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"Ich habe direkt gemerkt, dass wir beide Kumpels werden"

Es ist nicht immer einfach für Omar Marmoush (22) und Rodrigo Zalazar (21), tausende Kilometer von Heimat und Familie entfernt zu leben. Aber es ist die Entfernung, die die beiden vereint. Im folgenden Doppel-Interview mit den beiden Leih-Kiezkickern stellt sich heraus, dass sich der bisherige Karriereweg der beiden sehr ähnelt. Sie verbindet eine Freundschaft, die keinen Anlauf brauchte. 

Moin, Ihr beiden! Nach dem Siegtreffer in Heidenheim hast Du, Rodrigo, mit einer speziellen Geste gejubelt, einem Insider zwischen Euch beiden. Könnt Ihr für uns aufklären, was es damit auf sich hat?  

Zalazar: Wir haben vor dem Spiel über einen Jubel gesprochen. Den haben wir in Heidenheim aber nicht zu Ende aufgeführt. Das machen wir dann im nächsten Spiel.

Marmoush: Hoffentlich.

Ihr scheint, obwohl Ihr Euch noch gar nicht lange kennt, direkt ein Herz und eine Seele zu sein.  

Marmoush: Als ich beim FC St. Pauli angekommen bin, ist Rodrigo direkt auf mich zugekommen. Ich habe schnell gemerkt, dass wir Kumpels werden. Wir verbringen viel Zeit zusammen, weil unsere beiden Familien nicht hier sind. Ich würde sagen, er ist im Moment wie ein Bruder für mich 

Zalazar: Omar kommt häufig zu mir, dann essen wir zusammen oder spielen PlayStation. Für mich ist es wichtig, jemanden wie ihn im Team zu haben, mit dem ich viel Zeit verbringen und lustige Dinge erleben kann. 

Und wer ist besser an der PlayStation? 

Zalazar: Omar ist besser in FIFA, aber in Fortnite bin ich besser.  

Stimmt das, Omar?  

Marmoush: Ja, auf jeden Fall. Aber Fortnite werde ich trainieren (lacht) 

Spezieller Jubel: Zalazar nach dem 4:3-Siegtreffer beim 1. FC Heidenheim.

Spezieller Jubel: Zalazar nach dem 4:3-Siegtreffer beim 1. FC Heidenheim.

Die Vorliebe für die Konsole ist nicht Eure einzige Gemeinsamkeit. Ihr kommt beide auch aus Ländern, in denen es gewöhnlich wärmer ist. In Deutschland ist gerade extremes Winterwetter. Wie sind Eure Erfahrungen mit Eis und Schnee?  

Marmoush: Ich bin vor drei Jahren nach Deutschland gekommen, da habe ich das erste Mal Schnee gesehen. In unseren Ländern sind im Moment teilweise über 20 Grad, für uns ist es daher sehr, sehr kalt. Aber das gehört auch dazu.  

Zalazar: Bei meiner Station in Polen war es auch schon sehr kalt, aber jetzt richtig mit Schnee ist es für mich das erste Mal.  

Fußball ist auch in Ägypten und Spanien, bzw. Uruguay ein Volkssport. Wie habt Ihr damals damit angefangen? 

Zalazar: Fußball ist einfach ein cooler Sport, mein Vater hat mir schon als kleiner Junge alles beigebracht.  

Marmoush: In Ägypten wird Fußball überall gespielt, das ist der populärste Sport des Landes. Als ich klein war, habe ich mit meinen Kumpels auf der Straße gespielt, ich war aber gleichzeitig auch schon im Verein. Seitdem habe ich immer Fußball gespielt.  

Und der Draht zwischen den ägyptischen Spielern in Europa scheint sehr eng zu sein. Du hast bei Deiner Vorstellung gesagt, dass Du auch schon mit Liverpools Mohamed Salah Kontakt hattest.  

Marmoush: Ja, der Kontakt unter den ägyptischen Spieler in Europa ist sehr gut. Wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen, weil wir wissen, dass der Schritt nach Europa nicht einfach ist.  

Rodrigo, Du hast eben schon kurz Deinen Vater José Luis erwähnt. Auch er war Profi. Wie wichtig war er für Deine Entwicklung? 

Zalazar: Für mich war es ein großes Glück, dass mein Vater auch Fußballprofi war. Er weiß einfach alles über den Sport und hat mir immer neue Sachen beigebracht. Es war gut für mich, dass er mir diese Erfahrung mitgeben konnte.  

Dein Vater hat zwischen 1984 und 1993 insgesamt 29 Länderspiele für die Nationalmannschaft Uruguays absolviert, er kam sogar bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko zum Einsatz.  

Zalazar: Ich glaube, eine Weltmeisterschaft ist für einen Fußballer die größte Sache. Und klar, davon träume auch ich. Ich werde jeden Tag dafür arbeiten, um eines Tages auch diese Möglichkeit zu bekommen.  

Bei der letzten WM in Russland war auch Ägypten zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder dabei.   

Marmoush: Wenn sich Dein Land für das Turnier qualifiziert, dann ist es für jeden Spieler das Ziel, dabei zu sein. Eine Weltmeisterschaft ist etwas ganz Besonders, es ist das größte Turnier im Fußball.  

Zalazar: "Ich werde jeden Tag dafür arbeiten, um eines Tages auch diese Möglichkeit zu bekommen."

Zalazar: "Ich werde jeden Tag dafür arbeiten, um eines Tages auch diese Möglichkeit zu bekommen."

Omar, Du hast Deine Heimat schon mit 17 Jahren verlassen und bist nach Wolfsburg gegangen. Wie kam der Kontakt nach Deutschland zustande?  

Marmoush: Ein Jahr vor meinem Wechsel habe ich beim U20-Afrika-Cup in Sambia gespielt und ein Berater aus England hat mich kontaktiert, der meinen heutigen Berater Thomas Kroth kannte. Wolfsburg und der damalige Chefscout Pierre Littbarski waren an mir interessiert. Ich war dort zwei Tage beim Training, habe mir das Gelände angeguckt und schließlich dort unterschrieben. 

Rodrigo, Dein Weg hat Dich über Málaga nach Frankfurt geführt.

Zalazar: Genau. Bei mir war es die U20-Südamerikameisterschaft, die ich mit Uruguay gespielt habe. Bei diesen Turnieren schauen immer viele Leute zu. Ben Manga, der Chefscout von Eintracht Frankfurt, hat mich damals angesprochen und zu einem Treffen eingeladen 

Eure Stammvereine sind im Moment so ziemlich die formstärksten Mannschaften in der 1. Bundesliga. Habt Ihr noch Kontakt zu Euren Mitspielern?  

Zalazar: Ja, klar. Ich habe noch Kontakt zu einigen Mitspielern. Ich versuche, die Spiele zu verfolgen und freue mich natürlich, wenn sie gewinnen.  

Marmoush: Ich habe noch mit mehr als der Hälfte der Mannschaft Kontakt. Sie fragen mich auch, ob ich mich hier wohlfühle. Meine Teamkollegen waren Kumpels für mich, die mich super aufgenommen und mir gezeigt haben, was der Trainer von mir erwartet. Ich schaue jedes Spiel und hoffe, dass sich die Jungs für die Champions League qualifizieren 

Macht es für Euch einen Unterschied, dass Ihr 'nur' von anderen Vereinen an den FC St. Pauli ausgeliehen seid?  

Marmoush: Vielleicht macht das für andere Spieler einen Unterschied, für mich aber nicht. Ich bin zwar vom VfL geliehen, aber ich werde alles dafür tun, dass die Mannschaft hier erfolgreich ist. Ich bin jetzt hier beim FC St. Pauli und darauf liegt meine volle Konzentration.  

Zalazar: Ich bin glücklich, hier zu sein und kann hier eine Menge lernen. Ich bekomme viele Einsatzzeiten und sammle viel Erfahrung.

Im Moment ist Euch beiden in Braun und Weiß die Spielfreude anzusehen. Gibt es eine Stärke von Omar, die Du auch gerne hättest, Rodrigo?  

Zalazar: Omar kocht sehr gut (lacht). Aber auf dem Platz: Er ist ein toller Spieler mit vielen Qualitäten, am meisten gefällt mir aber seine Geschwindigkeit mit dem Ball.  

Wir geben die gleiche Frage direkt an Dich weiter, Omar.  

MarmoushRodrigo ist für mich ein Topspieler. Er hat einen unglaublichen Spirit, er ist ein Kämpfer, der alles für die Mannschaft tut. Er läuft, kämpft und hat auch noch einen starken Abschluss.  

Marmoush: "Ich bin jetzt hier beim FC St. Pauli und darauf liegt meine volle Konzentration."

Marmoush: "Ich bin jetzt hier beim FC St. Pauli und darauf liegt meine volle Konzentration."

Omar, Rodrigo – vielen Dank für das Gespräch!

 

(ms)

Fotos: FC St. Pauli / Witters

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