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"Wir haben uns besser entwickelt als erwartet"

Nachdem sich bereits am Mittwoch (18.5.) Sportchef Andreas Bornemann und Cheftrainer Timo Schultz den vielen Fragen der Medienvertreter*innen gestellt hatten, nahm sich am Freitag (20.5.) dann auch Präsident Oke Göttlich viel Zeit für eine Presserunde. Dabei sprach Göttlich u.a. über...

…sein Fazit zur abgelaufenen Saison: "Wir sind mit der Entwicklung zufrieden, nur der Endspurt war ärgerlich. Ich denke, dass es uns allen so geht. Wir haben gesehen, dass wir bei vielen Dingen schneller vorangekommen sind, als wir es uns vorher zugetraut hatten. Wir haben mit der hervorragenden Entwicklung Erwartungen geschürt, die am Ende leider nicht eingetreten sind. Wir wollen das, was wir durch Timo und Andreas aufgebaut haben, mit den nächsten Schritten garnieren. Es ist nicht so, dass das Glas halb leer ist. Wir können auf einer klaren Strategie aufbauen, die von Andreas, Timo und dem Verein besprochen wurde. Im Rahmen der Strategie haben wir uns am Ende besser entwickelt, als wir es uns für diese Saison vorgenommen haben. Und trotzdem darf man, wie jede St. Paulianerin und jeder St. Paulianer, enttäuscht sein, dass wir den großen Schritt nicht gegangen sind."

…Transfers und die zunehmenden Begehrlichkeiten anderer Vereine: "Wir sind in der glücklichen Situation, dass Vereine Interesse an unseren Spielern haben. Das ist ein klares Signal der Weiterentwicklung. Wir wollen Leute hier in unserem Verein haben, die wir verbessern können. Wir sehen es als großes Privileg, dass wir Spieler so weiterentwickelt haben, dass sich andere Vereine interessiert zeigen. Das ist für den FC St. Pauli ein großer Schritt. Das hatten wir in der Form länger nicht mehr, insofern freuen wir uns darüber. Das ist auch eine riesige und spannende Herausforderung, dass wir in den vergangenen 24 Monaten die Entwicklung und Werte von einzelnen Spielern sowohl durch das tägliche Training als auch durch die Kaderentwicklung hervorragend hinbekommen haben. Wir haben in den vergangenen acht Jahren die größten Transfererlöse in den vergangenen 110 Jahren erzielt. Das werden wir weiter treiben, nur so kannst Du finanziell den nächsten großen sportlichen Schritt wahrscheinlicher machen. Damit baue ich aber keinen Druck in Richtung Andreas Bornemann auf. Im Gegenteil: Es kann sogar sein, dass wir mal ein Transferdefizit erwirtschaften, um den nächsten Schritt zu gehen. Wir verkaufen erst dann, wenn wir das rausbekommen, was wir mit Blick auf den Marktwert für richtig halten. Man muss bei jeder Entscheidung immer abwägen, ob der Wert eines möglichen Verkaufs höher für den Verein einzuschätzen ist, als den Spieler noch länger bei uns zu halten. Diese Entscheidung treffen der Trainer und Sportchef gemeinsam."

…Trainer Timo Schultz: "Timo ist stark, weil er aus diesen ganzen Spielern eine Mannschaft geformt hat, die so einen attraktiven Fußball gespielt hat. Man hat die Trainer-Strategie im Sinne von 'Wir wollen aktiven Fußball und nach vorne spielen' gesehen. Das im Zusammenspiel mit der Kaderplanung und der Frage, welche Spielertypen wir brauchen, um das gewünschte Spiel auf den Platz zu bekommen. Timo hat den Verein definitiv einen Schritt nach vorne gebracht. Es ist seine erste Trainerstation mit extremen Höhen, aber auch mit Ergebnissen in der zweiten Saisonhälfte, wo man sich sicherlich als Trainer und Team hinterfragt, woran es gelegen hat. Ich bin dafür, wenn der eine mit dem anderen auch mal in die Bütt steigt und sagt 'Das hat mir nicht gefallen' oder 'Dafür muss ich mich entschuldigen'. Das ist Weiterentwicklung. Das ist etwas, wovon wir alle lernen. Wir haben einen starken Trainer und einen starken Sportdirektor."

…Sportchef Andreas Bornemann: "Andreas ist jemand, der sehr klar und sehr deutlich strategische, inhaltliche Entscheidungen trifft. Er hat eine klare Vorstellung, wie er sich eine Weiterentwicklung von Fußballvereinen vorstellt. Und diese Weiterentwicklung ist nachvollziehbar."

…offene und ehrliche Kommunikation: "Offene und ehrliche Kommunikation beinhaltet auch offenes und ehrliches Feedback und das kann auch kritisch sein. Wir sind aber im Profisport und wollen am Ende auch mit diesen kritischen Themen so umgehen, dass wir den nächsten Schritt gehen. Die Kommunikation hatte auf unsere Leistung keinen Einfluss. Wir haben einen klaren und leidenschaftlichen Fußball gesehen, aber am Ende die Ergebnisse nicht erzielt. Wir haben bis zum vorletzten Spieltag um den Aufstieg mitgespielt und haben gegen Darmstadt, Nürnberg und Schalke gute Spiele gemacht. Das Kommunikationsthema ist sehr individuell. Was der eine Spieler als gute Kommunikation ansieht, reicht dem anderen nicht. Das kann sehr unterschiedlich aufgefasst werden, genau wie das Feedback. Der Verein steht über dem Einzelnen. Wenn wir hier anfangen, über persönliche Befindlichkeiten zu sprechen hat das nichts mit Profisport zu tun."

…den aktuellen Stand zum Ausbau des Trainingszentrums an der Kollaustraße: "Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr einen Zeitplan haben werden, konkrete Baumaßnahmen erwarte ich eher im nächsten Jahr. Wir sind mit allen Beteiligten aktuell in einem intensiven Austausch. Es geht um die Gesamtverbesserung des Hamburger Sportstandortes. Am Ende wird es für alle Vereine eine Verbesserung sein."

Cheftrainer Timo Schultz und Präsident Oke Göttlich.

…Corona-bedingte Einschränkungen: "Wir wissen nicht, was im Herbst sein wird und ob wir diese Pandemie noch drei oder vier Jahre haben werden. Wir haben während Corona sehr gute Ergebnisse im Merchandising sowie im Sponsoring- und Hospitality-Bereich erzielt und hatten im Sponsoring-Bereich die bislang umsatzstärkste Zweitligasaison des FC St. Pauli. Dass ein Großteil der Zuschauereinnahmen nicht realisierbar war, hat ein Loch ins Kontor gerissen. Wir halten unsere Investitionen für die Zukunft stabil, weil wir in anderen Bereichen so erfolgreich waren. Unsere Ambition ist, erfolgreich zu spielen. Was wir hier tun, wollen wir möglichst vielen Menschen präsentieren und am meisten Menschen kann man erreichen, wenn man möglichst erfolgreich Profifußball spielt. Wir sind mega happy, wie die Leute uns während Corona unterstützt haben. Mit den Fans waren wir immer im Austausch. Bei allen Schwierigkeiten ist die Verbindung nicht abgebrochen. Wir haben steigende Mitgliederzahlen und haben vor knapp drei Wochen unser 33.333. Mitglied begrüßt. Während Corona sind fast 3.000 Mitglieder in den Verein eingetreten. Dieser Verein lebt durch seine Abteilungen, die einen mega Job machen. Wir haben ein super Fundament, auf dem wir insgesamt aufbauen."

…2G-Zugangsregeln: "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir direkt mit 2G in die neue Saison gehen werden, ist sehr gering. Wir sind uns aber bewusst, dass der Herbst kommen wird. Wir wollen den Leuten nicht das Gefühl geben, dass wir nicht daran denken, was vielleicht passieren kann. Wir wollen schon jetzt offen darüber sprechen, wie wir damit umgehen, wenn das Stadion im Herbst nur halbvoll ist. Es will keiner darüber sprechen, dass im Herbst wieder Maskenpflicht sein könnte. Das sollten wir aber, bevor wir eine Woche vorher darüber sprechen."

…die Rückkehr der Fans in die Stadien: "Es ist wichtig, dass wir die Fans wieder in den Mittelpunkt rücken, dass wir uns um sie kümmern und nicht nur irgendwelche Profile auf die Bälle drucken. Wir müssen die Fans ernst nehmen und nicht als reine Vermarktungsmasse ansehen. Mir ist vor allem aufgefallen, mit welchen Maßnahmen auswärts in den Stadien, nicht nur mit den Fans des FC St. Pauli, sondern allgemein mit den Fans umgegangen wird. Und zwar auch von offizieller und staatlicher Stelle. Da muss man sich wirklich fragen, ob es für die Leute noch Spaß macht, diesen Sport zu besuchen, wenn unbeteiligte Menschen in Sippenhaft genommen werden. Völlig unabhängig davon, dass es auch welche gibt, die sich nicht benehmen. Es werden aber sehr viele, die nicht betroffen sind und nicht chaotisch agieren, mit in irgendwelche Kessel und Ähnliches genommen. Das ist unerträglich. Da wünsche ich mir von der DFL mehr Input in die Richtung, mit den offiziellen Stellen mehr in die Gespräche zu kommen."

…die Aussagen von DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen über Spiele in Saudi-Arabien und Drohnen-Interviews: "Mir wäre wichtig, dass dann mit den diversen Fangruppierungen gesprochen wird. Sie bemüht sich richtigerweise darum, in ihrem Job zu schauen, wo es welche Möglichkeiten gibt und welche innovativen Ideen sie hat. Mir fehlt dann nur die Weiterführung, wo man den Fan wieder in den Mittelpunkt nimmt. Wenn man sagt, dass man den Fan in den Mittelpunkt nimmt, dann muss man mit den Fans intensiver sprechen. Sie ist neu in dem Job, weswegen es unfair ist, frühzeitig zu urteilen. Es muss sich aber intensiv mit der Basis auseinandergesetzt werden, um auch weitere Schritte gehen zu können. Das habe ich ihr auch gesagt. Es werden keine Spiele in Saudi-Arabien stattfinden und es wird auch keine Drohnen-Interviews geben. Das ist etwas, womit man sehr vorsichtig umgehen muss. Dieser Sport lebt von den Menschen, die in erster Linie in ihren lokalen Umfeldern supporten und diese Kerngruppe muss man halten. Stichwort Generationenwechsel: Da müssen wir wirklich aufpassen."

…die Bedeutung von 50+1: "Bei 50+1 geht es darum, die Empfehlung des Bundeskartellamts zeitnah umzusetzen. Das heißt, auch mit denen zu sprechen, die das System gesprengt haben. Das sind nicht die Vereine, die sich nicht auf einen Fanschal drucken lassen wollen. Sondern die Spalter der Liga sind diejenigen, die sich vom Vereinsfußball abgekehrt haben. Meiner Interpretation nach sind Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Leipzig mit nicht-integeren Ausnahmegenehmigungen unterwegs."

…die Weltmeisterschaft in Katar: "Die Vergabe nach Katar ist an Eingeschränktheit nicht zu überbieten. Wenn es einen Wertekanon gibt und man sich am Ende nicht daran hält, dann ist das schon besonders. Ich verstehe jeden Spieler, dessen Lebenstraum es ist, eine WM zu spielen und diese aus Spielersicht nicht zu boykottieren. Das kann ich aus den Gesprächen mit Jackson Irvine oder anderen Nationalspielern nachvollziehen. Das nächste Thema, das auf den Fußball zukommt, sind die völlig rückständigen und homophoben LGBTQ-Rechte in Katar."

 

(ch/hb/hbü/ms)

Fotos: FC St. Pauli / Witters

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