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Dickmann zum Ausbau des Trainingszentrums: "Ein wichtiges und zukunftsweisendes Thema"

Der FC St. Pauli baut sein Trainingszentrum an der Kollaustraße aus und vereint dabei das Nachwuchsleistungszentrum mit dem Lizenzbereich. Lange wurde eine geeignete Fläche gesucht, nun wurde mit dem am Mittwoch (2.2) vom FC St. Pauli und Vertretern der Stadt Hamburg unterschriebenen Letter of Intent der Rahmen für dieses Projekt festgelegt. Wir sprachen mit Kolja Dickmann (Leitung Operations und Mitglied der Geschäftsleitung) über die Hintergründe zu diesem Prozess.

Moin Kolja, der FC St. Pauli unterschreibt einen Letter of Intent (LoI) für ein großes und wichtiges infrastrukturelles Projekt, dem Ausbau und dem Neubau des Trainings- und Nachwuchsleistungszentrums an der Kollaustraße. Warum wird ein LoI aufgesetzt und nicht direkt gebaut?

Der LoI ist für uns ein erster Schritt und verdeutlicht, dass der FC St. Pauli auch in Zukunft seine Trainingsarbeit und Ausbildung innerhalb der Stadtgrenzen leisten wird. Wir erhalten dadurch die Möglichkeit, uns an unserem aktuellen Standort Kollaustraße weiterzuentwickeln und zu wachsen. Bisher wurden die verschiedenen Flächen, die wir bebauen wollen, unterschiedlich genutzt. Es bedarf einer Veränderung des Planrechts, um die Flächen für unseren Verein nutzen zu können. So ein Bebauungsplanverfahren, in dem unter anderem die Erschließungs- und Verkehrsplanung aufgestellt wird, dauert bis zu zwei Jahre. Um von Beginn an Klarheit in der Sache und über die Interessen aller Beteiligten zu erzielen, wurde der LoI aufgesetzt. Im Prinzip ist der LoI der Rahmen, den man im ersten Schritt setzt, um von dort aus weiter zu planen. Er ist eine Absichtserklärung aller involvierten Parteien, um die Grundpfeiler zu setzen und die weiteren Schritte festzuhalten. Da dieses Projekt für den FC St. Pauli ein so wichtiges und zukunftsweisendes Thema ist, war es uns ein Anliegen, bereits jetzt mit dieser Erklärung an die Öffentlichkeit zu gehen und dadurch eine Planungssicherheit zu erhalten. Nun werden die weiteren planrechtlichen Fragestellungen erörtert, bevor wir wohl frühestens in 2024 auch den Bau starten kann.

Die Bereitstellung der Fläche zur Erweiterung des Trainingszentrums wird zwischen dem Verein und der Stadt durch die Bestellung eines Erbbaurechts geregelt. Wie sieht die Vereinbarung in diesem Fall aus und was hat das für Vorteile für den FCSP?

Die Bereitstellung der Flächen durch die Bestellung eines Erbbaurechts hat für uns zwei wesentliche Vorteile. Einerseits erhalten wir durch die Vertragslänge von 60 Jahren plus einer Option auf weitere 28 Jahre eine langfristige Planungssicherheit. Wir haben uns bei der Länge bis zm Jahr 2110 an den 200. Geburtstag des Vereins orientiert und damit eine Anpassung an die Laufzeit der Fläche des Millerntor-Stadions vorgenommen. Außerdem bietet uns ein Erbbaurechtsvertrag verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten, was bei einem Projekt in dieser Größenordnung auch erforderlich sein wird.

Nicht nur aus sportlicher Sicht ist die Erweiterung des Trainingsgeländes eine sehr wichtige Entscheidung. Auch mit Blick auf die Lizenzierung war der FCSP unter Zugzwang. Inwiefern?

Wir führen seit vielen Jahren mit diversen behördlichen Dienststellen, Nutzer*innen und Eigentümer*innen von umliegenden Flächen der Kollaustraße und darüberhinausgehenden Flächen Gespräche, um eine Lösung für unsere Erweiterung zu finden. Wir haben bereits seit einiger Zeit identifiziert, dass unsere infrastrukturellen Gegebenheiten den Herausforderungen im Profifußball nicht mehr gerecht werden. Hinzu kommt, dass sich vor nicht langer Zeit die Anforderungen und Richtlinien der Leistungszentren im deutschen Profifußball grundlegend verändert haben, was uns unter zusätzlichen Zugzwang gebracht hat. Der FC St. Pauli hat in den vergangenen Jahren für sein NLZ durchgehend die höchsten Zertifizierungsstufen erreicht. Das Qualitätsmanagement wurde insofern verändert, dass die bekannte Sterne-Zertifizierung abgelöst wurde und die Anforderungen in nahezu allen Bereichen angehoben und verfeinert wurden. Um auch weiterhin möglichst die höchste Klassifizierung zu erlangen, um dadurch eine qualitativ hohe Ausbildung unserer Talente zu gewährleisten, aber auch um ein attraktiver Arbeitgeber für gutes Personal zu sein, müssen wir neben einem sportlichen Ausbildungskonzept und einer personellen Besetzung auch bestimmte infrastrukturelle Voraussetzungen erfüllen. Einerseits hängt an der Klassifizierung auch eine wichtige finanzielle Förderung für die Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) ab, andererseits würden wir bei Nichterfüllen der Richtlinien unsere Teilnahmelizenz in den Bundesligen gefährden.

Bis zum LoI zwischen dem Verein und der Stadt war es ein langer Weg mit vielen Auf und Abs. Kannst Du ihn für uns einmal skizzieren?

Wie bereits beschrieben sind wir bereits seit längerer Zeit dabei, zu erörtern, inwiefern eine Erweiterung unseres Trainingszentrums machbar ist. Es ging uns auch nicht nur darum, dass wir unser Gelände vergrößern, sondern auch darum, bestenfalls die Profis mit dem Nachwuchs zusammen an einen Standort zu bringen. Im Status Quo bespielen wir neben dem Trainingszentrum an der Kollaustraße auch eine Fläche weiter nördlich, den Brummerskamp. Dieser Zustand ist für die Nachwuchsförderung nicht ideal. Auf der Suche nach einer Fläche mit 90.000 bis 100.000 Quadratmetern, die man im besten Fall für ein neues Nachwuchs- und Trainingszentrum benötigt, stößt man in Hamburg schnell an seine Grenzen. So waren wir gezwungenermaßen auch außerhalb der Stadtgrenzen auf der Suche. Umso erfreulicher war es, als uns der Hamburger Senat signalisierte, dass man gewillt ist, dem FC St. Pauli als Stadtteilverein auch in Zukunft eine sportliche Heimat innerhalb Hamburgs zu ermöglichen. Entsprechend wurden die sehr kooperativen und vertrauensvollen Gespräche in den vergangenen zwölf Monaten intensiviert. So sind wir mit dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), der Sportbehörde sowie dem Bezirk Eimsbüttel in einen engeren Austausch getreten. Nach unzähligen sehr intensiven Abstimmungsrunden konnten wir erfreulicherweise diesen LoI verfassen und dieses für uns so wichtige Projekt weiter konkretisieren.

Neben der Tatsache, dass ein Bauvorhaben grundsätzlich viele Herausforderungen und Komplikationen mit sich bringt, war die Sachlage in diesem Fall besonders anspruchsvoll. Warum?

Um an den heutigen Punkt zu kommen, waren wir in vielen verschiedenen Entwicklungsschritten gefordert, gewisse Machbarkeiten zu überprüfen, mit vielen verschiedenen Parteien an einen Tisch zu kommen und ggf. (Vor-)Verträge zu schließen. Angefangen bei der Prüfung der zur Verfügung stehenden Flächengröße und der Überprüfung, ob diese überhaupt unseren Anforderungen entsprechen – etwa hinsichtlich der Anzahl von Trainingsplätzen oder der Funktionsgebäude und Nebenanlagen. Des Weiteren musste beispielsweise auch durch ein wasserrechtliches Gutachten geprüft werden, ob der Bau von Sportplätzen auf der Überschwemmungsfläche nahe des Flusses Kollau überhaupt durchführbar ist. Das sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen sollen, wie anspruchsvoll und vielfältig die bisherigen Bemühungen und Herausforderungen waren und auch weiterhin sein werden.

Was bedeutet dieser Schritt für den Brummerskamp?

In der Vergangenheit war das NLZ sowohl am Brummerskamp, als auch in Teilen an der Kollaustraße beheimatet. Seit Beginn der Pandemie und der damit einhergehenden Umsetzung eines geforderten Schutz- und Hygienekonzeptes für die Lizenzmannschaft musste der Nachwuchsbereich komplett an den Brummerskamp ziehen. Wie bereits angesprochen dokumentieren wir in diesem LoI, dass wir eine Erweiterung und Zentralisierung an einem Ort ermöglichen werden. Die Fläche am Brummerskamp wird nach Fertigstellung in die bezirkliche Breitensportnutzung überführt. Insgesamt bedarf es bei diesem Projekt einen Ringtausch: So werden die an der Kollaustraße ansässigen Baseballvereine umziehen und in der Vogt-Kölln-Straße eine neue Heimat finden. Dafür werden dort umliegende Breitensportvereine an den Brummerskamp ziehen.

Ein derartiges Projekt bedarf einer ausführlichen und nachhaltigen Finanzplanung. Wie sieht diese in diesem Fall aus? Welche Belastungen kommen auf den FC St. Pauli zu?

Der Aus- und Neubau des Trainings- und Nachwuchsleistungszentrums an der Kollaustraße wird wohl nach dem Stadionbau das zweitgrößte infrastrukturelle Projekt des Vereins in der jüngeren Geschichte sein. Entsprechend werden wir auch einen bedeutenden Finanzierungsbedarf haben. Mit Blick auf die aktuelle Pandemie befinden wir uns in der gesamten Branche in einer sehr angespannten finanziellen Situation. Dennoch ist es unsere Verantwortung, neben der kurzfristigen Standortsicherung auch die langfristige Standortsicherung zu gewährleisten und dieses zukunftsweisende Projekt voranzutreiben und umzusetzen. Neben dem angesprochenen Vorteil eines Erbbaurechtsvertrags als Grundlage einer attraktiveren Finanzierung haben wir verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten identifiziert, die es im Laufe der kommenden Monate intensiv zu prüfen und zu konkretisieren gilt.

Welche Hürden sind jetzt noch zu nehmen und wie sehen die kommenden Schritte aus? Was ist die genaue Planung? 

Neben dem bereits beschriebenen Bebauungsplanverfahren müssen wir in den nächsten Monaten die konkretere Planung vorantreiben, um in die Baugenehmigungsphase eintreten zu können. Auf dem Weg dorthin werden wir uns von externen Expert*innen für Projektentwicklungs- und Projektsteuerungsleistungen begleiten lassen. Im besten Fall können wir im Jahr 2024 mit den Bauarbeiten beginnen. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt alle Genehmigungen und positiven Bescheide vorliegen, rechnen wir von da an mit einer Bauphase von mindestens zwei Jahren. Bei dem gesamten Bauvorhaben gilt es natürlich etwaige äußere Einflüsse zu berücksichtigen.

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Oke Göttlich und Andreas Bornemann zum Ausbau des Trainingszentrums

 

(lf)

Fotos: FC St. Pauli

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