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"Es gibt Dinge, die sind wichtiger als Sport oder Geld" - The Get Up Kids am Millerntor

Nach 8 Jahren veröffentlichen The Get Up Kids ein neues Album! Als eine Band, die mit ihrer Musik einen so großen Einfluss und Abdruck im Genre des Emo Punk hinterließen, war es uns eine Ehre, als sie uns im Millerntorstadion besuchen wollten. Wir haben die Chance genutzt, sie durch das Stadion zu führen und ausführlich über Fußball, ihr neues Album und die Musik zu sprechen, aber auch die ganz großen Fragen des Lebens zu diskutieren. Viel Spaß bei einer lebhaften Unterhaltung mit Matt Pryor und James Dewees.

Hallo, schön, dass Ihr hier seid! Wart ihr schon mal in Hamburg oder St. Pauli?
Matt: Wir waren noch nie im Stadion, aber wir waren schon häufiger in dieser Gegend und ich hab auch mal etwas im Fanladen gekauft. Aber ich konnte leider noch nie zu einem Spiel gehen oder das Stadion anschauen.

Wann und wie habt Ihr das erste mal vom FC St. Pauli gehört?
James: Ich hab schon vor einiger Zeit davon gehört, vor allem über die Indie Einstellung des Vereins. Ich glaube, wir haben in Hamburg und auf anderen Punk-Konzerten Leute mit den Totenkopfshirts gesehen – das ist einfach cool! Alles was Totenköpfe involviert ist ziemlich toll!

Gibt es bei Euch größere Fußballvereine? Kann man sie vergleichen?
Matt: Ja, es gibt Sporting Kansas City, da wo wir herkommen. Der Kansas City Fußballclub ist ziemlich groß. Einer meiner Stammkneipen heißt The Red Lion, der ist ca. 45min vom Stadion entfernt. Jedes mal wenn ein Spiel im Stadion stattfindet kommt ein Bus zur Kneipe und fährt alle dorthin. Es gibt sogar Ultras, also hardcore Fans, die auf die günstigen Stehplätze gehen, wo es auch das günstiges Bier gibt und die
unterstützen einfach den Verein!

Ihr habt ja gerade die Stadiontour gemacht, auf der Ihr auch einige neue Dinge gelernt habt. Was ist das faszinierendste am FCSP für Euch?
James: Für mich ist die Geschichte des Stadions einfach großartig! Und die Fotos aus dem Museum dazu, die ganzen für Transformationen, die der Verein durchgemacht hat. Alles ist von den Leuten finanziert – der ganze Verein wird quasi von den Fans getragen!

Matt: Ich glaube es gibt keinen anderen Sportverein oder –organisation, die eine so direkte Message und einen so klaren politischen Standpunkt hat, auch was Integration und progressive Politik angeht. Ich kann das gar nicht richtig glauben... so was würde in den USA nie durchgehen. Das würde einfach nicht passieren. Wir können uns ja nicht mal darauf einigen, dass Leute während der Hymne niederknien dürfen, wenn sie das möchten. Ich hab auch am Flughafen wieder jemanden mit einem Shirt gesehen, da stand drauf: „Ich stehe für die Nationalhymne“... ich dachte nur: Fuck off! Es ist cool so etwas wie hier zu sehen. Es gibt Dinge, die sind wichtiger, als Sport oder Geld. Ich glaube, so etwas existiert sonst nirgendwo anders auf der Welt.

 

Glaubt ihr, Musik kann einen ähnlichen Effekt haben? Dass es Menschen zusammenbringt und ihnen damit eine so starke Stimme gibt?
James: Als Musiker stehen wir immer etwas im Abseits von so etwas, aber bei uns sind alle Meinungen willkommen und wir sind offen Dingen gegenüber. Es gibt überall Arschlöcher und Leute, die dagegen sind. Wenn Leute alle aus den gleichen richtigen Gründen zusammen kommen ist es sehr wichtig das zu unterstützen.

Matt: Ich glaube, wenn man viel reist oder in einer Hafenstadt wie Hamburg lebt, ist man einfach viel mehr mit unterschiedlichen Menschen konfrontiert, als wenn man im Landesinnern lebt. Ich glaube man bekommt einen viel weiteren und progressiveren Blick und gewöhnt sich eine Akzeptanz gegenüber allen Kulturen an, wenn man mal aus einer Blase herauskommt oder wenn so viele unterschiedliche Leute in deine Stadt kommen.


Themawechsel. Nach acht Jahren seid Ihr als Band wieder zusammenkommen, um eine neues Album zu veröffentlichen. Was brachte Euch dazu wieder gemeinsam zu arbeiten?
James: Naja, wir haben alle andere Wege eingeschlagen, normale Jobs gemacht, Familien gegründet, studiert, etc... Also eigentlich das echte Lebe gelebt, während das hier alles passiert ist. Wir haben wieder angefangen ein bisschen rumzuspielen und hatten in der Zwischenzeit auch ein paar gemeinsame Auftritte. Es hat sich einfach richtig angefühlt, wieder etwas zusammen zu machen.

Matt: Wir haben uns gedacht, wir schauen was passiert und wenn es scheiße ist, machen wir es nicht. Aber wir waren zufrieden mit den Sachen, die entstanden sind und haben entschlossen, weiter zu machen.

James: Wir haben einige tolle Leute beim neuen Record Label und alles ging ganz schnell, weil alles zur richtigen Zeit zusammengekommen ist. Also dachten wir: „Super, das funktioniert! Lasst uns das machen!“

Als Musiker / als Band habt Ihr ja einen gewissen Grad an Beruühmtheit erreicht, was gleichzeitig bedeutet, dass Ihr eine Plattform geschaffen habt. Habt Ihr das Gefühl eine Verantwortung gegenüber Euren Fans zu haben? Vielleicht eine Art Verpflichtung für die richtigen Dinge einzustehen und eine Message zu senden?
Matt: Ich glaube im Songwriting ist es einfach wichtig, ehrlich zu dir selbst zu sein. Wenn ich eine Plattform bekommen, wie zum Beispiel durch Interviews o.ä. werde ich nicht einfach von mir aus die Dinge, die mir wichtig sind ansprechen. Aber wenn danach gefragt wird, schrecke ich auch nicht davor zurück darauf einzugehen. Teil der Verantwortung ist, ehrlich zu sein – wir sind alle fehlerbehaftete Menschen, ich bin bei weitem nicht perfekt, keiner ist es – ehrlich damit umzugehen und es auch zu normalisieren. Ich habe diese Plattform und versuche Emotionen und Probleme zu normalisieren. Jeder hat Probleme und Ängste. Man darf nur einfach kein Idiot sein deswegen. Die Verantwortung liegt darin eine anständige Person zu sein, was man ohnehin sein sollte.

James: Eine solche Plattform, die wir geboten bekommen, kommt immer mit einer Verantwortung. Wir leben in einer Zeit, in der wir hinter unseren Telefonen versteckt, die gemeinsten Dinge über andere Leute sagen können, ohne die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen oder dafür büßen zu müssen!


An welcher Stelle überschneiden sich der FC St. Pauli und The Get Up Kids?
Matt: Da draußen steht: Kein Mensch ist illegal. Es gibt einen Song auf dem Album, der heißt „The Advocate“ und handelt von mir als akzeptierender Vater und Person. Der Song ist wie ein Brief an meine Kinder, der ihnen
sagt: egal wer du bist und was du bist, ich werde dich immer lieben. Egal, ob du schwul oder trans oder – naja, mir wäre es lieber du wärst kein Republikaner – aber sei einfach wer du sein möchtest. Ohne bisher darüber nachgedacht zu haben, glaube ich, wollte ich diesen Spirit von St. Pauli mit seiner ganzen Inklusion usw... mit diesem Song ausdrücken. Die Zeile geht: „Die Arme um dich legen, wer auch immer du sein magst.“


Ihr werdet als Emo Band bezeichnet und alle Eure Lyrics gehen mehr oder weniger und negative Emotionen. Welchen Effekt hat das auf Eure Musik und das was Ihr damit sagen wollt?
Matt: Ich habe mich damit arrangiert, dass sich Emo Bands vor allem durch den Inhalt der Lyrics von anderen punk rock Bands unterscheiden. Es scheint nicht so sehr ein anderes Genre im Sinne des Musikstils zu sein. Alles was wir immer hatten, war unsere Authentizität. Das war und ist wirklich das, was wir immer aufrecht erhalten haben und wir konnten unsere Musik nicht faken! Wenn wir nicht miteinander ausgekommen sind, haben wir haben wir schlecht gespielt.

Heißt das, dass Eure Musik eine Art Ventil für Euch ist? Hilft es Euch? Von negativen Gedanken loszulassen und dadurch glücklicher zu werden – das ist doch gut, oder?
Matt: Es ist keine eins zu eins Übertragung. Es ist nicht so, dass ich Dinge in einen Song verpacke und auf einmal ist der Stress weg oder so. Es geht nicht so sehr um meine Therapie, sondern darum es einfach nach außen zu tragen, so dass es dort existiert und man es adressieren kann. Das ist der Teil, der mir hilft.

James: Das ist der ganze Sinn dahinter! Mir gefällt es, dass Dinge auch zurückkommen und dass es anderen Leuten geholfen hat. Für mich war es schon immer das Beste, das von Fans zurückzubekommen. Wenn sie zu mir kommen und sagen, sie konnten sich damit identifizieren und es hat ihnen geholfen über dies und das hinwegzukommen - das ist besser als bezahlt zu werden! Das ist das, was wichtig ist! Mit St. Pauli fühlt es sich genauso an. Es geht um nichts anderes als Werte und füreinander da zu sein!

 

 

Fotos: Ben Wessler

 

 

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