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„Da musste ich eigentlich nur noch den Kopf hinhalten“

Beim 3:2-Auftaktsieg gegen den 1. FC Nürnberg hat der lauf- und zweikampfstarke Jackson Irvine eine sehr überzeugende Leistung gezeigt. Dabei belohnte sich der Mittelfeldspieler mit dem Treffer zum 1:0. Mit dem guten Gefühl, die ersten drei Punkte geholt zu haben, geht's für Irvine und Co. am Sonnabend (23.7., 20:30 Uhr) dann zu Hannover 96.

Die gute Laune ist ihm direkt anzusehen. Dem jungen Mann, der entsprechend der heißen Temperaturen am Dienstagmorgen (19.7.) die Treppen des U-Bahnhofs Hoheluftbrücke in Flipflops, kurzer Hose, Argentinien-Trikot mit der Nummer 9 von Gabriel Batistuta und Sporttasche über der linken Schulter runterschlendert. Jackson Irvine ist auf dem Weg zum Trainingszentrum an der Kollaustraße, wo bei über 30 Grad Celsius eine Doppelschicht folgen soll. „Ich steige immer St. Pauli ein, fahre bis Hoheluftbrücke und dann geht’s mit dem 5er-Bus zur Kollau“, so der Australier, der weder Auto noch Fahrrad, das er sich schon längst angeschafft haben wollte, besitzt, damit aber fein ist. „Die Strecke ist super, ich brauche immer nur knapp 25 Minuten zum Training. Manchmal sind Bahn und Bus voll und du musst stehen, manchmal ist es aber wie heute und du findest sofort einen Sitzplatz.“

Am Dienstagmorgen findet Irvine sofort einen Sitzplatz und los geht’s Richtung Kollaustraße. Sieben Stationen sind es mit der Metrolinie 5 von der Hoheluftbrücke bis zur Haltestelle Niendorfer Straße, in den knapp elf Minuten blicken wir zunächst auf den 3:2-Auftaktsieg gegen den 1. FC Nürnberg zurück. „Es ist ein gutes Gefühl, mit einem Sieg in die Saison gestartet zu sein. Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt, in der wir unsere Chancen genutzt haben. Wir mussten aber auch ein paar schwierige Momente überstehen“, so Irvine, der sich gegen Nürnberg gewohnt laufstark präsentierte, zudem aber noch der zweikampfstärkste Kiezkicker war. Die für ihn mit nur drei Wochen sehr kurze Vorbereitung aufgrund der vorherigen Länderspielreise mit der australischen Nationalmannschaft war dem Mittelfeldspieler überhaupt nicht anzumerken. „Das war kein Problem. Ich habe im Sommer ja gespielt und konnte mein Level halten, sodass ich mich frisch und fit gefühlt habe“, erklärt Irvine, während der Bus die Breitenfelder Straße überquert und wenige Augenblicke später an der Gärtnerstraße hält.

Erst wenige Tage vor dem Trainingslager war Irvine zum Team gestoßen, in Südtirol standen nicht nur diverse Trainingseinheiten an, sondern auch eine Wörter-Challenge mit Connor Metcalfe. Die beiden Australier mussten zum Beispiel erraten, was Gebirgskette, Ballkünstler oder Labskaus bedeuten. Ein weiteres Wort gilt es auf der Fahrt zum Trainingszentrum zu erraten; und zwar Dosenöffner. „Noch nie gehört, keine Ahnung“, entgegnet Irvine prompt. Der Begriff ist aber schnell erklärt und zwar mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Nürnberg, das die starke Phase in der ersten Halbzeit einläutete. „Eine tolle Hereingabe – mit viel Tempo und viel Schnitt. Da musste ich eigentlich nur noch den Kopf hinhalten“, lobt Irvine die von Leart Paqarada perfekt getretene Freistoßflanke.

Jackson Irvine beim Training am Dienstagvormittag.

Artistische Einlage von Jackson Irvine bei der Einheit am Dienstagvormittag (19.7.) - beobachtet wird er dabei von Leart Paqarada (li.).

Eben jener Paqarada scherzte nach dem Spiel, dass er nicht erwartet hatte, dass Irvine den Ball so gut treffen würde, habe es im Training doch oft genug anders ausgesehen. „Da hat er recht. Jetzt hat aber alles gepasst und der Ball war drin.“ Für Irvine war es das zweite Tor im FCSP-Trikot, erstmals hatte er beim 4:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock Ende Oktober 2021 getroffen – damals ebenfalls per Kopf und ebenfalls zum 1:0. „Die Treffer sind schwer zu vergleichen“, meint der Australier, während der Bus am Stadion des SC Victoria den vierten kurzen Stopp einlegt. „Vielleicht war der Treffer jetzt angesichts der Umstände etwas spezieller. Es war das erste Spiel der Saison und im Gegensatz zum Rostock-Spiel war das Millerntor voll.“

Das gute Gefühl der ersten drei Punkte nahmen Irvine und Co. in die Woche des ersten Auswärtsspiels der Saison bei Hannover 96 mit – wohlwissen aber, dass gegen Nürnberg noch nicht alles wie gewünscht gelaufen war. „Natürlich nehmen wir die Sachen, die wir gut gemacht haben, mit. Wir analysieren aber auch genau, was nicht gut war, und versuchen, die Dinge besser zu machen und abzustellen“, erklärt der Mittelfeldspieler, der am Freitagabend (15.7.) die Schlussphase des Zweitliga-Auftaktspiels zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem kommenden Gegner Hannover 96 verfolgt hatte. „Ich habe die letzten 20 Minuten gesehen und die waren wohl die spannendsten. Am Ende verliert Hannover durch eine Standardsituation das Spiel“, weiß Irvine zu berichten, während der Bus kurz davor ist, seine End-Haltestelle Niendorfer Stelle zu erreichen.

Apropos verlieren. „Nur gegen Hannover haben wir beide Spiele in der Vorsaison verloren, oder?“, fragt Irvine, der die Antwort umgehend hinterherschießt. „Nein, wir haben auch gegen Darmstadt beide Spiele verloren. Aber gegen Hannover haben wir kein Tor erzielt. Wir haben was gutzumachen.“ Der Mittelfeldspieler erwartet ein „spannendes Spiel“ gegen einen starken Gegner. „Nach dem Sieg gegen Nürnberg fahren wir mit viel Selbstvertrauen nach Hannover, wir wissen aber, dass uns ein schweres Spiel erwartet. Sie haben ihr Auftaktspiel verloren und werden alles daransetzen, gegen uns die ersten Punkte zu holen. Wir fokussieren uns auf uns und werden gut vorbereitet in die Partie gehen“, so Irvine, der alles dafür geben will, dass das erste Auswärtsspiel der Saison erfolgreich gestaltet wird. Zum Spiel geht's dann aber nicht mit dem 5er-Bus, der inzwischen die Haltestelle Niendorfer Straße erreicht hat, sondern mit dem FCSP-Mannschaftsbus. Und der soll auf dem Rückweg aus Hannover drei Punkte im Gepäck haben.

 

(hb)

Fotos: Witters

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