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Gedenken an Opfer des Holocaust

Am Freitag, den 27. Januar, sind anlässlich des Holocaust-Gedenktages am Millerntor etwa 300 Menschen zusammengekommen, um der Opfer der Shoah zu gedenken. Vertreter*innen des Vereins und der Fanszene legten Kränze nieder. Im Anschluss gab es eine Veranstaltung im Ballsaal. 

Vor der Südtribüne des Millerntors versammelten sich gegen 18.00 Uhr Vertreter*innen des Präsidiums und Aufsichtsrats sowie weiterer Gremien und Abteilungen des FC St. Pauli, zahlreiche Mitglieder und Fans. Auch Profi-Mannschaft, Trainer und Betreuer waren vor Ort.

Nachdem Präsidium und Fan-Vertreter*innen Kränze an der Gedenktafel für die Opfer des NS-Regime niedergelegt hatten, gedachten die Teilnehmenden der NS-Opfer durch eine Schweigeminute.

Veranstaltung zu NS-"Euthanasie" im Ballsaal

Anschließend folgten mehr als 100 Personen der Einladung des St. Pauli-Fanladens, an einer Veranstaltung im Ballsaal Süd teilzunehmen, den der FC St. Pauli zu diesem Zweck zur Verfügung stellte. Der Historiker Robert Parzer referierte dort über Täter und Opfer des Nazi-Krankenmordes.

"Es ist ungewöhnlich für mich, in einem Fußballstadion zu referieren", sagte der Historiker, dessen Forschungsschwerpunkt die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen sind. Für einen Historiker sei es sehr positiv, wenn sich nicht nur Fachleute für historische Themen interessierten, betonte er.

In seinem Vortrag legte Parzer dar, wie die Ideologie der Eugenik bereits lange vor der NS-Zeit verbreitet war. Dabei geht es um die Vorstellung, Menschen ließen sich nach ihrem Erbgut in "wertes" und "unwertes" Leben einteilen. Die Nazis griffen diese Ideologie auf und machten sie zur Basis ihres Euthanasie-Mordprogramms, dem zehntausende Menschen zum Opfer fielen.   

Parzer zeigte anschaulich mit Hilfe historischer Dokumente, wie die Ärzteschaft an dem System der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde beteiligt war. Systematisch baute das NS-Regime ein Netz von Tötungsanstalten auf, in denen Menschen ermordet wurden - unter anderem durch den Einsatz von Gas. Dazu bauten die Nazis Krematorien, um die Leichen zu verbrennen. 

Parzer zeigte anhand von historischen Fotos: Diese Anlagen wurden nicht abseits von Städten errichtet. "Es hat durch die Krematorien gestunken", betonte der Historiker, viele Menschen hätten gewusst, was dort geschehe. Über diese Morde sei nach der Befreiung lange geschwiegen worden - zudem habe es nur wenige Überlebende gegeben, die von den Verbrechen berichten konnten.

Für viele Täter keine Konsequenzen

Die Mehrzahl der beteiligten Ärzte wurde nie zur Rechenschaft gezogen, wie Parzer an konkreten Beispielen zeigte. Er erläuterte zudem, wie die Morde immer effektiver durchgeführt wurden, es habe "Experten der Vernichtung" gegeben, die durch die "Euthanasie"-Morde gelernt und schließlich die großen Vernichtungslager entwickelt hätten. Gleichzeitig zeigten Akten von Gerichtsverfahren gegen NS-Täter, dass diese sich immer wieder auf angebliche Unwissenheit oder Machtlosigkeit gegen die "Euthanasie"-Morde bezogen. Dadurch seien in Hamburg quasi alle Täter davongekommen, so Parzer. In den Prozessen habe sich gezeigt, dass sich das Denken über "unwertes" Leben nicht geändert hätte, betonte der Historiker.

Die Vorstellungen wurden über Jahrzehnte weitergetragen. Die 'Arbeitsgemeinschaft Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten' gründete sich in den 1980er-Jahren und setzt sich bis heute für die Rechte der Opfer und das Gedenken an sie ein. "Doch die meisten Geschädigten gingen leer aus", sagte Parzer. Dazu passt, dass der Deutsche Bundestag das Zwangssterilisationsgesetz erst im Jahr 2007 ächtete.

Nach der Veranstaltung sammelte der St. Pauli-Fanladen noch Spenden für das Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine.

 

(pg)

Foto: FC St. Pauli

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