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"Weil wir alle miteinander für den FC St. Pauli kämpfen"

Nach einer für den Verein intensiven Saison, die sowohl sportlich als auch wirtschaftlich einige Herausforderungen für den FC St. Pauli bereit hielt, stand Präsident Oke Göttlich den Pressevertreter*innen ausführlich Rede und Antwort und sprach dabei u.a. über…

…das starke Gemeinschaftsgefühl im Verein im vergangenen Jahr:

„Ich bedanke mich bei allem Kolleg*innen im Hauptamt, dass sie diese Reise mit uns gemacht haben. Es war eine richtig anstrengende Zeit. Wir haben aber auch viel gelernt und gesehen, wie wir Krisen gemeinsam meistern und uns aufeinander verlassen können, weil wir alle miteinander für den FC St. Pauli kämpfen. Mit Blick auf die neue Saison ist das ein sehr wichtiges Gut, weil wir mit großer Vorfreude auf die kommende Spielzeit schauen. Wir werden im nächsten Jahr Spiele am Millerntor erleben, hoffentlich mit Fans, an die wir uns noch lange erinnern werden. Das sind Spiele, für die unsere Mannschaft brennen wird. Diese Partien haben früher in der Ersten Liga stattgefunden und stehen jetzt in der Zweiten Liga auf dem Programm.“

…die finanziellen Auswirkungen der Pandemie

„Wir haben es ja bereits während der laufenden Spielzeit benannt. Diese Saison werden wir aufgrund der pandemischen Lage mit einem Umsatzrückgang in fast zweistelliger Millionenhöhe abschließen. An dieser Stelle noch mal ein Lob an alle beteiligten Mitarbeiter*innen. Durch sehr vernünftiges wirtschaftliches Handeln konnten wir finanzielle Schäden begrenzen. Auch im Sport, wo wir unser Budget nicht komplett ausgeschöpft haben, wurden Entscheidungen getroffen, die uns geholfen haben, mit der Situation bestmöglich umzugehen. Hier konnten wir auf der einen Seite Einsparungen vornehmen und auf der anderen Seite haben wir durch Transfers Gelder eingenommen. Deswegen ein großes Dankeschön an alle Verantwortlichen im Verein, dass wir direkt zu Beginn der Pandemie die richtigen Maßnahmen beschlossen haben, um den Verlust so gering wie möglich zu halten. Gerade das zurückliegende Jahr hat gezeigt, dass es richtig ist, eine Veränderung in der Satzung und die Verstärkung des Hauptamtes durch die besonderen Vertreter*innen anzustreben.“

…eine mögliche Rückkehr der Fans ans Millerntor:

„Selbstverständlich wünschen wir uns nichts mehr als das und werden uns dafür einsetzen, dass das, was in Hallen möglich ist, auch außerhalb von Hallen mindestens möglich ist. Wir werden sämtliche Maßnahmen ergreifen, um eine sichere Rückkehr von Fans in unser Millerntor-Stadion zu ermöglichen, wenn es erlaubt ist. Dabei geht es um Testszenarien, Abstände auf den Rängen und ein ganz wesentlicher Punkt ist, wie die Zu- und Abflüsse der Menschen in den engeren Bereichen aussehen. Es ist ein stetiger Balanceakt. Erst wenn wir absehen können, mit welcher Anzahl unsere Fans zu Spielen zugelassen werden, würden wir den Dauerkartenverkauf beginnen. Wünschenswert wäre eine Auslastungsmöglichkeit von 50 Prozent, denn das würde bedeuten, dass wir allen Fans mit Dauerkarte bedienen könnten. Das wäre fantastisch. Das zeigt auch, dass wir nicht sofort auf die Einnahmen aus dem Verkauf der Dauerkarten angewiesen sind, auch weil wir nach einem Jahr die Parameter einschätzen und planen können. Das war vor einem Jahr anders. Gleichzeitig möchten wir den administrativen und bürokratischen Aufwand für uns und auch für die Fans minimieren. In diesem Zuge sei angemerkt, dass wir uns außerordentlich bei unseren Fans bedanken müssen, weil uns sehr viele von ihnen durch den Erstattungsverzicht auch finanziell unterstützt haben und wir auch dadurch vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sind.“

…die fußballpolitischen Entwicklungen im deutschen Fußball:

„In diesem Jahr ist sehr viel passiert. Hier sprechen wir auch über die Abschaffung der Montagsspiele. Wir werden Samstagabendspiele am Millerntor haben. Das wird ein Fest für alle Menschen, die ins Stadion kommen, um Fußball zu schauen, das Team anzufeuern und gemeinsam Zeit zu verbringen. Darum geht es im Fußball. Da freue ich mich sehr drauf und bedanke mich bei unserer Fanszene, die sich seit mehreren Jahrzehnten dafür engagiert hat. Gleichzeitig haben wir in der Task Force der DFL die ersten kleinen Schritte hin zu einem sozialgesellschaftlichen Engagement der Liga gemacht. Selbstverständlich ist das noch nicht weitreichend genug. Es ist aber ein Anschub, um Fan-Teilhabe, Diversität und Nachhaltigkeit in die Liga zu bringen. Auch wir haben uns als FCSP positioniert, agiert und nicht reagiert und das entspricht auch unserem Selbstverständnis. Wir sind ein gesellschaftlicher Akteur, der agieren und nicht reagieren möchte.“

…die Entwicklungen in der Bundesliga und die Gründe dafür:

„Es läuft aktuell einiges schief. Durch Rahmenbedingungen, Entscheidungen und Verteilungsmechanismen werden manche Vereine mehr als andere Mitbewerber unterstützt. Die attraktiven Spiele und auch Quoten werden zunehmend in der 2. Liga stattfinden. Da muss man hinterfragen, inwiefern damit eine Entwicklung vorangetrieben wurde, in der Leidenschaft, Geschichte, emotionale Verwurzelung eher in einer 2. Liga geschieht als in der 1. Liga. Ein weiterer Grund für die Entwicklung der Bundesliga sind die Lockerungen in Bezug auf die 50+1-Regelung. Das wird der Liga auf die Füße fallen. Deswegen positionieren wir uns klar und sagen, dass 50+1 ein sehr wichtiges Gut ist. Nicht nur wegen der Partizipation von Mitgliedern, sondern es führt dazu, dass eine gewisse Attraktivität herrscht und ist dadurch auch wirtschaftlich von enormer Bedeutung. Gleichzeitig wird jetzt auch im Fußball wieder über Gehaltsdeckel gesprochen. Gemeinsam mit unserer Fanszene weisen wir schon seit Jahren darauf hin und haben diesen Aspekt in Papieren formuliert. Es geht grundsätzlich darum, dass wir mit Hilfe von Regulierung wie Financial Fair Play und der Verteilung der TV-Gelder einen bodenständigen und integren Wettbewerb ermöglichen und ein großartiges Sporterlebnis schaffen.“

..die Möglichkeit für ein Genossenschaftsmodells beim FCSP:

„Es ist immer Thema und liegt bei uns auf dem Tisch. Sobald eine Geschichte für die Genossenschaft geschrieben werden kann, dann werden wir sie schreiben. Es muss aber den richtigen Anlass dafür geben und nicht nur dazu dienen, Geld einzusammeln. Vielmehr soll es hierbei um eine zukunftsorientierte und gleichzeitig bleibende Investition für den Verein gehen.“

…die infrastrukturelle Weiterentwicklung:

„Wir sind bei der Infrastruktur nicht an der Stelle, wo wir sein wollen. Hier sind wir seit Jahren in vielen Gesprächen. Grundsätzlich freuen wir uns, dass die Behörden und auch der Senat deutliche Zeichen geben, dass wir uns nicht außerhalb Hamburgs positionieren und auf die Suche gehen müssen. Dafür sind wir sehr dankbar.“

 

(lf)

Fotos: Witters

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