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"Lasst mich schießen, den mache ich auf jeden Fall rein"

Mehr als zwei Jahre, nachdem unser Blindenfußballer Serdal Celebi für das Tor des Monats August 2018 nominiert war und die Wahl auch gewinnen konnte, hat es mit Daniel-Kofi Kyereh mal wieder ein Kiezkicker in die Auswahl der ARD Sportschau geschafft. Wir haben mit Kyereh über seinen schlitzohrig unter der Heidenheimer Mauer hindurch geschossenen Freistoß und die Chancen auf den Gewinn zum Tor des Monats Januar gesprochen.

Hey Kofi, erst einmal Glückwunsch zur Nominierung zum Tor des Monats Januar. Wie hast Du davon erfahren und was hast Du gedacht?

Meine Mama und mein Onkel haben mir geschrieben und mir einen Link zum Tor des Monats geschickt. Den Link habe ich geklickt und gesehen, dass ich Tor 3 kenne. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, es ist für mich die erste Nominierung für ein Tor des Monats.

Was sagst Du zu den Toren der anderen Nominierten?

Es sind alles schöne Tore. Wenn ich unparteiisch wäre, würde ich das Tor von Nadiem Amiri wählen, das ist mein Favorit. Aber auch das Tor von Levin Öztunali ist richtig gut.

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Hier könnt Ihr für Kofis Treffer abstimmen!

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Kommen wir zu Deinem Treffer: Neben Dir standen auch Rodrigo und Leart am Ball bereit, die Position war für einen Linksfuß eigentlich am besten geeignet. Du hast vor dem Freistoß mit Rodrigo und Leart gesprochen. Was hast Du ihnen gesagt?

Den Jungs hatte ich vorher nichts davon erzählt und ich musste die beiden in der kurzen Zeit vor der Ausführung auch erst noch überzeugen, dass ich den Freistoß schieße. Es hat etwas gedauert, die Jungs zu überreden. Die meisten Freistöße, und das auch zurecht, schießt Rodrigo. Ich war mir aber relativ sicher, dass das klappt und ich den Ball reinmache. Ich habe den beiden gesagt: Lasst mich schießen, den mache ich auf jeden Fall rein. Rodrigo und Leart haben gemerkt, wie überzeugt ich davon war und haben mir dann vertraut. Das habe ich mit dem Tor dann auch bestätigt.

Wann kam Dir der Gedanke, den Ball unter der Mauer hindurch zu schießen? War das spontan oder schon länger geplant?

Ich hatte mir das schon vor dem Spiel gegen Bochum überlegt, dass ich den Ball unter der Mauer ins Tor schieße, wenn wir in so einer Position einen Freistoß bekommen. Gegen Bochum gab es keinen Freistoß, dann aber in Heidenheim. Nach den Torschüssen beim Aufwärmen nehmen sich die Freistoßschützen immer noch ein paar Bälle, Rodrigo und Paqa haben sich auch in Heidenheim ein paar Bälle hingelegt, ich mir dann auch. Und zwar recht unauffällig genau an der Stelle, von der ich im Spiel später dann auch getroffen habe. Da habe ich den Ball dann ganz gemütlich flach ins untere rechte Eck des leeren Tores geschossen. Igor Matanović hat das gesehen und mir einen weiteren Ball zugeworfen. Er meinte, ich solle noch mal schießen, ist ja nicht schlimm. Er dachte, ich hätte den Ball nicht richtig erwischt. Ich meinte zu ihm nur, dass das nett von ihm sei, alles aber gut ist. Nach dem Spiel habe ich ihm das dann erzählt und dann hat er mich mit großen Augen angeguckt und sich daran erinnert. Da mussten wir beide lachen.

Das glaube ich. Wirklich trainiert hast Du das vorher nicht, oder? Zumal Ihr Freistöße in der Regel ja mit Steck-Männchen trainiert und da kann man schlecht unten drunter durchschießen…

Das stimmt, das ist schwierig. Es ist aber auch nicht so schwer, den Ball flach und präzise in die Ecke zu schießen. 

Wie oft trainiert Ihr Freistöße und Standards generell?

Ich hatte noch kein Trainerteam, das so viel Standards trainiert wie hier. Schulle, Loïc und Fabi machen sich richtig viele Gedanken. Wir haben auch eine Standard-Gruppe, da sitzen wir mit den Jungs zusammen und sammeln Ideen für Varianten, die wir mal einbauen wollen. Wir trainieren das oft, meist gehen wir beim Abschlusstraining alle Varianten durch. Für die direkten Freistöße sind Rodrigo, Paqa, Omar, Knolli und ich dabei. Da nehmen wir uns oft Bälle und trainieren Freistöße. Gegen Regensburg hat eine unserer Varianten perfekt geklappt. Das hat man auch beim Torjubel und beim Jubel auf der Bank gesehen. Es war ein besonderes Tor, weil sich der Aufwand im Training gelohnt hat. Vorher waren wir immer nah dran, ein Baustein hat immer gefehlt.

Wie wichtig sind Standards heutzutage?

Sehr wichtig. Gerade für uns als eine Mannschaft, die in der zweiten Liga nicht die größten Spieler hat. In den meisten Spielen sind wir von der Körpergröße her unterlegen, dafür haben wir trotzdem sehr wenige Gegentore aus Standards bekommen, nach Ecken ligaweit sogar am wenigsten. Bei den Offensiv-Standards sind wir auch gut dabei. Man sieht, dass sich das ganz Training auszahlt und wie wichtig es ist.

Kommen wir zum Spiel gegen Darmstadt. Da gibt es einen Freistoß in der Nähe des Strafraums. Wer wird schießen: Rodrigo, Leart oder Du?

Das werden wir sehen. Vielleicht hat Rodrigo eine Idee, vielleicht aber auch Leart oder ich. Mal schauen. Wir werden uns absprechen und dann wird einer von uns das Ding hoffentlich ins Tor schießen.

Wenige Stunden nach dem Spiel gegen Darmstadt wird dann auch feststehen, ob Du das Tor des Monats Januar geschossen hast oder nicht. Welche Chancen rechnest Du Dir aus?

Wenn ich das Ding am Ende gewinnen sollte, würde ich mich riesig freuen. Ich mache mir aber gar keinen Stress und denke, dass der Treffer von Nadiem Amiri gewinnen wird. Unsere zahlreichen Fans machen mir aber Hoffnung. Mal schauen, wie’s kommt.

Ich drücke die Daumen! Abgestimmt habe ich schon – natürlich für Tor 3 ;-)

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Wenn auch Ihr Kofis Freistoß zum Tor des Monats Januar wählen wollt, dann stimmt für ihn ab. Noch bis Sonnabend (20.2., 19 Uhr) läuft die Abstimmung und zwar hier: Wahl zum Tor des Monats Januar!

 

(hb)

Fotos: Witters / FC St. Pauli

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