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"Ein wichtiger Teil des Zusammenhalts in der Gesellschaft wird vom Ehrenamt getragen"

Am Sonntag (5.12.) ist Tag des Ehrenamtes. Anlässlich des Tages sprachen wir mit zwei ehrenamtlich engagierten Personen aus dem FC St. Pauli. Karin Nitsch ist seit langer Zeit ehrenamtlich in der Triathlon-Abteilung und Nils Zurawski engagiert sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich beim FC St. Pauli Rugby. Beide stehen für all das, was Ehrenamt auszeichnet und werden dafür in der Halbzeitpause vom Hamburger Fußballverband stellvertretend für alle Ehrenamtlichen ausgezeichnet.

Hallo Karin und Nils, das Ehrenamt ist neben der hauptberuflichen Arbeit für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens. Warum seid Ihr ehrenamtlich tätig?

Karin: "Weil ich mich einbringen möchte und gestalten möchte und mich als Teil des Ganzen fühlen möchte. Weil ich die Energie und die Zeit habe, mich für die Gesellschaft einzusetzen. Weil es mir ein Gefühl von Sinn gibt, das mir die Arbeit im Büro nicht geben kann."

Nils: "Die kurze Antwort: Weil ich es immer war. Die ausführliche Antwort lautet wie folgt: Ich war Sportler, seit 1978 beim FC St. Pauli, dann Trainer. In den 90er Jahren habe ich in Münster einen Verein gegründet, damit ich Rugby auch dort Rugby spielen konnte. Es war einfach immer da, ohne bewusst nachzudenken. Jetzt bin ich Funktionär, der Lauf der Dinge in gewisser Weise. Für mich bedeutet es heute auch etwas zurückzugeben – als Jugendlicher habe ich viel Gutes durch den Sport erfahren und sehe mich auch in einer Art Verpflichtung das jetzt auch anderen zu ermöglichen mit meiner Arbeit."

Aus welchem Grund würdet Ihr jedem/jeder eine ehrenamtliche Tätigkeit empfehlen?

Karin: "Es macht viel Spaß und man lernt viele engagierte Menschen kennen. Man bekommt einen Blick hinter den Kulissen."

Nils: "Man kann etwas nach seinen Vorstellungen gestalten, man bekommt etwas zurück und es macht auch Spaß, bei aller Arbeit. Und Ehrenamt heißt nicht gleich den Abteilungsvorsitz zu machen, auch kleinere Aufgaben helfen oft schon immens."

Welche Rolle spielt das Ehrenamt Eurer Meinung nach für die Gesellschaft und was würde es für eine Folge haben, wenn sich die Zahl der Ehrenamtlichen verringert?

Karin: "Jeder Mensch braucht die Gesellschaft, ist ein Teil von ihr und ein wichtiger Teil des Zusammenhalts in der Gesellschaft wird vom Ehrenamt getragen."

Nils: "Eine Verringerung der Ehrenamtlichen würde eine Einschränkung des Angebots bedeuten – Sport und andere Angebote wären vielfach nur noch kommerziell möglich, das kann nicht der Sinn von Gemeinschaft sein, sei es im Sport in der Kultur oder an anderen Stellen. Unsere Gesellschaft lebt von dem freiwilligen Engagement, welches aber eine entsprechende Wertschätzung erfahren muss, und das heißt keinesfalls nur Geld."

Wie ist die Situation des Ehrenamtes nach fast zwei Jahren Pandemie in Euren Abteilungen?

Karin: "Die Menschen in den Ehrenämtern ziehen sich etwas stärker zurück, sind schneller gefrustet und wir müssen die Ämter leider häufiger neu besetzen. Das macht es nicht einfacher."

Nils: "In der Rugbyabteilung gab es kaum Veränderungen, alle haben toll mitgezogen und vor allem unsere Kinder und Jugendlichen gut durch die Pandemie gebracht, bis jetzt. Alle sind hochmotiviert, aber auch müde und sehen sich nach einem Normalprogramm. Wir werden noch eine Weile durchhalten müssen, werden das wohl aber auch schaffen."

Wie motiviert Ihr andere Menschen für das Ehrenamt in Euren Abteilungen?

Karin: "Durch Lob, Werbung in den sozialen Medien, Geschenken zu Weihnachten, Zuspruch, Mut machen oder Identifikationsmöglichkeiten mit der Abteilung."

Nils: "Wir fangen an mit kleinen Aufgaben, wir beziehen unsere Ehrenamtlichen ein in Entscheidungsfindungen, wir versuchen ihnen zu zeigen, dass sie und ihre Arbeit wichtig ist und geben Ihnen Verantwortung."

Wie kann und muss das Ehrenamt in Zukunft gestärkt werden?

Karin: "Mehr Sichtbarkeit! Alle Nutznießer*innen des Sports müssen klar erkennen können, dass sie ihren Spaß hauptsächlich den Ehrenamtlichen zu verdanken haben."

Nils: "Finanzielle und steuerliche Hilfe ist immer sehr willkommen. Aber auch die Anerkennung könnte deutlicher werden, indem Ehrenämter nicht als bloße Hobbys gesehen werden, sondern als Arbeit am und im Gemeinwesen, welches einen Wert für sich hat – und letztlich auch in irgendeiner Weise zählt für den/die Einzelne/n – und nicht nur wenn der Staat wieder Geld sparen will."

Danke für das Gespräch und vielen Dank für Euren ehrenamtlichen Einsatz!

(lf)

Fotos: privat

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