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Nach Elfmeter-Drama: Kiezkicker scheiden im Viertelfinale gegen Düsseldorf aus

Der FC St. Pauli hat das Viertelfinalspiel im DFB-Pokal am Dienstagabend (30.1.) mit 5:6 im Elfmeterschießen gegen Fortuna Düsseldorf verloren. Am heimischen Millerntor egalisierte Marcel Hartel nach einer Stunde per Elfmeter den 0:1-Pausenrückstand von Vincent Vermeij, der ebenfalls per Elfmeter traf. In der Verlängerung war es der Düsseldorfer Ao Tanaka, der die Gäste auf die Siegerstraße brachte. Carlo Boukhalfas Treffer in letzter Sekunde sorgte für das Elfmeterschießen, bei dem die Gäste die besseren Nerven hatten.

Pokalabend am Millerntor, Flutlichtatmosphäre - Viertelfinale. Alles war angerichtet für einen besonderen Rahmen, standen unsere Kiezkicker letztmals 2022 (1:2 bei Union Berlin) in dieser Runde des Pokals. Drei Tage nach dem 2:1-Auswärtserfolg bei Fortuna Düsseldorf trafen beide Teams am Dienstagabend (30.1.) erneut aufeinander, dieses Mal hieß es aber Kiez statt Kö. Wie schon in den vergangenen Pokalspielen durfte erneut Sascha Burchert das Tor der Braun-Weißen hüten. „Verdient hat er es“, betonte Chefcoach Fabian Hürzeler auf der Pressekonferenz vor der Partie. Hürzeler selbst, der noch im Ligaspiel aufgrund seiner Gelbsperre von der Tribüne aus zusehen musste, kehrte auf die Trainerbank zurück. Außerdem starteten Lars Ritzka und Etienne Amenyido für Manolis Saliakas und Elias Saad. Der 22-jährige Neuzugang Erik Ahlstrand stand noch nicht im Kader. Auf der Gegenseite veränderte Fortuna-Cheftrainer Daniel Thioune seine Anfangsformation nur auf einer Position. Felix Klaus beackerte die Offensivaußenbahn anstelle von Jona Niemiec.

Offene Anfangsphase ohne Glanzmomente

Vor der Partie gab es eine Schweigeminute in Gedenken an den vor kurzem verstorbenen Franz Beckenbauer. Beide Teams liefen außerdem mit Trauerflor auf. Hinein ins Spiel, wo unsere am heutigen Tag in den petrolfarbenen Pokaltrikots aufdribbelnden Kiezkicker sofort den Ton angaben. Nach gut zehn Zeigerumdrehungen mussten die Gäste bereits verletzungsbedingt wechseln, für Emmanuel Iyoha ging es nach einem Laufduell mit Etienne Amenyido nicht mehr weiter. Für ihn kam Takashi Uchino. Das Spiel nahm daraufhin Fahrt auf und beide Mannschaften versuchten sich durch die gegenseitigen Abwehrreihen zu kombinieren. Die erste Duftmarke setzten hier die Düsseldorfer durch Ao Tanaka, der einen abgewehrten Ball außerhalb des Strafraums mit der Brust aufnahm und volley abzog - doch den Kasten von Sascha "Beucke" Burchert verfehlte (15.). Den ersten guten Abschluss auf Seiten der Hürzeler-Elf verzeichnete Johannes Eggestein, der ebenfalls wie Tanaka einfach mal aus der Distanz abzog. Sein abgefälschter Ball war jedoch kein Problem für F95-Torhüter Florian Kastenmeier (27.). 

Vermeij schockt die Kiezkicker

Zehn Minuten vor dem Ende wurde es dann auf FCSP-Seite richtig brenzlig, als nach einem Steckpass Vincent Vermeij auf und davon war und im Zweikampf mit Burchert zu Fall kam. Zunächst wurde auf Abseits entschieden, doch der VAR meldete sich und korrigierte die Entscheidung - kein Abseits und stattdessen Elfmeter für die Gäste plus Gelb für den St. Pauli-Schlussmann. Den Strafstoß verwandelte der Gefoulte sicher im linken Eck aus Sicht des Schützen (38.). In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs warfen unsere Boys in Brown noch einmal alles nach vorne - Etienne Amenyido hatte aus knapp 20 Metern zentraler Position die letzte Möglichkeit vor dem Pausenpfiff, verzog aber.

Die Südkurve mit einer beindruckenden Choreographie beim Einlaufen beider Teams

Die Südkurve mit einer beindruckenden Choreographie beim Einlaufen beider Teams

Hürzeler reagierte auf den Pausenrückstand und brachte für die zweite Halbzeit Manolis Saliakas und Elias Saad für Lars Ritzka und Etienne Amenyido. Die Gäste blieben wiederum unverändert. Unsere Kiezkicker behielten den Offensivdrang auch in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs bei, taten sich allerdings weiterhin schwer, Tormöglichkeiten herauszuspielen. Das lag auch an einer gut gestaffelten Düsseldorfer Defensive, die immer wieder geschickt verschob, bissig in den Zweikämpfen war und Marcel Hartel in Person von Andre Hoffmann nicht zur Entfaltung kommen ließ. 

Hartel macht's ebenfalls vom Punkt

Doch in der 59. Minute schafften die Kiezkicker es, dank schönem Zusammenspiel der eingewechselten Saad und Saliakas, den Zehner in Szene zu setzen, der von Düsseldorfern im Strafraum umzingelt das Leder auf Philipp Treu spitzelte, der wiederum von Ao Tanaka zu Fall gebracht wurde - erneut Elfmeter, dieses Mal für die Braun-Weißen. Hartel trat an und verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich (60.). Alles auf Anfang am Millerntor und die Kiezkicker wollten mehr. Doch auch die Fortuna versteckte sich nicht - Tanaka probierte es mit einem Fernschuss in der 67. Minute, der am linken Pfosten vorbeizischte. Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff brachte Hürzeler mit Angreifer Maurides und Mittelfeldspieler Carlo Boukhalfa für Johannes Eggestein und Aljoscha Kemlein frische Kräfte und der Schlagabtausch am ausverkauften Millerntor ging in die finalen Züge der regulären Spielzeit. 

Pokalfight in der Schlussphase

Die Gäste schafften es in der Schlussphase des Pokalfights immer wieder gefährlich über die rechte Seite der Kiezkicker aufzudribbeln, allen voran über den pfeilschnellen Christos Tzolis. Unsere Kiezkicker bissen sich gegen die Fortunen auch in der Endphase der Partie die Zähne aus, wo war die Lücke, wo ist das richtige Momentum? Sollte es, wie schon gegen den FC Schalke 04 in der 2. Runde hier am Millerntor, in die Verlängerung gehen?

 

Marcel Hartel markiert den Ausgleich vom Elfmeterpunkt (60.)

Marcel Hartel markiert den Ausgleich vom Elfmeterpunkt (60.)

Die Antwort lautet: Ja, die Kiezkicker mussten erneut am Millerntor im Pokal "Nachsitzen" und in die Verlängerung gehen. Es blieb ein hartes Stück Arbeit für die Hürzeler-Elf, ein Abnutzungskampf gegen das Fortuna-Bollwerk. Wie viel Glücksgöttin "Fortuna" blieb den Braun-Weißen an diesem Tag vergönnt? In der 97. Minute hatten alle, die es mit dem FC St. Pauli halten schon den erlösenden Torschrei auf den Lippen. Eine Hereingabe von Maurides bekam die Gäste-Defensive nicht geklärt, stattdessen landete die Pille genau vor die Füße von Hartel, der aus acht Metern frei vor Kastenmeier aber drüber schoss.

Auf Tanaka folgt Boukhalfas Kopfball

Auf der Gegenseite waren die Düsseldorfer an diesem Abend kaltschnäuziger. Ao Tanaka war in der 99. Minute der Nutznießer, als Burchert einen Ball von Yannik Engelhardt nicht festhalten konnte und der Japaner Tanaka den Ball zum 2:1 aus Sicht der Gäste markierte. Die Kiezkicker schworen sich vor dem Seitenwechsel noch einmal auf die letzten 15 Minuten des Pokalspiels ein und warfen alles nach vorne - auch Abwehrspieler Hauke Wahl war mit seiner Kopfballstärke nur noch in der Hälfte der Gäste. Statt des ersehnten Ausgleichstreffers machte es die Mannschaft von Daniel Thioune an diesem Abend abgezockter, so schien es zumindest. Nachdem Chefcoach Hürzeler mit der Gelb-Roten Karte auf die Tribüne geschickt wurde, ließ der eingewechselte Carlo Boukhalfa mit seinem Kopfballtreffer in der allerletzten Sekunde der Verlängerung das Millerntor völlig abheben. 

Tzolis setzt den Schlusspunkt

Drama pur - und es ging ins Elfmeterschießen. Hier behielt das Hürzeler-Team zunächst die besseren Nerven, Burchert parierte gegen Christoph Daferner, allerdings Kastenmeier auch gegen Maurides. Nachdem Hartel zunächst an Kastenmeier scheiterte, wird dieser Elfer wiederholt da der Fortuna-Keeper nicht mit einem Fuß auf der Linie stand. Doch Kastenmeier parierte erneut. Den Schlusspunkt setzte dann Tzolis für die Düsseldorfer. 

Für die Kiezkicker war diese Niederlage die erste in der laufenden Saison. Das letzte Mal, dass die Hürzeler-Schützlinge am Millerntor verloren, war am 16. April vergangenen Jahres beim 1:2 in der 2. Bundesliga gegen Eintracht Braunschweig. Kein wirklicher Trost, dass der FCSP im Ligawettbewerb weiterhin ungeschlagen ist, so gerne hätten wir an diesem Abend erneut historisches erlebt.

FC St. Pauli

Burchert - Wahl, Smith, Mets - Treu, Kemlein (74. Boukhalfa), Hartel, Ritzka (46. Saliakas) - Amenyido (46. Saad), Eggestein (74. Maurides), Afolayan (99. Sinani)

Cheftrainer: Fabian Hürzeler

 

Fortuna Düsseldorf

Kastenmeier - Iyoha (12. Uchino), Hoffmann, de Wijs (91. Quarshie), Gavory - Engelhardt - Tanaka, Jóhannesson (91. Zimmermann) - Klaus (86. Niemiec), Vermeij (68. Daferner), Tzolis

Cheftrainer: Daniel Thioune

 

Tore: 0:1 Vermeij (38./FE), 1:1 Hartel (60./FE), 1:2 Tanaka (99.), 2:2 Boukhalfa (120.)

Tore im Elfmeterschießen: 3:2 Smith, 3:3 Hoffmann, 4:3 Saad, Burchert hält gegen Daferner, 5:3 Sinani, 5:4 Engelhardt, Kastenmeier hält gegen Maurides, 5:5 Tanaka, Kastenmeier hält gegen Hartel, 5:6 Tzolis

Gelbe Karten: Burchert, Hürzeler, Saliakas, Mets, Saad / Hoffmann

Gelb-Rote Karte: Hürzeler

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Fans: 29.546 (ausverkauft)

 

(ch)

Fotos: FC St. Pauli

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