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„In Karlsruhe geht es darum, noch mal alles reinzuwerfen“

Ein letztes Mal in der Hinrunde stellte sich Cheftrainer Timo Schultz am Donnerstagnachmittag (10.11.) vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC den Fragen der Pressevertreter*innen. Dabei sprach er u.a. über...

...die personelle Situation: „Es sieht so aus, dass größtenteils der gleiche Kader wie gegen Kiel zur Verfügung steht. Etienne Amenyido ist wieder ins Training eingestiegen. Wir werden final wahrscheinlich erst morgen entscheiden, ob er zu 100 Prozent wettkampffähig ist. Franz Roggow und Niklas Jessen sind einen Schritt weiter und auch wieder Kandidaten für den Kader. Wir haben in den beiden Tagen seit dem Spiel wieder ordentlich Energie aufgetankt und richten den Blick voll auf Karlsruhe. Wir haben nun einen Tag mehr als zwischen den letzten beiden Spielen, das merkt man den Jungs auch an. Ich gehe davon aus, dass alle am Sonnabend körperlich und mental wieder zu 100 Prozent auf der Höhe sein werden und wir in Karlsruhe einen guten Kampf liefern werden.“

...die Aufarbeitung des Spiels gegen Kiel: „Klare Niederlagen, wenn man einen schlechten Tag erwischt hat und einfach schlechter war, kann ich besser abhaken. Bei so einem Spiel wie gegen Kiel ist man schon auf der Suche, warum gewisse Sache nicht so gut gelaufen sind. Dann geht man noch mal mehr ins Gespräch mit den Jungs und fragt, wie sie sich gefühlt haben, warum sie nicht so richtig ins Spiel gekommen sind und warum uns die letzte Überzeugung und der Mut gefehlt haben. Das waren auch die Punkte in der Analyse. Die Jungs haben gegen Kiel Gas gegeben. Was das Läuferische und Kämpferische betrifft, war es wieder ordentlich. Die Lösungen im Offensivbereich, gerade in der zweiten Halbzeit, sind uns dieses Mal abgegangen. Da bin ich was anderes von meiner Mannschaft gewohnt. Es war in dieser Saison erst das zweite Spiel, wo ich sagen muss, dass wir nicht am Anschlag waren und nicht mutig genug waren. Uns hat immer stark gemacht, dass jeder den Ball haben will, wir gerade in Ballnähe viele Spieler haben und kombinationssicher sind. Die Bereitschaft und auch der Mut, sich aufzudrehen und ins Eins-gegen-Eins zu gehen, hat uns gegen Kiel ein Stück weit gefehlt, auch wenn wir in der ersten Halbzeit unsere Durchbrüche und gute Chancen hatten. Gerade zuhause sind wir anderes von unserer Mannschaft gewöhnt.“

...eine in der Kabine deutlichere Ansprache als in der Öffentlichkeit: „Man muss schon unterscheiden zwischen der persönlichen Ebene, auf der man gleichbleibend stabil und klar sein sollte, und der fachlichen Ebene. Hinsichtlich des Fachlichen und Inhaltlichen brauchen die Jungs schon ein klares und ehrliches Feedback und eine Kritik, die sie vorwärts bringen kann. Da bringt es nichts aufzuzeigen, was alles schlecht war, man muss auch aufzeigen, wie wir es besser machen können.“

...sein persönlicher Umgang mit der sportlichen Situation: „Alle, die mich kennen, wissen, dass ich meine Laune nicht von zwei Siegen oder drei Niederlagen abhängig mache, sondern immer versuche, analytisch und klar zu bleiben und eine gewisse norddeutsche Gelassenheit an den Tag zu legen. Natürlich mit dem Wissen, dass uns als Gruppe, mir als Trainer und uns als Verein ein paar Punkte mehr besser zu Gesicht stehen würden. Als Trainer fragt man sich immer, was wir anders hätten machen können, wo haben wir die eine oder andere Entscheidung nicht richtig getroffen oder wo hätten wir andere Lösungen finden können. Wenn ich aber sehe, wie die Jungs arbeiten und auf dem Platz Gas geben, dann bin ich damit größtenteils immer sehr zufrieden gewesen. Wir haben einfach ein paar Punkte zu wenig, das können und wollen wir gar nicht wegdiskutieren. Wir sind permanent in der Analyse - nicht nur ich, sondern der gesamte sportliche Bereich und alle Verantwortlichen. Es wird nach der Hinrunde sicherlich noch eine große Analyse geben, wo wir nachbessern können und neue Ansätze finden können. Jetzt liegt unser voller Fokus auf das wichtige Spiel in Karlsruhe.“

...das gegen Kiel fehlende Tempo in der Offensive: „Für die große Analyse ist nach dem Spiel in Karlsruhe Zeit. Die Daten zeigen aber, dass wir bis auf Etienne Amenyido keinen Spieler mit Highspeed haben. Wenn dann eine Mannschaft wie Kiel drei oder vier Spieler hat und sie ein bisschen tiefer steht, dann kommt dir so ein Tempo immer entgegen. Wir können auch mit unseren Spielern Lösungen finden, man kann auch schnell im Kopf sein und dem Gegner in dem Bereich ein bisschen überlegen sein. Es gilt, für die jeweiligen Spielertypen die richtigen Lösungen zu finden.“

...mögliche Veränderungen in der Startformation: „Die sind auf jeden Fall ein Option. Man kann die beiden Spiele gegen Kiel und Karlsruhe auch nicht vergleichen. Kiel kam mit einer sehr spielstarken Mannschaft und viel Selbstvertrauen ans Millerntor. Jetzt geht's zum KSC, der sich in einer Sieglos-Serie befindet und auf der Suche nach seiner Form und seinem Selbstvertrauen ist. Sie spielen auch ein anderes System als die Kieler, dagegen stellen wir uns dann auch anders auf. Natürlich sind Spieler, die zuletzt nicht ganz so viel gespielt haben, auch aufgrund ihrer Frische, noch mehr eine Option. Auf der anderen Seite haben wir einen Tag mehr für die Regeneration und jeder Spieler, der bei uns dauerhaft im Training dabei ist, ist in der Lage, in einer Woche drei Spiele über 90 Minuten zu bestreiten und Vollgas zu geben.“

...die System-Umstellung und die damit möglicherweise mangelnde Torausbeute: „Es hat immer alles Vor- und Nachteile. In Systemen und Formationen zu denken, gehört im Fußball heutzutage dazu. Es ist aber niemals das Entscheidende. Es ist eine gewisse Logik dabei, wenn man hinten einen Spieler mehr reinstellt als vorne, dadurch weniger gegnerische Torschüsse zulässt, dafür vorne aber ein Spieler als Abnehmer oder Kreativspieler fehlt. Wir haben uns ganz bewusst für den Schritt entschieden. Seitdem haben wir noch weniger Schüsse zugelassen und Gegentore kassiert. Es ist immer ein Für und Wider, es darf sich aber auch nicht ausschließen. In der Offensive müssen wir aber noch effizienter werden.“

...den KSC und das Spiel an sich: „Für sie war die Saison wie ein Auf und Ab. Kurioserweise hatten sie, ähnlich wie bei uns jetzt, zu Beginn der Saison viele Ausfälle in der Innenverteidigung. Das kommt einfach, das kann man gar nicht richtig erklären. In der Offensive sind sie außerordentlich gut aufgestellt, mit Fabian Schleusener vorne drin und mit Kyoungrok Choi, Marvin Wanitzek, Jerome Gondorf im offensiven Mittelfeld. Sie haben über Jahre bewiesen, dass sie ein top Niveau für die zweite Liga haben. Es wird einiges auf uns zukommen. Es wird ein Spiel, bei dem es Spitz auf Knopf steht. Es macht immer Spaß, im Wildpark zu spielen. Gegen Kiel haben wir uns für den betriebenen Aufwand leider nicht belohnen können, haben den Punkt aber gerne mitgenommen. In Karlsruhe geht es darum, noch mal alles reinzuwerfen. Wir haben die Power und die Energie. Es ist das letzte Spiel, beide Mannschaften wollen noch mal drei Punkte holen. Die wären wichtig für die Tabelle. Seitdem ich das mache, haben wir in Karlsruhe immer gut ausgesehen. Einmal 0:0 und letzte Saison gewonnen. Ich hätte nichts dagegen, wenn die Serie hält. Es wird darum gehen, bei sich zu bleiben und mit Überzeugung ins Spiel reinzugehen und dem Wissen, dass Grundtugenden wie Laufbereitschaft, Zweikampfstärke und Kompaktheit als Gruppe sicherlich oberste Priorität sein werden. Wir freuen uns auf das Spiel und wollen einen guten Jahresabschluss haben.“

 

(hb)

Fotos: Witters

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