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Gedenktag für Opfer transfeindlicher Gewalt

Am heutigen Sonntag (20.11.) ist der Transgender Day of Remembrance. Durch Mahnwachen und Demonstrationen soll an die Opfer transphober Gewalttaten gedacht und auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Denn in Deutschland hat es zuletzt mehrere schwere transfeindliche Gewalttaten gegeben.

Der Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer von Trans*feindlichkeit findet alljährlich am 20. November statt. In diesem Jahr kommt noch eine Besonderheit hinzu: Heute beginnt auch die FIFA-WM in Katar, ein Land, in dem queeres Leben systematisch unterdrückt wird. Der katarische WM-Botschafter Khalid Salman bezeichnete Homosexualität erst vor wenigen Tagen in einem ZDF-Interview als „geistigen Schaden“. Er habe vor allem Probleme damit, wenn Kinder Schwule sähen. Denn diese würden dann etwas lernen, was nicht gut sei. In seinen Augen sei Schwulsein „haram, eine Sünde“, meinte Salman. 

Obwohl die FIFA immer wieder vorgibt, für Diversität einzutreten, hat sie die WM nach Katar vergeben, wo queere Menschen systematisch diskriminiert werden. Das betrifft sowohl die sexuelle Orientierung, aber mindestens genauso die geschlechtliche Identität.

So kritikwürdig die Zustände in Katar sind, reicht es aber nicht, das Problem nur dort zu verorten. In Deutschland warten trans*-Menschen weiterhin auf die Umsetzung des Selbstbestimmungsgesetzes, um nicht mehr bei Behörden oder Krankenkassen intimste Angaben machen zu müssen, um einen Namen zu ändern oder ihren Körper anpassen zu dürfen.

Gefahr durch transfeindliche Gewalt

Dazu kommt das enorme Risiko für trans* Menschen, Opfer von verbaler oder physischer Gewalt zu werden. Wie hoch die Zahl der Gewalttaten genau ist, lässt sich aus den Statistiken nicht ablesen. Zwar liegen mittlerweile offizielle Statistiken vor, doch gibt es wohl eine beträchtliche Dunkelziffer. 2020 wurden laut Bundesinnenministerium 204 politisch motivierte Straftaten im Themenfeld „Geschlecht/Sexuelle Identität“ erfasst, darunter 40 Gewalttaten. 2021 waren es der Statistik zufolge sogar 340, darunter 57 Gewalttaten – im Schnitt eine wöchentlich. Der weit überwiegende Teil war dabei gegen die sexuelle Identität gerichtet. Gemeint sind damit transfeindliche Motive. Die meisten Delikte wurden als rechtsmotiviert registriert oder konnten nicht zugeordnet werden. Die Bedrohungslage ist also diffus.

In den vergangenen Monaten haben schwere transfeindliche Gewalttaten für eine kurzzeitige öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. In Herne wurde Ende März ein trans Mädchen fast totgeprügelt. In Münster wurde im August Malte C. am Rande der CSD-Parade niedergeschlagen, er starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter hatte den 25-Jährigen zuvor transfeindlich beleidigt.

Das Trans Murder Monitoring erfasst international tödliche Gewalt an trans*, nicht-binären und gender-nonkonformen Personen und registrierte 327 Tötungsdelikte in den vergangenen zwölf Monaten für die Staaten, aus denen Informationen vorlagen.  Die überwiegende Mehrheit der getöteten waren trans* Frauen oder trans*feminine Personen, die Schwarz, indigen oder of Colour waren. Viele der Getöteten waren migrantisiert und/oder Sexarbeiter*innen: Besonders das Zusammenwirken von Trans*feindlichkeit, Rassismus und Sexarbeiter*innenfeindlichkeit tötet.

Fachleute weisen auf das hohe Risiko für mehrfach diskriminierte Personen hin, Opfer von Gewalt zu werden. Der FC St. Pauli hat daher seine Regenbogenfahne auf der Südtribüne durch die Progress Pride Flagge ersetzt. Diese steht für eine besonders fortschrittliche und inklusive Queer-Bewegung, soll auf das Problem der Mehrfach-Diskriminierung hinweisen und unsere volle Solidarität mit trans-Personen und der Queer-Community weit sichtbar zeigen.

Linke Gruppen rufen am heutigen Sonntag (20.11.) zu Aktionen gegen transfeindliche Gewalt auf, so beispielsweise für 16 Uhr an der Kunsthalle an der Ernst-Merck-Straße/Glockengießerwall. Eine sinnvolle Alternative zum WM-Auftaktspiel. 

 

(pg)

Foto: FCSP 

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