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"Die Welt ein wenig offener gestalten"

Am Sonnabend wird wieder demonstriert. Für eine bunte, freie und offene Gesellschaft. Zum Abschluss der Pride Weeks in Hamburg findet der CSD statt. Aufgrund der pandemischen Lage als Fahrrad-Demo. Wir sprachen mit Nadia und Tanja von St. Pauli Pride über ihr Engagement als Gruppe und die aktuelle Situation.

Hallo Nadia und Tanja, 

bereits zum dritten Mal organisiert Ihr am Sonnabend einen FCSP-Block auf dem CSD. Gehen wir noch mal einen Schritt zurück. Wie kam es zu dem Zusammenschluss FCSP Pride und wer macht bei Euch mit?

Meine Freundin und ich haben uns vor drei Jahren gefragt, warum es eigentlich keinen FCSP-Block bei der CSD-Demo gibt und spontan die Sporttreibenden Abteilungen angeschrieben und eine Fußgruppe für die Demo angemeldet. Dadurch hat sich ein kleines Netzwerk zusammengefunden, wir haben uns gut verstanden und beschlossen, im Folgejahr mit etwas mehr Vorlauf einen größeren FCSP-Block an den Start zu bringen. Thomas Michael hat uns dabei super unterstützt und so konnten wir 2019 mit einem über 200 Menschen starken Block die Demo rocken. Wir hatten so viel Spaß und haben so viele positive Rückmeldungen aus dem Verein bekommen, sodass wir beschlossen haben, uns zukünftig auch über den CSD hinaus im LGBTQIA*+ Bereich innerhalb des Vereins zu engagieren.

Für wen ist diese Gruppe?

Die Gruppe ist für alle offen, die sich im LGBTQIA*+ Bereich im Vereinskontext aber auch darüber hinaus engagieren möchten. Wir sind ein bunter Haufen aus queeren und nicht queeren Menschen, die Diversität einfach leben und die Welt ein wenig offener gestalten wollen.

Wie waren die Reaktionen auf Euren Zusammenschluss im Verein?

Wir haben von Anfang an nur positive Reaktionen und sehr viel Unterstützung vom Hauptverein erhalten. Wir haben mit unseren Ideen offene Türen eingerannt und sind immer wieder überwältigt davon gewesen, wie sehr der Verein hinter uns steht.

Was ist Euer Ziel im FCSP und außerhalb des Vereins? 

Es ist uns ein großes Anliegen, Sichtbarkeit, Akzeptanz und Selbstverständlichkeit von LGBTQIA*+ Themen und Diversität im Sport und rund um den Sport zu fördern und zu erreichen. Im Verein aber auch darüber hinaus. Wir wollen Anlaufstelle für Probleme in diesem Bereich sein und Netzwerke gründen und nutzen. Wir wollen, dass die Regenbogenflaggen nicht nur auf dem Stadiondach wehen, sondern, dass die Werte, die dahinter stehen innerhalb des Vereins auch gelebt werden.

 

Viele Radfahrer*innen auf der CSD-Demo

Am Sonnabend wird wieder auf dem Fahrrad demonstiert.

 

In den vergangenen Jahren habt Ihr in Zusammenarbeit mit dem Verein T-Shirts erstellt. Was ist mit den Erlösen passiert?

Der Erlös aus dem Verkauf der Shirts mit dem mittlerweile legendären Regenbogentotenkopf im Jahr 2019 ist an Queer Refugees Support Hamburg, einen Verein, der sich für die Rechte von Geflüchteten aus der LGBTQIA*+ Community in Hamburg einsetzt und diese in allen Lebensbereichen unterstützt, gegangen. Der Erlös aus dem Verkauf der „Keep Fighting Together“-Shirts aus dem Jahr 2020 ist an das Magnus Hirschfeld Centrum Hamburg (MHC) und Intervention e.V. gegangen. Mit beiden Organisationen wollen wir künftig zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen.

Der FCSP hat seit Jahren den Regenbogen in unterschiedlichster Art und Weise auf dem Trikot. In diesem Jahr ist es beim 3. Trikot das Logo in Regenbogenfarben. Was wünscht Du Dir von sozialen Akteuren wie Fußballvereinen

Wir wünschen uns, dass es nicht bei den wichtigen symbolischen Aktionen, wie Kapitänsbinden in Regenbogenfarben, bleibt, sondern dass eine offene Kultur und Solidarität für queere Sportler:innen geschaffen wird, dass Aktionen wie „Ihr könnt auf uns zählen“ von Profivereinen unterstützt werden und homofeindliche Aktionen sofort Konsequenzen nach sich ziehen und wir irgendwann an einem Punkt sind, an dem sexuelle Identität und Orientierung keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch die Sportler:innen im Vordergrund stehen.

Bei der zurückliegenden EM gab es viele Diskussionen um die Regenbogenfarben und aber auch eine große Welle der Solidarität. Wo stehen wir in Sachen Gleichberechtigung und Akzeptanz? 

Wir stehen da noch ganz am Anfang. Solange sich kein Fußballer aus dem Profisport traut, sich zu outen, können wir nicht von einer offenen Fußballkultur sprechen. Da nützen auch ein paar „Alibiaktionen“ nichts, wie die EM gezeigt hat, vor allem, wenn weiterhin internationale Turniere in homofeindlichen Ländern ausgetragen und Diktatoren hofiert werden.

Was ist für den CSD am Sonnabend geplant?

Da die Pandemie noch immer den Alltag bestimmt, müssen wir uns leider auch in diesem Jahr wieder einschränken. Die Demo kann nur unter strengen Auflagen stattfinden. Um größere Ansammlungen von Menschen zu vermeiden, haben wir uns daher auch entschieden, in diesem Jahr keinen Solishirt-Verkauf zu starten. Wir werden aber auf jeden Fall wieder mit einem FCSPXCSD Block bei der Fahrraddemo dabei sein und hoffentlich mit vielen Supporter:innen laut und bunt für Diversität demonstrieren.

Vielen Dank für das Gespräch und auf einen erfolgreichen CSD am Sonnabend!

 

Die CSD Fahrraddemo startet unter dem Motto „Keep.on.fighting.together“ am 07.08.2021um 12 Uhr am Jungfernstieg. Dann geht es über eine knapp 17 km lange Route über Reeperbahn, Landungsbrücken, Speicherstadt und Hamm bis zum Steindamm. Es gelten die bekannten Regeln: Abstand halten, Checknin über Corona App, Maske tragen, fröhlich sein, respektvoll sein.

 

Also: Maske auf und rauf aufs Rad!

 

(lf)

Fotos: Stefan Groenveld

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