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"Den Kopf ausschalten und nicht zu viel nachdenken"

Im ersten Heimspiel des Jahres gegen den VfB Stuttgart (1:1) zeigten die Kiezkicker eine starke Leistung, mit drei Punkten konnten sie sich aber nicht belohnen, auch weil bei der Chancenverwertung Luft nach oben war. So vergab auch Ryo Miyaichi eine Großchance, dabei spielte der Kopf eine wichtige Rolle, so der Flügelspieler. Zukünftig will der Japaner effektiver vor dem gegnerischen Gehäuse werden und nicht mehr zu viel nachdenken. Schon lange keinen Kopf mehr macht sich Ryo Miyaichi über die schwere Zeit mit zwei Kreuzbandrissen binnen zwei Jahren, denn der Flügelspieler ist schon lange verletzungsfrei und aktuell der Dauerbrenner unter den braun-weißen Feldspielern.

"Ich habe die Szene noch ganz genau im Kopf", erklärt Ryo Miyaichi auch Tage nach dem Heimspiel gegen Stuttgart. In der 34. Minute tauchte der offensive Flügelspieler frei vor VfB-Keeper Gregor Kobel auf und vergab das scheinbar sichere 1:0. "Henk leitet den Ball perfekt weiter und auf einmal bin ich allein vor dem Tor. Davon war ich vielleicht zu überrascht. Mir ging zu viel durch den Kopf. Linke Ecke oder rechtes Eck? Und dann schieße ich den Ball genau in die Arme. Den muss ich natürlich machen", gesteht der Japaner rückblickend.

Wie im Heimspiel gegen Karlsruhe, als Miyaichi freistehend das vorentscheidende 3:0 vergab und der KSC den Kiezkickern aufgrund zweier später Tore den Sieg entreissen konnte, hatte der Kopf eine zu große Rolle gespielt. "Ich habe einfach zu viel nachgedacht. Das passiert leider, wenn ich so frei vor dem Tor auftauche. Der Torwart wird irgendwie immer größer, das Tor kleiner", so unsere Nummer 12. Von heute auf morgen könne Miyaichi das nicht abstellen, er betont aber: "Daran werde ich in jedem Training arbeiten. Ich will mich unbedingt verbessern und vor dem Tor effektiver werden."

Miyaichi konnte es selbst nicht fassen, die Großchance nicht genutzt zu haben.

Ryo Miyaichi konnte es nicht fassen, die Großchance in Minute 34 nicht genutzt zu haben.

Helfen kann dabei auch Henk Veerman. Vom Angreifer, dessen Tor gegen Stuttgart Miyaichi mustergültig vorbereitet hatte, könne sich der Flügelspieler vor allem eine Sache abgucken. "Henk hat eine unglaubliche Ruhe vor dem Tor, für mich ist er ein Toremeister. Der Trainer hat mir auch schon gesagt, dass ich mir das bei Henk abschauen soll", so der Japaner, der gegen den VfB eine Viertelstunde vor dem Abpfiff einen weiteren Hochkaräter ausgelassen hatte, in puncto Kopfsache aber betonte: "Da hatte ich mich schon früh für das lange Eck entschieden. Kobel hat aber stark reagiert und den Ball gehalten." Zehn Minuten später glich der VfB durch Mario Gomez aus und die Kiezkicker mussten sich mit nur einem Zähler zufriedengeben.

Apropos zufrieden: Wenngleich Miyaichi in dieser Saison nach den vergebenen Chancen gegen Stuttgart also weiter bei einem Saisontor steht, hat er bereits fünf Mal als Vorbereiter geglänzt. "Ein, zwei Tore und auch Vorlagen hätten es mehr sein können, die Bilanz ist aber nicht so schlecht. In der letzten Saison habe ich fünf Tore selbst gemacht, aber keins vorbereitet", so der Flügelspieler, der im Vorjahr gleich vier Mal mit dem Kopf getroffen hatte. "Dieses Jahr bin ich kaum in die Situationen gekommen, fast alle Chancen hatte ich mit dem Fuß", so der 27-Jährige, der seine Quote in den verbleibenden 14 Ligaspielen natürlich noch aufbessern will - sowohl als Vorlagengeber als auch als Vollstrecker und ganz egal ob mit dem Fuß oder mit dem Kopf.

Die Augen für den Nebenmann hat Ryo Miyaichi immer offen, gegen Stuttgart legte er mustergültig für Veerman auf.

Die Augen für den Nebenmann hat Ryo Miyaichi immer offen, gegen Stuttgart legte er mustergültig für Veerman auf.

Bei der Chancenverwertung hat der Japaner noch Luft nach oben, bei einer anderen Statistik führt Miyaichi teamintern aber. Er ist der einzige Feldspieler, der in der laufenden Saison in jedem Ligaspiel zum Einsatz gekommen ist. Lediglich im DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt hatte Cheftrainer Jos Luhukay den Flügelspieler geschont, sonst stand Miyaichi mit einer Ausnahme (in Heidenheim) stets in der Startelf.

"Keine Ahnung", entgegnet der Miyaichi, der aufgrund zweier Kreuzbandrisse im Juli 2015 und Juni 2017 lange pausieren und ein vorzeitiges Karriereende befürchten musste, auf die Frage, wann er das letzte Mal verletzungsbedingt gefehlt hat. Der Flügelflitzer überlegte lange, es kam ihm auch nicht mehr in den Kopf. Anfang Mai 2019 musste er in Dresden wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, das anschließende Heimspiel gegen Bochum verpasste er dann. Aber nicht verletzungsbedingt, sondern wegen einer Gelbsperre, nachdem er in Dresden zum fünften Mal verwarnt worden war.

Man muss noch weiter zurückgehen. Miyaichi, damals noch im Aufbautraining nach einer weiteren Knieverletzung, stand beim Auswärtsspiel in Aue am 16. September 2018 aus gesundheitlichen Gründen letztmals nicht im Kader. So schwer die Zeit mit den beiden Kreuzbandrissen auch war, in seinem Kopf spielen diese schon lange keine Rolle mehr. "Es gab Leute, die hatten mich abgeschrieben. Ich habe aber immer daran geglaubt, dass ich zurückkehren werde. Ich habe hart dafür gearbeitet, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Ich habe wirklich sehr lange nicht mehr gefehlt und das macht mich sehr glücklich", betont Miyaichi.

Ein kleines bisschen glücklicher wäre der Japaner, wenn am Montagabend in Kiel drei Punkte eingefahren werden. "Wir wissen, dass uns ein hartes Stück Arbeit erwartet. Kiel war im Hinspiel ein spielstarker und harter Gegner. Es war ein besonderes Spiel, weil es unser erster Saisonsieg war. Am Montag wollen wir unseren ersten Sieg im neuen Jahr holen", so Miyaichi. Zu drei Punkten will der 27-Jährige mit einer guten Leistung und vielleicht ja auch mit seinem zweiten Saisontor beitragen. Und was macht Miyaichi, wenn er wie gegen Stuttgart auch in Kiel frei vorm Tor auftaucht: "Den Kopf ausschalten und nicht zu viel nachdenken."

Ryo Miyaichi im Duell mit Kiels Makana Baku, der im Hinspiel für Holstein getroffen hatte.

Ryo Miyaichi im Duell mit Kiels Makana Baku, der im Hinspiel für Holstein getroffen hatte.

(hb)

Fotos: Witters

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