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„Ich stehe jeden Tag gerne auf dem Platz“

Seit einem Dreivierteljahr betreut Timo Schultz mittlerweile die U17 des FC St. Pauli. Die Winterpause ist für uns ein guter Anlass, um mit ihm über seinen Einstieg als Cheftrainer, die Besonderheiten seiner Jungs und den bisherigen Saisonverlauf zu sprechen.

Eigentlich sollte Timo Schultz erst im Sommer die U17 des FC St. Pauli übernehmen. Doch das frühzeitige Ausscheiden des bisherigen Übungsleiters Hansi Bargfrede gab „Schulle“ die Möglichkeit, seinen Job früher als gedacht anzutreten. „Es wäre absolut in Ordnung gewesen, erst im Sommer anzufangen“, so Schultz über seinen Start in den neuen Job, „so hätte ich noch mehr Zeit für den Blick von außen gehabt und mich noch besser vorbereiten können. Am Ende stehe ich aber jeden Tag gerne auf dem Platz und arbeite mit den Jungs. Nach den drei Monaten Pause hat es mich schon gejuckt.“

Selbstverständlich bereitete sich der 38-Jährige akribisch auf seinen neuen Posten vor, sodass seine neuen Spieler keine Unbekannten mehr für ihn waren: „Ich kannte die Mannschaft natürlich schon, hatte mir einige Spiele angeschaut. Die Jungs haben dann auch direkt super mitgezogen und waren nach dem Trainerwechsel hochmotiviert.“ Auch wenn die beiden ersten Spiele (gegen Leipzig und Wolfsburg) verloren gingen und der Start somit alles andere als nach Wunsch verlief, konnte die U17 das Jahr in Ruhe zu Ende spielen: „Ich hatte nicht das einfachste Auftaktprogramm. Da hätte Hansi besser noch zwei Spiele länger gemacht“, so Schultz mit einem Augenzwinkern über die ersten Spiele als Chefcoach der U17. „Danach sind wir allerdings zehn Spiele lang ungeschlagen geblieben, hatten am Ende sieben Punkte Vorsprung vor einem Abstiegsplatz und sind auch noch Pokalsieger geworden.“ Die Zufriedenheit über den weiteren Saisonverlauf ist dem Übungsleiter deutlich anzumerken: Am Ende war es eine gute Saison für die U17, ich war sehr zufrieden mit meinen Jungs. Die Mannschaft hat sich in jedes Spiel reingebissen, wir konnten sogar noch einige Inhalte umsetzen, die wir uns erarbeitet haben.

Die Umstellung vom Co-Trainer bei den Profis zum Chefcoach eines Jugendteams ging selbstverständlich nicht ohne einige Veränderungen vonstatten. Für Schultz eine nicht immer leichte Situation: „Der größte Unterschied für mich ist, dass man deutlich mehr improvisieren muss. Während man auf die Profis im Grunde uneingeschränkten Zugriff hat, kommt bei den Jungs mal eine Klassenfahrt dazwischen, dann müssen sie für eine Klausur lernen und manchmal hat auch einfach nur der Bus Verspätung.“ Der 38-Jährige weiß, dass er vermehrt auch als Pädagoge gefragt ist: „Die Jungs sind in einem wahnsinnig spannenden Alter, in dem viele Unwägbarkeiten dazukommen. Sei es der Leistungsdruck in der Schule oder auch die erste Freundin. Wir versuchen den Jungs deutlich zu machen, dass sie sich an der Schwelle zum Leistungsfußball befinden und ihr Verhalten dementsprechend anpassen müssen. Sei es bei Dingen wie Ernährung, Schlaf oder der Organisation ihres Tagesablaufes.“ Umstellungen, die in seiner Mannschaft offensichtlich gut funktionieren: „Was die Bereitschaft angeht, Dinge umzusetzen, haben wir ein sehr pflegeleichtes Team.“

Dennoch ist Schultz klar, dass bisweilen auch eine gewisse Ausdauert gefragt ist. Und wie lief die bisherige Saison auf dem Platz? „Die Jungs ziehen gut mit, geben immer Gas und versuchen alles aufzusaugen. Wir haben uns bereits deutlich verbessert. In jedem Spiel erarbeiten wir uns Chancen, sind mutig mit dem Ball und versuchen spielerische Lösungen zu finden“, beschreibt der U17-Coach die Stärken seiner Mannschaft, die zur Winterpause mit fünf Punkten Abstand vor einem Abstiegsplatz auf Rang acht der Tabelle rangiert. „Allerdings fehlt es uns manchmal noch etwas an der nötigen Geduld. Aber das ist nicht weiter Schlimm, sondern ein ganz normaler Teil des Lernprozesses.“

Schafft es die Mannschaft, sich über die volle Spielzeit von 80 Minuten an die taktischen Vorgaben zu halten, kann das Team auch die „großen“ der Liga ärgern – so geschehen bei den Siegen im Derby gegen den HSV und gegen die Mannschaft aus Leipzig. Einen kleinen Blick in die Zukunft wagt Schultz zum Ende hin auch noch: „In den vergangenen Jahren konnte die U17 immer erst kurz vor Schluss den Klassenerhalt festmachen, das soll dieses Mal anders werden. Wir haben jetzt fünf Punkte Vorsprung, es hätten auch durchaus noch mehr sein können. Wir wollen den Abstand möglichst schnell ausbauen, um unsere Ruhe zu haben. Und natürlich möchten wir auch noch den ein oder anderen Großen ärgern“.

Dabei kommt es dem Team zugute, dass es laut Schulle „breit aufgestellt“ ist und „über ein enormes fußballerisches Potenzial, besonders in der Offensive“ verfügt. Für Trainer und Mannschaft heißt es nun bis zum Trainingsstart am 8. Januar abschalten, dann beginnen die Vorbereitungen für eine hoffentlich erfolgreiche Rückrunde. Und die persönliche Zukunft des Trainers? „Mittelfristig möchte ich meinen Fußballlehrer machen. Ob und wann das klappt, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Von Thomas Meggle weiß ich, dass die Ausbildung sehr zeitintensiv ist. Es muss in die persönlichen Lebenspläne, aber auch in die des Vereins hineinpassen.“ Und erstmal gilt es ohnehin, gemeinsam mit den Jungs eine erfolgreiche Rückserie zu absolvieren.


(th)

Foto: Witters

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