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Keeper Sören Ahlers im Porträt: ambitioniert und unkompliziert

Die Rolle als dritter Torwart wird im Fußball oft als undankbar wahrgenommen. Wer sie innehat, will so schnell wie möglich da raus, so die gängige Lesart. Beim FC St. Pauli muss sich Sören Ahlers hinter Nikola Vasilj und Dennis Smarsch bislang mit Einsätzen in Testspielen und bei der U23 begnügen, trotzdem stimmt die Chemie im Torwarttrio ganz offensichtlich. Dass ein kollegialer Umgang miteinander aber nicht mit fehlendem Ehrgeiz gleichzusetzen ist, wird beim Gespräch mit dem 24-Jährigen schnell klar.

Seit einem halben Jahr trägt Sören Ahlers nun Braun-Weiß und ist sehr schnell angekommen beim Kiezclub und in der Hansestadt: "Ich habe hier unkomplizierte Mitspieler, die es einem leicht machen, und auch die Stadt gefällt mir richtig gut. Der sportliche Erfolg tut dann sein Übriges, die Stimmung ist super." Erkundigt man sich bei Mathias Hain über Sören, hört man viel Lob für die Sozialkompetenz und so erscheint die gelungene Integration des Keepers auch zu großen Teilen an ihm selbst zu liegen. "Das ist nicht selbstverständlich und macht es mir unglaublich einfach, mit ihm zu arbeiten", so der Torwarttrainer. Verpflichtet wurde Ahlers aber natürlich in erster Linie aus anderen Gründen. Um für alle Fälle gut aufgestellt zu sein, habe man einen Keeper gesucht, dem man die Rolle zwischen den Pfosten ohne große Anlaufzeit zutraute: "Man muss alle Szenarien bedenken, Verletzungen oder eine Rote Karte bei der Nummer eins. Das Gleiche kann der Nummer zwei auch passieren. Wir haben uns natürlich vorher informiert und waren von Sörens sportlichen Fähigkeiten total überzeugt."

So liest sich Ahlers Vita im Herrenfußball bisher: Nach Stationen beim Wuppertaler SV und einem halben Jahr beim 1. FC Bocholt verbrachte er vor seinem Wechsel ans Millerntor vier Jahre beim FC Schalke 04, wo er für die zweite Mannschaft zwischen den Pfosten stand. Bis dahin war Sport zwar immer ein wichtiger Bestandteil seines Lebens gewesen, der Weg in den Profifußball aber keineswegs vorgezeichnet. "Als ich zu Schalke gewechselt bin, hatte ich zum ersten Mal die Perspektive, vom Fußball leben zu können. Meinen Werdegang bis dahin würde ich als eher ungewöhnlich bezeichnen, denn ich habe kein NLZ durchlaufen", erklärt der 24-Jährige, der damals von U23-Torwartrainer Christian Wetklo zum Probetraining bei den Knappen, für die schließlich er in 58 Begegnungen das Tor hütete, eingeladen worden war.

Trotz der Konkurrenz um den Platz im Tor: Die Chemie zwischen Nikola Vasilj und Sören Ahlers stimmt.

Trotz der Konkurrenz um den Platz im Tor: Die Chemie zwischen Nikola Vasilj und Sören Ahlers stimmt.

Beim FC St. Pauli sind die Einsatzzeiten aktuell klar vergeben, Nikola Vasilj hütet den Kasten in der Liga und Dennis Smarsch im DFB-Pokal. Das war auch Sören Ahlers von Beginn an klar, ist aber natürlich kein Grund, sich mit dem Status Quo zufriedenzugeben: "Ich bin als dritter Torwart verpflichtet worden. Das heißt aber nicht, dass ich der dritte Torwart bleiben möchte. Ich bin sehr ambitioniert." Sticheleien oder die Ellbogen auszufahren, kommt für ihn aber nicht in Frage: "Damit tut man sich selbst und dem Team keinen Gefallen. Die Rollen können sich auch ändern, aber nicht durch große Worte oder ein übertriebenes Selbstbewusstsein. Man hat immer die Möglichkeit, sich durch Arbeit, Talent und Leistung in den Vordergrund zu spielen."

Die Meinung teilt er mit seinem Coach Mathias Hain: "Es soll ein gesunder Konkurrenzkampf herrschen, aber ich erwarte auch ein kollegiales Miteinander. Daran hat Sören einen großen Anteil. Er ist darüber hinaus aber auch wahnsinnig ehrgeizig. Ich habe selten jemanden erlebt, der so viel arbeitet und für den Fußball lebt." Bei all dem Einsatz findet der 24-Jährige trotzdem noch Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Gut zwei Stunden täglich büffelt er vor allem abends für sein Fernstudium, Fachrichtung Sportmanagement. "Die Priorität Nummer eins ist ganz klar der Fußball. Ich wohne aber alleine in Hamburg, meine Freundin lebt in Düsseldorf, und bevor ich dann abends zuhause sitze und mir die achte Serie reinziehe, versuche ich, die Zeit sinnvoll zu nutzen."

Die Bücher begleiten ihn auch ins Trainingslager nach Spanien. Klar ist aber, dass man bei dem Pensum auch hin und wieder abschalten muss. Wie sehen Ferien bei Sören Ahlers aus? "Urlaub verbringe ich gerne draußen in der Natur, wo möglichst wenig Leute sind." Dabei stehen Skandinavien und Finnland ganz oben auf der Liste der Reiseziele. "Eine Hütte am See, tagsüber mit dem Ruderboot, dem Fahrrad unterwegs sein oder wandern gehen und abends den Grill anschmeißen", wird der perfekte Tag umrissen. Für die Winterpause war eigentlich ein Trip nach Finnland geplant, aber Corona und der enge Terminkalender durchkreuzten das Vorhaben. So bleibt zumindest mehr Zeit, um ein weiteres Talent zu pflegen: "Ich backe mittlerweile sehr gerne. Am besten kann ich Donauwelle." Zum 25. Geburtstag im September können sich die Kollegen dann vielleicht auf selbstgemachten Kuchen freuen.

 

(hbü)

Fotos: Witters / FC St. Pauli

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