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„Keiner von uns ist zufrieden“

Mit dem 4:4 in Karlsruhe haben unsere Kiezkicker die Hinrunde mit 17 Punkten beendet und sich auf Platz 15 in die Winterpause verabschiedet. Am Dienstag (15.11.) sprachen Sportchef Andreas Bornemann und Cheftrainer Timo Schultz in einer Presserunde sehr ausführlich über die Entwicklung der vergangenen Monate und die anstehende Aufarbeitung. So äußerten sich Bornemann und Schultz u.a. über...

...die abgelaufene Hinrunde:

Andreas Bornemann: „Keiner von uns beiden, weder Timo noch ich, sind zufrieden mit der Halbserie. Niemand ist bei uns so blauäugig, die Situation zu unterschätzen. Eine Halbserie mit drei Siegen und acht Siege im kompletten Kalenderjahr sind nicht ansatzweise das, was unseren eigenen Ansprüchen genügt. Auch wenn wir vor der Saison wie in den Vorjahren zurückhaltend waren, eine Zielsetzung in Tabellenplätze auszurichten, ist die Region, in der wir uns in den nächsten Jahren etablieren wollen, das obere Drittel und nicht das untere Drittel. Und da haben wir uns nach einem wahnsinnigen Kalenderjahr 2021 im Jahr 2022 deutlich in eine andere Richtung entwickelt. Jetzt wird jeder verstehen, dass diese Situation nicht in einer Schwarz-Weiß-Betrachtung zu einem Ergebnis führen wird, und auch nicht in einer Reduzierung auf die Frage, ob wir die Stürmer Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh adäquat ersetzen können oder nicht. Dass sie schwer zu ersetzen sein würden, war uns vor der Saison klar. Natürlich liegt der eine oder andere Tag über die zwei vergangenen nach dem Spiel in Karlsruhe hinaus in der Aufarbeitung. Und da lege ich Wert drauf, in einer gemeinsamen Aufarbeitung der Monate, der Saison und des Jahres erfolgen soll und wir gemeinsam die richtigen Hebel und Lösungen finden, um aus dieser Situation herauszukommen. Dabei geht es nicht um Timo und nicht um mich, sondern es geht darum, der Mannschaft die richtigen Hilfestellungen zu geben, ob es personeller Art sind oder inhaltlicher. Und darüber hinaus natürlich, mit einem guten Schwung in das neue Jahr zu gehen.“

Timo Schultz: „Wir sind gut in die Saison reingekommen und konnten das auch punktemäßig untermauern – mit den Spielen gegen Nürnberg, Hannover und Magdeburg. Wir haben sehr viele Unentschieden und wir sind die Remis-Könige der Liga und dass wir die Spiele, die Spitz auf Knopf waren, nicht auf unsere Seite ziehen konnten, ist eines der Hauptthemen, warum wir da stehen, wo wir stehen. Da müssen wir auch nicht von dauerhaftem Glück oder Pech sprechen. Wenn du nach 17 Spielen nur drei Siege hast, dann ist das definitiv zu wenig. Das ist unser Hauptverantwortungsbereich: Wir als Trainerteam in der gesamten sportlichen Führung, da jetzt zu gucken an welchen Stellschrauben müssen wir drehen, damit das in die richtige Richtung geht. Wir haben am Anfang der Saison viele Kontertore bekommen. Spiele wie gegen Paderborn oder auch Rostock waren exemplarisch dafür. Darauf haben wir gute Antworten gefunden. Als uns dann die gesamte Innenverteidigung weggebrochen ist, haben wir auf eine Dreierkette umgestellt, was direkt im ersten Spiel im Derby gut funktioniert hat. Dann kamen zu viele Spiele, die für uns nicht das richtige Ende gefunden haben. Hinzu kommen ein paar Knackpunkte wie der wirklich schlechte Auftritt in Rostock, der uns am meisten geärgert hat. Mit einem tollen Derby zuhause und dann mit einem Pokalspiel ein paar Tage später, wo du bis zur 93. Minute mit 1:0 führst und zusätzlich zu diesem mega unglücklichen Spielverlauf, dann Spieler hast, die 18, 19 Kilometer gelaufen sind und drei Tage später stehst du in Bielefeld und musst direkt reinkommen. Das sind so viele Knackpunkte gewesen, wo wir es als Mannschaft nicht geschafft haben, über 90 oder 95 Minuten die Leistung abzurufen, um dementsprechend die Spiele zu gewinnen. Diese Knackpunkte, die eine Hinserie auch mal hat, die müssen wir uns ankreiden, das haben wir als Gruppe nicht hinbekommen. Auch müssen wir unsere Auswärtsschwäche konkreter angehen, das können wir nicht wegdiskutieren. Ohne Auswärtssiege stehst du zuhause immer unter Druck. Wir brauchen mal eine Serie von drei, vier gewonnenen Spielen, um einen Sprung in der Tabelle zu machen. Wie schnell das geht, hat Greuther Fürth zuletzt gezeigt. Wir müssen auch zusehen, dass die Ergebnisse kommen. Und die werden kommen, wenn wir gut trainieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Auch personeller Natur, das gehört dazu, aber auch in der Art und Weise, noch mehr von den Jungs zu fordern und sie noch mehr ins Boot zu holen. Da gibt es verschiedene Ansätze. Um es als Trainer nochmal hervorzuheben: Was den Willen, die Power und das Engagement des Teams anbelangt, was das Umsetzen des Plans angeht, das stimmt. Wir als Trainerteam müssen jetzt an den Stellschrauben drehen, an den letzten fünf bis zehn Prozent, die gefehlt haben, um die vielen Unentschieden auf unsere Seite zu ziehen, damit wir in der Rückserie einfach erfolgreicher Fußball spielen. Wir müssen uns nichts vormachen. Wir brauchen mehr Siege und mehr Punkte.“

...die sehr lange Winterpause:

Andreas Bornemann: „Wir müssen die Zeit während der WM für uns nutzen, um das Jahr und die abgelaufene Halbserie aufzuarbeiten, sie ausführlich zu analysieren und mit den richtigen Schlüssen und Entscheidungen, die wir ziehen und treffen werden, eine bessere Rückrunde zu spielen.“

Timo Schultz: „Wir haben eine deutlich längere Vorbereitung als im Sommer, was gut ist, um die Mannschaft vorzubereiten. Rein athletisch sind wir am Anschlag, für alles, was du verändern oder anpassen willst, hast du einen sehr langen Zeitraum. Wir haben einige Testspiele und wir werden alle gemeinsam starten. Bei Jackson Irvine müssen wir schauen. Nur bei ihm gehe ich davon aus, dass er später dazukommen wird.“

… die Entwicklung des Teams:

Andreas Bornemann: „Wir überlegen uns vor der Saison, währenddessen und darüber hinaus, wie wir unsere Mannschaft und den Verein entwickeln wollen. Wir sind zwar ein Verein mit Ambitionen, der aber nicht davon ausgehen kann, immer um den Aufstieg mitzuspielen. Das wünscht man sich zwar immer, das ist auch berechtigt, wenn ich Fan oder Partner bin, dann will ich meinen Verein gewinnen sehen und nicht am Tabellenende. Und trotzdem werden wir in der Konstellation, wie der Verein aufgestellt ist, wo er herkommt und welche Möglichkeiten er hat, immer wieder aufs Neue zu versuchen, das Rad wieder in Gang zu bringen. Und das ist harte Arbeit, mit einem Abwägungsprozess, wie viel Entwicklungsperspektive kann man einer Mannschaft hinzufügen, die dann in ein paar Jahren vielleicht wieder in so eine Situation kommt wie in der Vorsaison. Das klingt banal, ist aber nicht so einfach, weil diese Liga wenig Fehler verzeiht, viele Chancen bietet, aber auch große Gefahren. Und so hatten wir im Sommer zwei Szenarien, wo wir uns überlegen mussten, wie wir uns aufstellen, falls wir den Sprung in die Bundesliga schaffen und genauso für die 2. Liga. Der Vorteil im Jahr davor war, dass man schon im Februar oder März wusste, dass man nicht mehr absteigt, aber auch nicht aufsteigen wird. Das war für die Planung ein großer Vorteil. Wir konnten dann den Schwung aus der starken Rückserie mitnehmen. Jetzt ist es umgekehrt. Eine Rückserie mit Platz 13, mit vielen negativen Schwingungen drumherum, den wir mit in diese Saison genommen haben. Wir sind nicht dabei, etwas schön zu reden oder uns zu rechtfertigen, es sind aber die Themen, die man hat, um die Mannschaft drumherum, wie man sie entwickelt, was sind die Erwartungshaltungen und die haben wir uns nach diesem Jahr 2021 auch selbst geschürt. Wir wehren uns nicht gegen Erfolg, aber man muss auch wissen, dass, wenn du diese Ausreißer hast, dann die Gefahr, tiefer zu fallen, natürlich groß ist. Und die größte Schwierigkeit ist es immer, wenn es nach unten geht, dann das Ganze zu stabilisieren und in die andere Richtung zu führen.“

…die Zusammenstellung des Kaders nach den Abgängen von Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh:

Andreas Bornemann: „Das war auf mehrere Säulen ausgerichtet, dass man versucht, weniger Tore auf mehr Leute im Offensivbereich zu verteilen. Wir müssen versuchen, ein Stück weit die Torgefahr aus der zweiten Reihe zu erhöhen. Wir müssen versuchen mehr Tore über Standardsituationen hinzubekommen, weil die im Profifußball in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Und ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir unsere Defensive stabilisieren. Und dementsprechend haben wir uns dann einer Gruppe von Spielern genähert, denen wir das zutrauen, dass sie das Fundament dieser Mannschaft darstellen und den Wert dieser Mannschaft für diese Saison entwickeln wollen. Das sind Spieler wie Leart Paqarada, Jakov Medić, Jackson Irvine, Eric Smith, Nikola Vasilj, Marcel Hartel - und da sind wir drauf angewiesen, dass dieses Fundament steht und stabil ist. Das hat der Situation nicht sehr geholfen, dass wir im Sommer eine sehr lange Transferperiode hatten bis Ende August, wo schon sechs Meisterschaftsspiele plus Pokal dabei waren und Leart Paqarada sich sehr lange beschäftigt hat, ein Medić sehr lange mit dem Thema Bundesliga, VfB Stuttgart, deine Nummer eins mit Vasilj mit einer Handverletzung vor Saisonstart ausfällt, das sind Einschläge. Später war Irvine gesperrt, Smith ist nach dem Pokal mit einer muskulären Thematik für zwei Spiele ausgefallen. Das sind Dinge, die natürlich kontraproduktiv sind für ein Fundament, was du aufbauen willst. Die nächsten wichtigen Elemente sind dann, was man von draußen dazu holt. Und da haben wir abgewogen, von welchen Spielern, erwarten wir, dass sie aufgrund ihrer Qualitäten und Leistungen in den vergangenen Stationen, dieses Fundament ergänzen können. David Nemeth hat Erstliga-Erfahrung und in jungen Jahren eine gute Qualität mit viel mehr Perspektive, die wir sehen und die haben wir uns was kosten lassen. Dann ein Johannes Eggestein, mit einem nicht so schönen Jahr in Antwerpen, aber auch schon guten Nachweisen in der Vergangenheit. Darüber hinaus ist da ein Manolis Saliakas, dem wir auch als Neuling in dieser Liga so eine Rolle zugetraut haben. Dazu kommt eine Gruppe, die schon vorher da war. Spieler, die in der Lage sind, den nächsten Schritt zu machen und zu diesem Fundament dazu zugehören. Das sind ein Lukas Daschner, Etienne Amenyido, Lars Ritzka, Dennis Smarsch, Igor Matanović. Weiterhin schaut man: Sind die Spieler, die zu dem Fundament gehören, auf dem Platz, in der Verfassung und können die Neuen da reinwachsen? Und schaffen es die, die schon da sind, den nächsten Schritt zu machen? Und ein paar Dinge scheinen da aufzugehen, die darf man auch nicht wegwischen; aber am Ende müssen wir attestieren, dass wir die Ergebnisse, die wir in der Situation brauchen, nicht erzielen konnten und das Momentum, in engen Spielen, nie über einen längeren Zeitraum für uns ziehen konnten. Und darauf müssen wir Antworten kriegen.“

…die Defensive:

Timo Schultz: „Wir stehen defensiv stabil, wir haben aber zu viele individuelle Fehler gemacht. Da muss ich mir als Trainer Gedanken machen. Eigentlich waren wir mit der Dreierkette stabiler und trotzdem kriegen wir in so einem Spiel wie in Karlsruhe vier Gegentore. Da muss man unterscheiden zwischen Abläufen, die nicht passen, und den individuellen Fehlern. Von der Herangehensweise her machen wir das gut. Aber auch hier ganz klar: Wir müssen unser Risikomanagement verbessern. Wir haben viele Spieler, die am Strafraum die spielerische Lösung suchen und da müssen wir abwägen, wann ist das gefragt und wann nicht. Aber die Tendenz, dass wir im Saisonverlauf stabiler geworden sind, die sehe ich ganz klar. Mit Ausnahme in Karlsruhe.“

…die personelle Lage in der Abwehr:

Andreas Bornemann: „Der klarste Fall ist Betim. Der wird nur ein Spiel fehlen (Rotsperre, Anm. d. Redaktion). Bei Jakov (Schulter-OP, Anm. d. Redaktion) ist es so, dass man sehr gute Prognosen machen kann, sodass er wahrscheinlich im Januar in den Trainingsbetrieb einsteigen kann. Voraussetzt, es gibt keine Rückschläge. Bisher läuft jedoch alles nach Plan. Jakov muss man eher bremsen. Sobald die Schulter in Ordnung ist, wird er in einer guten Verfassung sein. Ob es für Nürnberg reicht, wird man sehen, ausgeschlossen ist es jedoch nicht. Die Black Box, das muss man so sagen, ist die Verletzung von David Nemeth. Eine Schambein-Verletzung ist sehr schwer zu prognostizieren. In der medizinischen Abteilung wurde ein Fahrplan mit Best-Case und Worst-Case-Szenarien aufgestellt. Im Optimalfall könnte er im Januar einen Aufbau durchlaufen, sodass er zeitnah wieder zur Verfügung steht. Wir haben aber auch erlebt, dass die Reha-Abteilung aufgrund von Rückschlägen einen Schritt zurück gehen muss. Das beeinflusst natürlich auch unsere Planungen.“

...die Trainerfrage:

Andreas Bornemann: „Meine Arbeitsweise hat immer ausgezeichnet, dass ich mit dem Trainer und Trainerteam die richtigen Rückschlüsse ziehen möchte, um gemeinsam die richtigen Schlüssel zu finden und daraus Entscheidungen abzuleiten. In dem Prozess befinden wir uns. Ich hoffe, dass wir gemeinsam in die richtige Richtung denken und gemeinsam gute Lösungen finden, um den Turnaround hinzubekommen. Wir müssen es drehen. Wir müssen Entscheidung so treffen, dass der Verein und diese Mannschaft den Turnaround hinbekommen.“

Timo Schultz: „Wenn ich das Gefühl hätte, ich würde die Mannschaft nicht mehr erreichen, dann ist ein Punkt gekommen, wo man sich als Trainer fragen muss, ob es für sich selbst und den Verein noch Sinn macht. Das sehe ich zu 100 Prozent gar nicht. Wir haben vor zwei Jahren schon bewiesen, auch wenn ich die Situation jetzt anders einschätze, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen und mit der Mannschaft die richtigen Wege eingeleitet haben, um es besser zu machen. Es gibt einige Stellschrauben, an denen wir drehen müssen. Die kennen wir und die gehen wir an. Es ist nicht so, dass wir meilenweit entfernt und sechs Punkte unterm Strich stehen, sondern mittendrin sind, wenn auch lange nicht in der Position, die wir uns vorgestellt haben und die wir uns zutrauen. Ich nehme mich und mein Trainerteam noch mehr in die Pflicht und Verantwortung. So wie die Mannschaft auftritt und Fußball spielt, so wie sie das Spiel auf dem Platz lebt - nicht nur in Karlsruhe - zeigt, dass sie funktioniert und sie den Plan umsetzen. Deshalb bin ich auch felsenfest davon überzeugt, dass wir aus dieser Phase rauskommen. Einzelne Spieler müssen aus dieser Phase gestärkt rausgehen, aber auch wir als Mannschaft werden gestärkt aus ihr hervorgehen. Ich bin mir sicher, dass wir das Ruder rumreißen, eine Rückrunde mit deutlich mehr Punkten spielen werden und auf die Tabellenplätze kommen, die wir uns vorstellen.“

...die fehlenden Abschlussqualitäten und ein Stürmer, der Tore garantiert:

Andreas Bornemann: „Jeder Verein sucht diesen einen Stürmer, der 20 Tore schießt. Tore entscheiden Spiele und wir würden uns auch wünschen, regelmäßig solche Spieler verpflichten zu können oder zu halten. Die Frage, ob man beispielweise Daniel Kofi Kyereh selbst mit einem Erstliga-Gehalt davon hätte überzeugen können hier zu bleiben, wird jeder selbst beantworten können. Guido Burgstaller hat er in der Hinserie der Vorsaison noch 14 Tore erzielt, in der Rückrunde dann aber auch nur noch vier. Garantien für Tore gibt es nicht. Die Summe, die dir eine hohe Torquote garantiert, liegt wahrscheinlich jenseits der drei Millionen Euro. Wir sind ein Stück weit in der Lage, in den nächsten zwei, drei Jahren nicht immer nur auf ablösefreie Spieler zu setzen, sondern irgendwo auch mal zuzuschnappen oder auch mal vorzeitig einen Vertrag zu verlängern, wie es bei Jackson Irvine der Fall war. Wir würden uns natürlich freuen, wenn Jojo Eggestein den Trend fortsetzt und bei Etienne Amenyido und Igor Matanović der Knoten platzt. Vielleicht haben wir aber auch noch von außen eine gute Idee, die finanzierbar und darstellbar ist.“

Timo Schultz: „Ich arbeite mit den Stürmern, die da sind, und bin von ihnen weiter zu 100 Prozent überzeugt. Wie soll sich ein Spieler denn entwickeln, wenn er nicht spielt? Wir sprechen immer darüber, den Jungs Vertrauen zu schenken und sie besser machen zu wollen. Wir sehen auch die Quote der Stürmer, die damit auch nicht zufrieden sind. Vielleicht habe ich sogar den Fehler gemacht, dass es einfach zu früh zu sehr thematisiert wurde und es den Jungs immer aufs Brot geschmiert wurde. Dieses Thema, noch ein Spiel ohne Stürmertor und wieder Chancen vergeben zu haben, ist Fakt. Das denkt sich niemand aus. Es sind alles junge Spieler und das nagt natürlich an ihnen. Mitunter war es zu viel, da ist den Jungs neben dem Selbstvertrauen auch die Lockerheit abhandengekommen. Da muss ich mich als Trainer natürlich fragen, was ich hätte besser machen können. Ich bin dann gefragt, die Jungs wieder in die Spur zu bekommen, damit sie locker bleiben und sich Selbstvertrauen holen. Das haben wir einfach nicht gut hinbekommen. Ich bin weiterhin von David Otto und seinen Qualitäten als Zielspieler und Finisher überzeugt, von Eti mit seinem Tempo oder auch von Jojo, der richtig gut ist, wenn er in der gegnerischen Box ist. Da ist er einer der besten Zweitligaspieler – mit dem Kopf und mit dem Fuß. Wir müssen ihn nur häufiger in die Situation bringen, das ist eine Aufgabe von uns als Mannschaft. Das wird ein Kernpunkt in der Aufarbeitung der Hinrunde sein, um die richtigen Schlüsse für die Rückrunde zu ziehen.“

...mögliche Aktivitäten auf dem Transfermarkt:

Andreas Bornemann: „Teil unserer Analyse ist es und wird es noch sein, wie unsere Überlegungen im Sommer waren und wie diese aufgegangen sind. Daraus wird sich dann vielleicht eine personelle Konsequenz ableiten lassen. Das andere ist aber auch, warum die Dinge nicht so aufgegangen sind und wir an der einen oder andere Stelle inhaltlich nachjustieren müssen. In den beiden Bereichen wird es bei den Entscheidungen, die höchstwahrscheinlich beide Bereiche betreffen werden, sich bewegen. Den Markt sondieren wir zwölf Monate im Jahr, was wenig überraschen wird. So geht der Blick im Sommer immer schon Richtung Winter oder darüber hinaus. Es ist Teil des Geschäftes, auf alle Eventualitäten immer vorbereitet zu sein. In der wahrscheinlich längsten Transferperiode aller Zeit wird es wichtig sein, dass wir all unsere Überlegungen und Schatten-Mannschaften, die wir in den vergangenen Jahren zusammengestellt haben, auch noch mal intensiv durchforsten, um da vielleicht die richtigen Typen und Spieler zu finden.“

...den Optimismus, eine bessere Rückrunde zu spielen:

Andreas Bornemann: „Mit wenigen Ausnahmen hat uns in vielen Spielen die berühmte Kleinigkeit gefehlt. Die guten Spiele, die wir nicht gewinnen konnten, fallen uns jetzt ein bisschen vor die Füße. Wir haben eine intakte, funktionierende Mannschaft und keine Spieler, die wegbrechen. Es haben sich neue Spieler herauskristallisiert, die vorneweggehen wollen, damit wir eine bessere Rückserie spielen.“

...die Leistungen einzelner Spieler wie beispielsweise Leart Paqarada:

Timo Schultz: „Einzelne Spieler bewerte ich ungern öffentlich. Wir haben 17 Punkte nach der Hinrunde und das ist zu wenig. Daran hat jeder seinen Anteil, Fußball ist ein Mannschaftssport. Es kann sich kein Spieler hinstellen und sagen, dass er wirklich jedes Spiel performt hat und zufrieden ist mit der Hinserie. Ich weiß, dass Leart sehr selbstkritisch mit sich umgeht. Ich hoffe, dass er sich vom Kopf ein, zwei Wochen Auszeit gönnt, dann in der Rückrunde voll angreift und in jedem Training und Spiel als Leader vorweggeht. Das gilt aber nicht nur für ihn, sondern für jede Position. Generell muss die Konsequenz, die wir in unserer Beurteilung an den Tag legen, vielleicht noch mal in einer anderen Art und Weise zum Ausdruck kommen. Sei es das Training betreffend oder bei Kader- und Startelf-Nominierungen.“

...die Konstanz und Entwicklung einzelner Spieler:

Timo Schultz: „Marcel Hartel hat eine konstante Hinrunde gespielt. Er hat bereits drei Tore erzielt, in seiner bisherigen Karriere waren es insgesamt fünf. Er ist in jedem Spiel torgefährlich – ob mit eigenen Abschlüssen oder Vorlagen. Das hat er sich für diese Saison vorgenommen und den Schritt ist er gegangen. Durch die Art und Weise, wie er Fußball spielt, gibt er der Mannschaft auch Sicherheit. Eric Smith hat sich im Laufe der Hinrunde gesteigert und stabilisiert. Zu welchen Leistungen er fähig ist, haben wir letzte Saison schon gesehen. Da war es aufgrund seiner Verfügbarkeit immer ein Auf und Ab. Gerade in den letzten Spielen, in denen wir auf Dreierkette umgestellt haben, hat er den Laden unfassbar gut zusammengehalten und selbst zwei Tore geschossen. In der Luft ist er auch noch mal deutlich stärker geworden und seine Standards sind für uns ein großer Gewinn. Mit Nikola Vasilj und Jackson Irvine sehe ich schon eine Achse von Spielern, die dauerhaft überdurchschnittliche Leistungen bringen und die Mannschaft führen können. Die Leistungen von vielen anderen Spielern waren leider zu schwankend. Ich hätte lieber häufiger mal ein Spiel drin gehabt, wo alle schlecht sind, im nächsten Spiel dann aber alle gut. Dann hätten wir zwar zwei Spiele mehr verloren, aber auch drei Spiele mehr gewonnen. Die vielen Unentschieden rühren daher, dass die Konstanz in den Leistungen der Einzelnen, aber auch als Mannschaft selbst innerhalb der Spiele nicht gegeben war.“

 

(ch/hb/lf)

Fotos: Witters

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