aus?
Wir wären normalerweise vollständig. In diesem Fall, und das ist das erste Mal seit 2001 bei einem Spiel in Bayern, sind wir nur mit zwei Mann dort. Der Rest ist an diesem vermaledeiten Wochenende verreist, familiär, krankheitsbedingt oder anderweitig verhindert. Pech eben, wie bei der "Verletzungs-Mannschaft" am Ende der Saison 2010/11. Sonst sind wir immer sechs, acht oder mehr Leute und singen uns im Regionalzug warm - wie zuletzt in Regensburg.

Ingolstadt liegt in der Tabelle drei Plätze über dem FC St. Pauli. Was glaubt Ihr, wie wird die Partie ausgehen?
Meinungen: Gemischt. Diese Saison herrscht bei uns ein gesunder Pessimismus vor. Ich selbst sag mal gar nix und hoffe, dass Ralle diesmal über die Felge fällt.

Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt!

 

(iv)

Fotos: Witters

 

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