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„Das reicht doch niemals!“

Was für eine Leistung. FCSP-Triathlet Patrick Roos wurde am Sonntag (8.7.) beim Ironman in Frankfurt tatsächlich Vize-Europameister in seiner Altersklasse und qualifizierte sich mit seiner Zeit auch noch für den Ironman auf Hawaii. Wie es dazu kam und wie Patrick die 9 Stunden und 20 Minuten auf der Strecke erlebt hat, hat er aufgeschrieben.

Es ist wie ein Traum, den ich immer noch nicht glauben kann, auch wenn die Trophäe vor mir steht! Hätte mir das jemand vor einem Jahr erzählt, hätte ich ihn ausgelacht. Doch acht Jahre nach meinem ersten Marathon und vier Jahre nach meinem Triathlon-Debüt habe ich genau das gestern erreicht. Mein Ziel war es, beim IRONMAN in Frankfurt einen Slot für die Weltmeisterschaft auf Kona zu ergattern. Um dieses Ticket sicher zu erringen, galt es, mindestens den 12. Platz in meiner Altersklasse zu erreichen.

Das Rennen startete durchwachsen. Schwimmen ist nicht meine Stärke, doch nach dem Testschwimmen, das ich in knapp über einer Stunde beendete, war ich guter Dinge, dass ich es unter einer Stunde schaffen könnte. Beim Australien Exit nach 1500 Metern zeigte mir ein Blick auf die Uhr, dass das nichts werden würde. Vor meinem inneren Auge sah ich schon meinen Slot davonschwimmen, während ich die restlichen 2300 Meter hinter mich brachte. Die tiefstehende Sonne mache es fast unmöglich, die Bojen zu erkennen. Es war ein Krampf und ich war froh, als ich wieder den sandigen Boden unter meinen Füssen hatte. Bei 1:01 stoppte die Uhr. Gar nicht so schlecht wie befürchtet.

Nach schnellem Wechsel ging es auf die 185 Kilometer lange Radstrecke. Was war das eigentlich mit der Wettervorhersage? Windstill? Von wegen! Bis Friedberg gab es gefühlt nur Gegenwind. Das Feld war relativ dicht und es war unmöglich, sich davon zu lösen. Also im erlaubten Abstand rangehängt. Einige nahmen es mit dem Abstand nicht ganz so genau, aber die Kampfrichter waren recht streng und verteilten munter Zeitstrafen.

Irgendwann zerfiel das Feld immer mehr und es wurde recht einsam auf der Strecke. Ich konnte allerdings überhaupt nicht einschätzen, wie viele Athleten meiner Altersklasse vor mir waren. Die Zahlen auf meinem Radcomputer waren eher am unteren Ende der geplanten Race-Pace. Auf der zweite Runde wurde es dann wirklich zäh und mühsam. "Wie soll ich mit den Beinen noch einen guten Marathon laufen?" Der 36er Schnitt wird auch kaum zu halten sein. Wieder negative Gedanken: "Das reicht doch niemals." Dann der absolute Hammer! Am Wendepunkt in Friedberg liegt keine Zeitnahmematte und so kann ich einen Athleten vor mir sehen, der dies eiskalt ausnutzt und gut vier Kilometer abkürzt indem er auf die andere Straßenseite wechselt. Was für ein ...! Die Wut im Bauch gibt neue Kraft! Noch einmal den Heartbreak Hill hoch und jetzt nur noch runter nach Frankfurt rollen, endlich runter vom Rad. Fünf Stunden und sechs Minuten lagen voll im Plan. Aber reicht das?

Am Ausgang der Wechselzone standen meine Freundin Michelle und meine Eltern: „Du bist achter!“. Habe ich mich verhört? Ja, bestimmt. Wie immer bin ich viel zu schnell angegangen. Ich wollte einen Drei-Stunden-Marathon laufen. Aber die Pace war deutlich schneller. Das rächt sich! Aber wirklich langsamer wurde ich nicht. Erste Runde viel zu schnell. Nach der ersten Runde wartete mein Coach: "Patti, du bist Fünfter!“ What the fuck!?! Jetzt setzte der Ehrgeiz ein. Ich will einen Podiumsplatz, ich will endlich auch mal einen Pokal.

Wenn ich jetzt nicht brutal nachlasse, dann ist Kona sicher. Nach 30 Marathonläufen weiß ich, dass ich laufen kann. Die Endorphine drehen hoch... und das Koffein, das ich mir kontinuierlich einflösse, tut seinen Dienst. Nach dem Halbmarathon bin ich bereits auf dem vierten Platz und habe nur 30 Sekunden auf den Dritten.

Doch jetzt schlägt die Sonne zu. Es ist später Mittag und die Sonne brennt gnadenlos. Schatten ist auf der Laufstrecke Mangelware. Die Kräfte beginnen zu schwinden. Die Pace sinkt und von den drei Stunden habe ich mich lange verabschiedet. Jetzt bloß nicht einbrechen! Kühlen, kühlen, kühlen. An jeder Verpflegungsstation nehme ich vier bis fünf Schwämme und Eis. Die dritte Runde bringt mich an meine körperlichen Grenzen.

Dann passiere ich wieder meinen Coach: "Du bist Zweiter und hast zwei Minuten Vorsprung!" Das Wort "Vize-Europameister" wird mein Mantra, das mich über die letzten zehn Kilometer bringen soll. Ich laufe nur noch in Trance. Der berühmte Tunnel. Noch zwei Kilometer, noch einmal über die Brücke, noch einmal die Wechselzone passieren. Es geht auf die Zielgerade. Der Römer, der Zielbogen, ich brülle alles raus. WIE GEIL IST DAS DENN! Ich bin fix und fertig. Bei 9:20:27 stoppt die Uhr. Will nur noch ins Eisbecken...

Doch ich muss zur Dopingkontrolle. Eine ermüdende Prozedur und auch ein bisschen erniedrigend. Aber gut, muss sein. Im Raum der Kontrolle bricht dann mein Kreislauf zusammen. Als es wieder einigermaßen geht, bringe ich die Prozedur hinter mich. Ich bin in bester Gesellschaft von Patrick Lange und Daniela Ryf. Nach einer Stunde habe ich es geschafft. Ins Eisbecken will ich allerdings nicht mehr. Schnell duschen und zur Massage und dann von den Liebsten in Empfang genommen werden. Am Abend ging es dann noch mit Michelle zum Empfang der letzten Finisher. Die Atmosphäre war Gänsehaut pur. An Schlaf ist sowieso nicht zu denken, das Koffein tut weiterhin seinen Dienst.

Und ich habe ihn wirklich bekommen! Den Hawaii Slot. Ein Traum wird wahr. Ein Traum, den ich lange für unerreichbar hielt. Und ich bin Vize-Europameister! Ein Traum, der so kühn ist, das ich ihn noch nicht einmal geträumt habe. So abgedroschen es klingen mag, aber der IRONMAN Slogan ist wahr: ANYTHING IS POSSIBLE!

Ich möchte mich auch noch einmal bei allen bedanken, die mich supported haben! Es ist unglaublich, wie viel Nachrichten ich bekommen habe. Ich bin echt gerührt! Vielen Dank!

Vielen Dank an alle, die an der Strecke, Online und am TV mitgefiebert haben! Vielen Dank an Mättz von Running Green, der mir offensichtlich den perfekten Trainingsplan auf den Leib geschneidert hat! Vielen Dank an Freunde und Verwandte, die ich die letzten acht Monate vernachlässigt habe! Und natürlich vielen Dank an Michelle, die immer mehr an mich glaubt als ich an mich selbst. Die mich immer unterstützt, mitfiebert, supported, tröstet und einfach diesen Irrsinn mitmacht!

Es geht nach fuckin' HAWAII!

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