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"Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass ein Neustart notwendig ist"

Ein neuer Cheftrainer, viele neue Spieler und frischer Wind. Die U23 des FC St. Pauli hat sich über die Sommerpause neu aufgestellt und bereitet sich auf die Ende Juli beginnende Regionalliga-Saison 2022/23 vor. Wir haben mit Carsten Rothenbach, dem Sportlichen Leiter der U23, über die Kaderplanung und den eingeschlagenen Weg der Übergangsmannschaft gesprochen.

 

Moin Calle, die Sommerpause war kurz, für Dich als Sportlicher Leiter der U23 sogar sehr kurz. Bist Du zufrieden mit dem Kader, der jetzt auf dem Platz steht?

Wer braucht schon Urlaub? (lacht) Nein, im Ernst: Bisher können wir wirklich zufrieden sein. Wir konnten zum Vorbereitungsstart das Grundgerüst präsentieren und trainieren lassen. Es kann aber weiterhin Entscheidungen in beide Richtungen geben, diese Optionen wollen wir uns offenhalten.

Warum habt Ihr Euch dafür entschieden, den Kader zum Saisonübergang bis auf sechs Spieler, von denen zwei erst im Winter kamen, fast komplett umzubauen?

Wir haben die vergangene Saison natürlich analysiert und sind da zu dem Entschluss gekommen, dass ein Neustart notwendig ist. Wir brauchen einfach frische Impulse. Das hat in erster Linie die Mannschaft und das Trainerteam getroffen. Wir hoffen dadurch, eine neue Intensität in den Übergangbereich zu bekommen.

Das ist ein sehr harter Schnitt.

Stimmt, aber mit Aurel Loubongo, Justin Plautz und Max Brandt gab es auch Spieler, die von sich aus eine andere Herausforderung gesucht haben. Das müssen wir akzeptieren. Auf der anderen Seite muss man es aber auch akzeptieren, wenn wir uns von Spielern trennen, bei denen die Entwicklung nicht so war, wie wir sie uns vorgestellt haben.

"Wir hoffen dadurch eine neue Intensität in den Übergangsbereich zu bekommen."

Mit Sven Mende habt Ihr einen erfahrenen Mittelfeldspieler dazu geholt, den es in der Form in der Vorsaison nicht gab. Ein Ergebnis der angesprochenen Saisonanalyse?

Sicherlich auch. Wir hatten letztes Jahr zwei, drei Spieler dabei, die bereits einige Jahre im Herrenbereich, zeitweise sogar in der 2. Bundesliga oder 3. Liga gespielt hatten. Sven hat bei Schalke als Kapitän bewiesen, dass er diese Rolle einnehmen kann. Er ist aber nicht der einzige Spieler, von dem wir uns erhoffen, dass er Teil einer Achse sein wird, die uns stabiler werden lässt.

Eine weitere Veränderung ist die Trainerposition: Elard Ostermann tritt die Nachfolge von Joachim Philipkowski an. Was hat bei Eurer Suche den Ausschlag für Elard gegeben?  

Ein Trainerposten in der zweiten Mannschaft eines Zweitligisten ist sehr begehrt. Wir haben viele Gespräche geführt und dabei ein klares Trainerprofil gesucht. Elard bringt Erfahrung in den unterschiedlichen Altersklassen und im Herrenbereich mit. Er steht für intensiven und emotionalen Fußball, für den er viel investiert – aber von der Mannschaft auch einiges erwartet. Bei aller fachlicher Qualität passt er, und das darf auch nicht zu kurz kommen, menschlich sehr gut zu uns. 

"Wir sind mittlerweile so aufgestellt, dass wir auch Spieler aus Stuttgart oder München holen können."

Im letzten Jahr haben wir darüber gesprochen, dass die U23 näher an die Lizenzmannschaft gerückt werden soll. Ist dieser Plan aufgegangen?

Wir sind noch im Entwicklungsprozess, völlig klar. In vielen Bereichen haben wir das aber schon geschafft. Nun waren auch Jhonny Peitzmeier und Serhat Imsak mit im Profi-Trainingslager, Franz Roggow und Niklas Jessen sind schon fest oben dabei. Aber auch das Scouting nutzen wir, um Spieler für uns zu entdecken und sie dann von uns zu überzeugen.

 Das Scouting, das sich nicht nur auf Norddeutschland beschränkt.

Wir haben in der Kaderplanung klare Prinzipien: Zunächst wollen wir Spieler aus der U19 in die U23 übernehmen und Spieler mit in die kommende Saison nehmen. Für die Positionen, die wir damit nicht abdecken können, schauen wir uns extern um. Und ja, da sind wir mittlerweile so aufgestellt, dass wir auch Spieler aus Stuttgart oder München holen können. Das ist Teil der Professionalisierung, der Schwerpunkt soll aber auf eigenen Talenten liegen. Mika Clausen und Peer Mahnke sind gute Beispiele dafür, dass wir den regionalen Bereich abdecken.

Beobachtet ihr den süddeutschen Raum auch sehr bewusst oder wie werdet Ihr auf Spieler wie Jannis Turtschan, der aus Unterhaching kam, aufmerksam?

Wir haben ein deutschlandweites Netzwerk. Meistens beschäftigen wir uns aber mit Spielern, die uns schon mal aufgefallen sind: Jannis hat lange im Nachwuchs von Salzburg und schon früh in der 3. Liga bei Unterhaching gespielt, Serhat Imsak hat in Ingolstadt im NLZ gespielt. Die Namen sind uns dann schon bekannt und wir haben ihren Weg weiterverfolgt.

 

"Am Ende entscheiden die Jungs mit ihrer Leistung selbst."

Mit Finn Ole Becker hat ein Eigengewächs den Verein im Sommer verlassen, Igor Matanović ist bereits "nur" noch ausgeliehen. Kann über die U23 im Laufe der Saison der nächste stammspielende Lizenzspieler heranwachsen?

Wenn wir die Spieler im Übergangsbereich gut vorbereiten, haben sie die Möglichkeiten, sich oben durchzusetzen. Das ist die Basis für alles, für die es eine individuelle Vorbereitung bedarf. Denn am Ende entscheiden die Jungs mit ihrer Leistung selbst, wir können nur unterstützend tätig sein. Ich bin aber guter Dinge, dass wir den einen oder anderen wieder herausbringen werden.

Mit Blick auf die Leistung als Team: Was traust Du der Mannschaft in der Saison 2022/23 zu?

Für uns ist der Tabellenplatz nicht so entscheidend. Natürlich sind die Spieler heiß darauf, Spiele zu gewinnen, wir wollen dies sicherlich fördern, jedoch stellen wir die Entwicklung der Spieler in den Vordergrund. Unser Kernziel ist es, Spieler in den Lizenzkader zu integrieren und den jungen Spielern, die schon oben dabei sind, in der U23 zu Spielpraxis zu verhelfen. Ich bin zufrieden, wenn wir es schaffen, dass der eine oder andere Spieler ganz oben mit dabei ist.

 

(ms)

Foto: FC St. Pauli

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