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Tore, Tränen, tolle Momente - Kalla mit emotionalem Abschied

Er hat den gebührenden Abschied bekommen, den er sich verdient hat. Jan-Philipp "Schnecke" Kalla streifte sich ein letztes Mal das FC St. Pauli-Trikot über. Bei seinem Abschiedsspiel am Sonnabend (25.3.) wurde unser "Fußballgott" im Millerntor-Stadion vor 10.367 Zuschauer*innen emotional unter Tränen verabschiedet. Danke, Schnecke!

Genau 1008 Tage ist es her, als unser Jan-Philipp "Schnecke" Kalla letztmals die Fußballschuhe am Millerntor schnürte. Damals war es an jenem 21. Juni 2020 ein 1:1 gegen Jahn Regensburg vor leeren Rängen - das sollte sich trotz Hamburger 'Schietwetter' zweieinhalb Jahre später definitiv ändern, als unser "Fußballgott" seinen gebührenden Abschied in seinem alten Wohnzimmer mit vielen alten Weggefährten bekam.

Bevor der Ball rollte, wurde es bereits eine halbe Stunde vor dem Anpfiff schon richtig emotional. Hier wurden sechs Ex-Kiezkicker mit Blumensträußen und tosendem Applaus geehrt. Tore Reginiussen, Robin Himmelmann, Marvin Knoll, Henk Veerman, Johannes Flum und Korbinian Müller bekamen nachträglich den verdienten Abschied, der ihnen aufgrund der Corona-Pandemie vor leeren Rängen verwehrt blieb. Erstmals hallte hier "You'll never walk alone" durch das Millerntor-Stadion - ein erster Gänsehaut-Moment.

Christiane Hollander (Vizepräsidentin), Johannes Flum, Korbinian Müller, Henk Veerman, Marvin Knoll, Oke Göttlich (Präsident), Robin Himmelmann und Tore Reginiussen (v.l.)

Christiane Hollander (Vizepräsidentin), Johannes Flum, Korbinian Müller, Henk Veerman, Marvin Knoll, Oke Göttlich (Präsident), Robin Himmelmann und Tore Reginiussen (v.l.)

Dann ertönten noch einmal extra für Schnecke die Glocken von Hells Bells und beide Teams, aufgeteilt in Team alt und Team jung, liefen bei wunderbarer Atmosphäre ein. Nach einem gemeinsamen Foto am Mittelkreis kamen die FCSP-Fans in den Genuss, ehemalige Kiezkicker noch einmal gegen das runde Leder treten zu sehen. Den Torreihen eröffnete für das Team alt Max Kruse in der achten Minute, als er frei vor Keeper Robin Himmelmann ganz abgezockt aus kurzer Distanz ins linke Toreck schlenzte. „Es hat auf jeden Fall richtig Bock gemacht, mal wieder auf dem Rasen zu stehen. Schnecke ist eine Legende und er hat den Abschied bekommen, den er verdient hat“, betonte Kruse. Jeder Seitenwechsel, jede Ballstafette und jede Kombination wurde frenetisch vom Publikum gefeiert, genauso wie Ewald Lienen. Der Trainer des jungen Teams verspätete sich bei seiner Ankunft und sah vom Schiedsrichter Tarek Khemiri dafür die Gelbe Karte. Die Szene endete mit einer liebevollen Umarmung.

Ewald kam gerade rechtzeitig, um Fabian Bolls sehenswerten Treffer für Team alt zu bestaunen. Aus gut 20 Metern zog "Boller" einfach mal ab, die Kugel schlug am regungslosen Himmelmann vorbei ins Tor (18.). Einer, der zu seiner aktiven Zeit als FCSP-Profi auch eher Abräumer als Goalgetter war, ist Timo Schultz. Bei Schneckes Abschied reihte sich der Ex-Cheftrainer der Kiezkicker mit einem Flatterball außerhalb des Strafraums in die Torschützenliste ein - das 3:0 für Team alt (24.). Während der ersten Hälfte schüttete es dann wie aus Eimern, klar durfte da auch die Jan-Philipp "Schnecke" Kalla Gedächtnis-Grätsche nicht fehlen - fair und dennoch mit Szenenapplaus honoriert.

Auf der Gegenseite kam dann Team jung in Torlaune. Zunächst vernaschte Rouwen Hennings, aktuell noch bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf aktiv, Matze Hain im Kasten beim Elfmeter (24.). Hauke Brückner, im Team alt, früher FCSP-Abräumer im legendären "Bokal-Team" 2005/06, heute in der Medienabteilung unseres Vereins tätig, forderte auf der Bank mit aktiven Handbewegungen den VAR, doch der Kölner Keller blieb stumm. Acht Zeigerumdrehungen später verkürzte Henk Veerman auf 2:3 (36.) und vollendete kurz darauf per Kopf zum 3:3-Zwischenstand (39.). Der hielt nur kurz an, als Sohnemann Leo von Jan-Philipp Kalla eingewechselt wurde und mit einem herrlichen Sololauf zum 4:3 (41.) einnetzte. „Ich weiß nicht, von wem er das hat. Aber das macht er auf jeden Fall gut“, grinste Papa Kalla. Dann wurde es ganz still im Millerntor-Stadion, weil unser Blindenfußballer Serdal Celebi das Spielfeld betrat. Der deutsche Meister unserer Abteilung traf für Team jung zum 4:4-Halbzeitstand und ließ sich zurecht für seinen Torerfolg von den Fans feiern.

 

In der Halbzeitpause blitzte dann die Sonne über den Dächern des Millerntors hervor und ein strahlender Regenbogen war von den Rängen aus zu bewundern. Passend zum Motto 'All Kallas are beautiful', wie sollte es auch anders sein. Fußballerisch machte erneut Kallas Sohn Leo auf sich aufmerksam und vollendete in der 52. Minute einen Angriff für Team alt zum 5:4. Auf der Gegenseite ging nach einer Volleyabnahme von Henk Veerman ein Raunen durchs Stadion, doch der Ball landete auf dem Tornetz. Unvergessen natürlich sein Derby-Tor im Hamburger Volkspark beim 2:0-Sieg aus dem Jahr 2020. 

Immer wieder wurden von den Tribünen muntere Lieder angestimmt - ob 'Aux Armes' oder 'Ich liebe dich, ich träum von dir', die Stimmung bei den 10.367 Zuschauer*innen war prächtig. Den erneuten Ausgleich für Team jung erzielte Rouwen Hennings (67.) und dann betrat er, unser "Fußballgott", Schnecke Kalla im zweiten Durchgang das Feld und netzte prompt zum 6:5 für Team alt ein (69.). Nur sechs Zeigerumdrehungen später durfte sich Schnecke erneut feiern lassen, als er zum 7:5 einen Handelfmeter in die Tormitte schoss. Kurz darauf wurde es sehr emotional, denn dann nahm das Millerntor Abschied von Schnecke Kalla, unserem "Fußballgott", der unter tosendem Applaus ein letztes Mal ausgewechselt wurde und von FCSP-Präsident Oke Göttlich mit einem Blumenstrauß und einem Ring geehrt wurde. "You'll never walk alone" hallte es von den Rängen und bei Kalla kullerten die ersten Tränen.

Für Papa Kalla kam Sohn Leo, der seinen dritten Treffer des Tages zum 8:5 erzielte (83.). Kurz darauf ging es Schlag auf Schlag. Nur zwei Minuten später besorgte Johannes Flum für Team jung das 6:8 - gefolgt von Leos viertem Treffer und dem 9:6 (86.). Der junge Knipser hatte aber noch nicht genug und stellte mit dem 10:6 auf ein zweistelliges Ergebnis her (90.). „Ich freue mich sehr, dass wir bei diesem Rahmen auch die Bühne nutzen konnten, gemeinsam auf dem Platz zu stehen“, erklärte ein ein stolzer Papa Kalla. Den Schlusspunkt setzte mit dem Abpfiff Marius Ebbers und dem 11:6 für Team alt. 

Es folgte nach Schlusspfiff die große Abschiedstour auf dem heiligen Rasen des Millerntors von Schnecke Kalla - mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Fans den Abräumer. Auch der Hamburger Himmel weinte symbolisch. „Ich freue mich tierisch, dass das Event so stattfinden konnte und sich so viele Menschen auf den Weg hierher gemacht haben trotz des Wetters. Abschiedsspiele sind auch nicht mehr so selbstverständlich und für dieses Event so eine tolle Kulisse zu haben, das ist etwas ganz Besonderes“, zeigte sich Kalla nach der Partie emotional. Auch wir sagen noch einmal danke, lieber Schnecke! 

 

You'll never walk alone!

 

Team Alt

Heerwagen, Hain - Trulsen, Lechner, Joy, Morena, Brückner, Daube, Ebbers, Kruse, Gunesch, Schultz, Kingman, Boll, Bourgault, Jubel, Sako, Kalla, Leo

Trainer: Andreas Bergmann

 

Team Jung

Müller, Himmelmann, Schenk - Knoll, Nehrig, Theissen, Celebi, Schoppenhauer, Hornschuh, Goldbaek, Becker, Flum, Veerman, Gonther, Kalla, Hennings, Eden, Park, Pomorin

Trainer: Ewald Lienen

 

Tore: 1:0 Kruse (8.), 2:0 Boll (18.), 3:0 Schultz (24.), 3:1 Hennings (28./HE), 3:2 Veerman (36.), 3:3 Veerman (40.), 4:3 Leo (41.), 4:4 Celebi (44.), 5:4 Leo (53.), 5:5 Hennings (67.), 6:5 Kalla (69.), 7:5 Kalla (75./HE), 8:5 Leo (83.), 8:6 Flum (85.), 9:6 Leo (86.), 10:6 Leo (90.), 11:6 Ebbers (90.+1)

Schiedsrichter: Tarek Khemiri (Hamburg)

Fans: 10.367

 

(ch)

Fotos: Witters

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