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Zukunft der UEFA-Klubwettbewerbe - Öffentlicher Brief des FCSP-Präsidiums an DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch

Das Präsidium des FC St. Pauli spricht sich gegen die geplante Reform der UEFA-Klubwettbewerbe aus. In einem öffentlichen Brief an DFB-Vizepräsident und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees Dr. Rainer Koch erläutert das Präsidium seine Haltung und fordert im Namen des FC St. Pauli von 1910 e.V. dazu auf, gegen die Reformpläne zu stimmen. Der Brief im Wortlaut:

EIN ANDERER FUSSBALL IST MÖGLICH

Sehr geehrter Herr Dr. Koch,

wie am 30. März 2021 von der UEFA offiziell mitgeteilt wurde, wird am 19. April 2021 im Rahmen der nächsten Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees eine Entscheidung über die Zukunft der Klubwettbewerbe ab 2024 getroffen. Als deutscher Vertreter und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees fordern wir Sie im Namen des FC St. Pauli von 1910 e.V. auf, gegen die geplante Reform der UEFA-Klubwettbewerbe zu stimmen.

Uns ist die europäische Gesamtlage bewusst und dass der vorliegende Reformvorschlag bereits als ein Kompromiss der Befürworter*innen und der Kritiker*innen einer europäischen Super League angesehen wird. Mit Blick auf die Entwicklung des Fußballs, der nationalen Ligen und dem weiteren Ungleichverhältnis in nationalen wie internationalen Wettbewerben ist für uns allerdings der vorliegende Kompromiss nicht tragbar, da bereits die gegenwärtige Verteilung der UEFA-Erlöse den nationalen Wettbewerb erheblich negativ beeinträchtigt.     

Die strukturellen Probleme des Systems wurden nicht durch die Corona-Pandemie verursacht, sondern treten vor diesem Hintergrund nur deutlicher zutage. Dass viele Vereine in dieser Krise in existenzielle Nöte geraten sind, sollte längst eine Warnung und gleichzeitig Anlass für umfassende Veränderungen sein. Die Corona-Krise darf nicht als Vorwand gelten, die Missstände der unkontrollierten Verhältnisse in nationalen wie internationalen Wettbewerben mit weiteren finanziellen Zuflüssen zu kaschieren und damit einen “closed shop” durch die Hintertür zu schaffen.

Anstatt die Zeichen zu erkennen und die Situation für die richtigen Veränderungen zu nutzen, um den Fußball durch Förderung eines fairen Wettbewerbs, durch die Stärkung und Steigerung von sportlicher Integrität, Glaubwürdigkeit, gesellschaftlicher und fankultureller Akzeptanz und wirtschaftlicher Stabilität in den Vordergrund zu stellen, setzt die geplante Reform genau an dem Punkt an, an dem der europäische Profifußball in seiner kommerziellen Entwicklung in der Pandemie seine Grenzen aufgezeigt bekommen hat.

Die Auswirkungen der geplanten Veränderungen der Klubwettbewerbe werden unter anderem eine noch größere Ungleichheit zwischen und innerhalb der nationalen Ligen und eine Zementierung der Dominanz der sogenannten Eliteclubs auf Jahre sein. Die zusätzlichen Spiele werden den Druck auf die nationalen Spielkalender weiter erhöhen und die Belastungsgrenzen der Spieler*innen noch weiter überschreiten. Wo soll diese Entwicklung noch hinführen?

Sie steht im Widerspruch zu jeglichen Bemühungen, Aussagen und Ergebnissen der Taskforce Zukunft Profifußball, verschiedener Positionspapiere von Profifußballvereinen und Fanorganisationen und den Interessen der meisten europäischen Ligen und Clubs, so auch der Bundesliga und 2. Bundesliga. Gerade Sie, als 1. Vizepräsident des DFB und als Vertreter der Amateure und Regional- und Landesverbände, sollten den gesamten Fußball im Blick haben. Um es deutlich auszudrücken: Ein positiver Beschluss über die geplanten Veränderungen ist ein Schlag ins Gesicht aller, die den Fußball, den Wettbewerb und die Sportler*innen im Fokus ihres Handelns verstehen.

Wir erwarten, dass Sie am 19. April 2021 im Sinne des deutschen und europäischen Fußballs entscheiden und gegen die Reform der UEFA-Klubwettbewerbe ab 2024 stimmen werden.

Präsidium FC St. Pauli von 1910 e.V.

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