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"Der engere Austausch mit dem Lizenzteam hat die Aufgabe nochmal deutlich attraktiver gemacht"

Benjamin Olde ist ein kleines Urgestein in unserem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). Der 33-Jährige ist bereits seit 13 Jahren für den braun-weißen Nachwuchs tätig und hat sich vom U9-Coach bis zum U23-Co-Trainer hochgearbeitet. Im Interview, das schon in der digitalen VIVA-Stadionzeitung zum Heimspiel gegen Hansa Rostock zu lesen war, haben wir mit dem A-Lizenzinhaber u.a. über seine Hospitation bei der Lizenzmannschaft, seinen Werdegang vom Lehramtsstudenten zum NLZ-Trainer und die U23 gesprochen.  

Moin Benni, Du hast Lehramt an Gymnasien mit Schwerpunkt Sportwissenschaft & Geographie studiert, heute bist Du hauptamtlicher Fußballtrainer. Vermisst Du manchmal das Klassenzimmer?  

Tatsächlich gar nicht. Ich habe das Studium in den ersten Jahren parallel laufen lassen - Lehrauftrag an der Schule und halbe Stelle bei St. Pauli. Das hat sich dann aber zum Glück in Richtung Hauptamt Fußballtrainer entwickelt.  

Das klingt nach einem deutlichen Herzenssieg für den Fußball.  

Im Fußball ist es einfach deutlich leistungsorientierter. Es bringt mehr Spaß, wenn die Jungs Bock haben und an ihre Grenze gehen wollen. Damit habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. 

Gerade im Nachwuchsbereich gibt es sicherlich Parallelen zwischen Deinem Studium und der Arbeit mit den Jungs. Hat Dir das im Umgang mit den Jungs geholfen?  

Ja, definitiv. Dass ich nebenbei als Fußballtrainer angefangen habe, lag vor allem daran, dass ich viele Parallelen zum Lehrerberuf gesehen habe. Stichwort Elternabende, Elterngespräche, Einzelgespräche oder Lehrentwicklungsgespräche. Aber auch das methodische Herangehen, Empathie oder Reflektion, was wir im Studium wirklich durchgekaut haben, kommt mir als Fußballtrainer zugute.  

"Ich habe das einfach von der Pike auf gelernt."

In unserem NLZ hast Du in der U9 angefangen und Dich mittlerweile in die U23 hochgearbeitet. Wie sehr haben Dich diese Jahre als Trainer geprägt?  

Ich habe das einfach von der Pike auf gelernt. Ich hatte mit den 2001ern, 2003ern und 2004ern in 13 Jahren drei Jahrgänge, das ist eigentlich nicht so viel. Dadurch bin ich mit jeder Aufgabe gewachsen und habe immer wieder neue Eindrücke gewonnen. 

Und was zeichnet nun einen guten Trainer aus?  

Ich glaube es ist wichtig, dass sich der Trainer der entsprechenden Altersstufe anpasst und erkennt, dass es nicht um seine Selbstverwirklichung geht, sondern um die Spieler und was für ihre Entwicklung gerade wichtig ist. Im Grundlagenbereich legt man dann den Fokus auf das Individualtechnisch- und taktische, während ein Trainer im Leistungsbereich mehr taktische Aspekte mit reinnimmt. Im Herrenbereich sollte dann im besten Fall alles abgedeckt werden. Von den Grundtechniken bis zur Mannschaftstaktik. Der Spaß gehört sowieso überall eingebettet. Das A und O ist aber mittlerweile die Menschenführung, aus einer großen Gruppe eine Gemeinschaft zu formen, die Bock hat, an einem Ziel zu arbeiten.  

Du bist im Sommer kurzfristig vom U17-Chefcoach zum Co-Trainer der U23 hochgerutscht. Warum?  

Das war alles sehr kurzfristig. Schon im November, als U17- und U19-Spieler in einem Leistungsteam mit einer Sondergenehmigung bei der U23 mittrainieren durften, habe ich gemerkt, dass es mir viel Spaß macht, mit Erwachsenen zusammenzuarbeiten und ich mich auch mit Piepel (Anm. d. Red.: U23-Cheftrainer Joachim Philipkowski) gut verstehe. Ich habe dann die Chance genutzt, Erfahrung im Herrenbereich zu sammeln. Das neue Konstrukt und der engere Austausch mit dem Lizenzteam haben die Aufgabe nochmal deutlich attraktiver gemacht. 

"Ich habe dann die Chance genutzt, Erfahrung im Herrenbereich zu sammeln."

Du spricht die Verzahnung der U23 mit der Profi-Abteilung an. Du selbst hast zuletzt bei der Lizenzmannschaft hospitiert.  

Es ist sicherlich nochmal eine andere Hospitation, wenn ein Externer kommt. Ich habe einige Spieler in der Jugend selbst trainiert, kenne das Trainerteam und musste mich nicht groß vorstellen. Die Grundidee war es, noch intensiveren Austausch mit dem Profiteam zu haben und zu sehen, mit welchen Grundprinzipien gearbeitet wird, die auch bei uns in der U23 angewandt werden sollen. Ich war eine Woche bei allem dabei, von Trainingsplanung, Videoanalyse, Gegnervorbereitung und Einzelgesprächen bis Mannschaftsessen.  

Und andersrum berichtet Ihr dem Profi-Trainerteam von Eurer täglichen Arbeit mit der U23?  

Jedes Spiel von uns wird von der Lizenzabteilung meistens live geguckt. Sie kennen den Leistungsstand unserer Spieler. Wir treffen uns einmal die Woche und besprechen die Kadersituation oder stellen ihre Prinzipien vor. Es gibt einen ständigen Fluss, ohne dass das in Stein gemeißelt ist. 

"Nachdem ich so lange in dem Bereich arbeite, strebe ich das natürlich an."

Bist Du eigentlich ein anderer Typ, wenn Du nun mit erwachsenen Spielern zusammenarbeitest?  

Nein, ich versuche da ganz natürlich und authentisch zu sein. Ich versuche eine Menschlichkeit aber auch eine Leistungsorientiertheit mit reinzubringen. Andererseits bin ich von der Chef- in eine Co-Trainer-Rolle gerutscht. Ich habe weniger organisatorische Sachen zu erledigen und kann mich mehr auf die Arbeit mit den Jungs konzentrieren. 

Eine Möglichkeit gibt es, mit ein wenig Augenzwinkern, übrigens doch noch, Dein Lehramts-Studium mit Deinem Trainerjob zu kombinieren. Würde Dich der Fußballlehrer-Lehrgang reizen?  

Nicht auf Teufel komm raus. Nachdem ich so lange in dem Bereich arbeite und es so weit geschafft habe, strebe ich das aber natürlich schon an.  

Vielen Dank für das Gespräch, Benni! 

 

(ms)

Foto: FC St. Pauli & Marc Rehbeck

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