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"Wir konnten uns wieder auf die Solidarität unserer Mitglieder, Fans und Partner verlassen"

Am Mittwochabend (1.12.) nahm sich Präsident Oke Göttlich bei der zweiten ordentlichen Mitgliederversammlung in diesem Jahr sehr viel Zeit, um auf das vergangene, Corona-bedingt erneut turbulente Jahr zurückzublicken. Wie gewohnt widmete sich Göttlich im Namen des Präsidiums, das etwas später mit deutlicher Mehrheit für das vergangene Geschäftsjahr von der Mitgliederversammlung entlastet wurde, in seiner Rede den verschiedenen Bereichen im Verein.

Zunächst blickte Oke Göttlich auf "für den Verein und die Gesellschaft sehr schwere und aufreibende Monate" zurück und erklärte, dass die weiterhin andauernde pandemische Lage für uns als Präsidium, in Zusammarbeit mit den anderen Gremien des Vereins und allen Mitarbeiter*innen des FC St. Pauli, weiterhin "ein Arbeiten am Limit mit enormen Herausforderungen, wenig Planbarkeit, eine hohe Flexibilität und vielen Unwägbarkeiten" mit sich bringen wird. Trotz der enormen Einnahmeverluste sei stehe der Verein aber auf "festen Füßen". Durch hohen Einsatz und Engagement, eine große Solidarität von Fans und Partnern, konsequente Kosteneinsparungen und dem Credo des vernünftigen Wirtschaftens habe es der Verein geschafft, bislang durch diese schwere Zeit zu kommen. "Dafür gebührt auch unseren Vorgängern im Präsidium ein großes Dankeschön. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an die Kolleg*innen aus der Geschäftsleitung für ihre unermüdliche und hervorragende Arbeit. Ebenso müssen wir uns bei unseren Mitarbeiter*innen, unseren Partnern und natürlich bei Euch, unseren Mitgliedern bedanken. Danke für Eure Solidarität, Euren Verzicht und Euer Vertrauen", beendete Göttlich seine einleitende Worte.

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Erst einmal stellte Göttlich fest, dass der Verein trotz enormer Einnahmeverluste, die der FC St. Pauli durch die diversen Einschränkungen der Pandemie erleiden mussten, "auf festen Füßen" steht. "Durch hohen Einsatz und Engagement, eine große Solidarität von Fans und Partnern, konsequente Kosteneinsparungen und unserem Credo des vernünftigen Wirtschaftens haben wir es geschafft, den FC St. Pauli bis hier her durch diese schwere Zeit zu führen", erklärte unser Präsident, der aber betonte, dass der Verein in der schwersten Krise der Vereinsgeschichte mit unklaren finanziellen Verhältnissen stehe. Dies sei bei allen berechtigten Wünschen, Anträgen und Forderungen nach Entwicklung und Verbesserungen, die finanzielle Auswirkungen haben, zu bedenken. "Hier müssen wir Anspruch und Realität leider immer wieder bei allem Drang nach Investitionen abwägen. Und vergesst bitte nicht: Wir sind der Fußballverein St. Pauli von 1910. Es ist der Fußball und der Profisport, der uns finanziell die Möglichkeiten gibt, ein großer sozialgesellschaftlicher Akteur und Arbeitgeber im Stadtteil zu sein. Deshalb gibt es zwei und immer wieder bewegende Ziele: Die Finanzierung unseres im Namen verankerten Kernzwecks bei gleichzeitiger Anstrengung mitten in einer finanzzehrenden Pandemie die Anzahl der Arbeitsplätze zu sichern."

Unser Präsident dankte allen Kolleg*innen aus der Geschäftsleitung und allen Mitarbeiter*innen für "ihre unermüdliche und hervorragende Arbeit", allen Partnern und natürlich allen Mitgliedern. "Danke für Eure Solidarität, Euren Verzicht und Euer Vertrauen." Es sei nicht die Zeit, um sich zurückzulehnen, führte Göttlich fort. "Der FC St. Pauli hat in den vergangenen Jahren teilweise schmerzhaft gelernt, wie wichtig es ist, sich selbst permanent auch mit unangenehmen Thesen zu hinterfragen. Dies ist ein wichtiger Motor unseres Handelns, den wir bitte nicht aufgeben. In der Kabine genauso wie in der Geschäftsstelle. Nur mit einer guten und richtigen Diskussionskultur und einem gegenseitigen Zuhören abseits von Einzelinteressen werden wir alle dem Verein gerecht. Ich bitte alle Verantwortlichen, Beteiligten und Mitglieder um diese Perspektive in ihrem täglichen Handeln", so Göttlich, der sich bei seinen rückenstärkenden Präsidiums-Kolleg*innen Christiane Hollander, Esin Rager, Jochen Winand und Carsten Höltkemeyer bedankte.

Ein Dank verteilte er auch an den Aufsichtsrat für das Vertrauen, das Präsidium erneut für die kommenden Jahre vorzuschlagen. "Lasst uns als Gremien dieses wunderbaren Vereins weiter Kontinuität und Zusammenhalt prägen. Nur so können wir allen Zweifler*innen zeigen, dass ein mitgliedergeführter Verein mit all seinen selbstbeschränkenden Umständen wie zum Beispiel die volle Haftungsverantwortung in einem unbezahlten Ehrenamt bei gleichzeitigen normalen Berufsverpflichtungen, erfolgreich und professionell sein kann."

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Lizenz / NLZ

Anschließend blickte unser Göttlich auf die Lizenzmannschaft und das Nachwuchsleistungszentrum. Dabei lobte er ausdrücklich die Arbeit von Sportchef Andreas Bornemann und Cheftrainer Timo Schultz für die "tolle Arbeit" und bedankte sich bei der Mannschaft, die mit ihrer "Art und Weise begeistert" hat. "Wir waren zu jeder Sekunde überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den Turnaround schaffen und auch in der aktuellen Saison mit vielen tollen Spielen an die erfolgreiche Rückrunde anknüpfen können", so Göttlich, der betonte, dass trotz der schwierigen Phase vor einem Jahr mit dem vorletzten Platz am Weg festgehalten, sich weiter inhaltlich hinterfragt und unnachgiebig diskutiert wurde und auch unpopuläre Entscheidungen getroffen wurden. Ein wichtiger Baustein für die Zukunft sei die Infrastruktur. Hier befinde sich der Verein in Gesprächen mit der Politik und den Behörden. "Wir sind sehr positiv gestimmt und hoffnungsvoll, aber ich sage auch sehr deutlich in Richtung der Verantwortungsträger*innen in dieser Stadt, dass dieses Thema essenziell ist, damit wir als FC St. Pauli auch mittel- bis langfristig in den Bundesligen bestehen können."

Das Jahr sei nicht spurlos am Nachwuchsleistungszentrum, in dem die Ausbildung der Nachwuchsspieler weiterhin im Vordergrund steht, vorbeigegangen, wie unser Präsident anschließend feststellte. Nach dem Abgang des bisherigen NLZ-Leiters Roger Stilz habe man sich inahltlich und strukturell neu ausgerichtet. Stilz-Nachfolger Benjamin Liedtke sei ein gutes Beispiel dafür, "dass wir im Verein gute Leute ausbilden wollen, ihnen einen Weg aufzeigen und schlussendlich auch die Chance geben, Verantwortung zu übernehmen." Bei der Ausbildung der Talente sei auch das Wie sehr wichtig. "Wir möchten unsere Spieler zu Höchstleistungen führen, mit ihnen aber auch die St. Pauli Werte leben", betonte Göttlich. In enger Abstimmung zwischen Andreas Bornemann, Benjamin Liedtke und dem zukünftigen NLZ-Leiter Fabian Seeger sollen die Übergänge für die Spieler bestmöglich gestaltet werden. "Strukturell haben wir deshalb die U23 zu einer wirklichen Übergangsmannschaft gestaltet, die nun deutlich enger an die Lizenzabteilung angebunden ist", so Göttlich, der sich bei der Abteilung fördende Mitglieder (AFM) für die finanzielle Unterstützung der Nachwuchsarbeitarbeit bedankte.

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Wirtschaft / pandemische Situation

Die Pandemie, das betonte Göttlich zunächst, bedeute für alle Mitarbeiter*innen im Verein "eine wahnsinnig große Kraftanstrengung". Ständige Unwägbarkeiten und immer wieder wechselnde Bedingungen haben die Belegschaft ans Limit gebracht. "Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem auch bei Daniel Bierhoff und seinem Ticketteam, bei Tjark Röhrs und seinem Eventteam, Kolja Dickmann sowie bei Sven Brux bedanken. Sie waren maßgeblich an der Ausarbeitung und den ständigen Anpassungen des Hygienekonzepts beteiligt und das zusätzlich zu ihren ohnehin schon umfangreichen Aufgaben", so unser Präsident, der auch der medizinischen Abteilung, die ein hervorragendes medizinisches Konzept erarbeitet hat, und bei den Spielern, die sich an alle Vorgaben halten, um den Spielbetrieb zu ermöglichen, bedankte.

"Wenn wir eines aus der Pandemie mitnehmen können, dann dass wir uns in dynamischen Verhältnissen und Veränderungsprozessen auf unseren Mut, die soziale und wirtschaftliche Solidarität und die tatkräftige Herangehensweise des FCSP verlassen können", betonte Göttlich, der mit Blick auf die Vermarktung feststellen konnte, dass in diesem Jahr unheimlich viel geschafft wurde. So konnten die Kompensationsforderungen der Partner des Vereins durch einen gemeinsamen Kraftakt sehr stark reduziert werden. Möglich wurde das vor allem durch noch engere Verzahnung des Sports mit der Vermarktung. "Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an den Sport und Bernd von Geldern mit seinem Team."

Trotz einer pandemischen Lage und der daraus resultierdeen weiterhin großen Ungewissheit habe der Verein im Sommer zahlreiche Partner-Verträge verlängern können. "Herauszustellen ist mit Sicherheit die zehnjährige Vertragsverlängerung von ASTRA bis 2031. Ein klares Commitment zum FC St. Pauli und dem eingeschlagenen Weg. Ebenfalls vom FC St. Pauli begeistern konnten wir die Tomorrow Bank, eine der nachhaltigsten Banken auf dem Markt. Auch der Sprung von LichtBlick als dem Ökostrom-Pionier in Deutschland auf die zweithöchste Partner-Ebene ist ein deutliches Zeichen und macht uns stolz", so Göttlich, der zudem die neue Partnerschaft mit Followfood ankündigte. "Followfood ist nicht nur ein Lebensmittelunternehmen, sondern eine Haltung und wir sind sehr froh, dass wir gemeinsam einen Beitrag zu nachhaltigerem Essen und zur Vermeidung von Essensresten, auch im eigenen Catering, leisten können."

In guten Gesprächen stehe der Verein zudem mit Hauptsponsor congstar, der für "eine klare Haltung und für unsere Werte" steht, wie die gemeinsame Kampagne 'Kein Platz für Rassismus' gezeigt habe. "Hier haben wir gemeinsam mit Fans, Mitgliedern, Aktivist*innen und Nicht-Regierungs-Organisationen klare Kante gegen Rechts gezeigt und führen das aktuell zum Thema Toleranz weiter." Auch hier sei der FC St. Pauli laut Göttlich einer der Pioniere im deutschen Sportgeschäft. "Ein Verein, der gemeinsam mit seinen Partnern gemeinsam abgestimmte gesellschaftliche Botschaften produziert, anstatt einfach nur Geld gegen Bande zu kassieren. Uns ist das eine Herzens- und Haltungssache."

Die im Sommer durchgeführte Neustrukturierung der Abteilung Vermarktung soll dafür sorgen, dass alle Prozessschritte von der Partnergewinnung bis zur Betreuung und dem Ausbau von Kooperationen aus einer Abteilung abgebildet werden. "Dies wird dazu führen, dass wir zukünftig noch mehr von den richtigen Partnern finden und diese noch enger an uns binden", so unser Präsident, der zudem noch die "tolle Teamleistung" des eFootball-Teams mit dem Gewinn der Deutschen Vizemeisterschaft lobte und mit Blick in die Zukunft eine neue Vermarktungsstrategie erwähnte, die ab dem neuen Jahr gelten und dem Verein Orientierung für die Zukunft geben soll.

Merchandising

"DIIY - alles muss man selber machen - lohnt sich das?", so Göttlich, der klarstellte: "Wir sagen ja: DIIY ist für uns mehr als nur ein finanzieller Business-Case. Es geht darum, das Richtige zu tun und auch als Vorreiter für eine umweltbewusste Trikotproduktion aufzutreten." DIIY habe viele Vorteile und so merke man bereits jetzt, dass durch den Vorstoß viele neue Geschäftspartner Interesse am FC St. Pauli haben und es "neue Türen für die Zukunft" öffnet. Dabei zeigten die aktuellen Verkaufszahlen, sowie die Entwicklung, dass der DIIY-Case im Plan liege und auch dem Vergleich mit dem Under-Armour-Deal standhalte. So wurden bereits über 20.000 DIIY-Trikots verkauft, im gleichen Zeitraum waren es nur deren 10.000 Under-Armour-Trikots. "Es gibt eine große Akzeptanz bei den Profis und Fans – was uns freut und natürlich nochmal bestärkt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben", so Göttlich, der sich nicht nur über die Entwicklung bei DIIY, sondern sich auch zufrieden mit den Umsatzzahlen beim Merchandising angesichts einer 20-prozentigen Umsteigerung freute.

Mit dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit führte Göttlich fort. Als weltweit bislang einziger Profifußballverein sei der FC St. Pauli Mitglied bei Fair Wear, der Initiative mit den höchsten Standards in Sachen faire Produktion von Kleidung. Es gehe darum, Nachhaltigkeit noch konsequenter umzusetzen. Schritt für Schritt. "Können wir etwas noch besser machen für die beteiligten Menschen, für die Umwelt und für den Verein, dann machen wir das. Einer dieser Schritte ist die Mitgliedschaft bei Fair Wear." Den FC St. Pauli bezeichnete unser Präsident als "gewachsene Wertegemeinschaft aller Akteure aus Mitgliedern, Fans, Gremienmitgliedern, Mitarbeitenden, Sportreibenden, Fußballprofis und vielen mehr. "Dabei haben wir alle zusammen etwas ganz Besonderes geschafft: Der FC St. Pauli wird um seiner selbst willen gemocht, weil er eine Haltung hat, weil er für Werte einsteht und weil ihm glaubhaft abgenommen wird, dass der FC St. Pauli ehrlich darum ringt, das Richtige zu tun. Lasst es uns weiter gemeinsam anpacken", so Göttlich, der die Entwicklung der Rabauken und der Fußballschulen als "erfreulich" bezeichnete.

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Finanzen

Bereits im letzten Jahr hatte Göttlichen von großen Herausforderungen für die Saison 2020/21 gesprochen, der Verein hatte sich drei klare Ziele gesetzt. Die Krise gemeinsam überstehen und möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen, die Wettbewerbsfähigkeit der ersten Mannschaft nicht einschränken sowie die wirtschaftliche Eigenständigkeit behalten. "Heute können wir feststellen, dass wir alle Ziele erreicht haben und das trotz eines Geschäftsjahres, in dem wir fast keine Fans im Stadion begrüßen durften, fast kein Event in unseren Ballsälen stattgefunden hat, das Clubheim fast durchgehend geschlossen bleiben musste, unsere Fanshops monatelang geschlossen waren, bzw. starken Beschränkungen unterlagen und unsere Fußballschule ebenfalls nur stark eingeschränkt agieren konnte", so Göttlich, der anschließend einen Konzernverlust für das vergangene Geschäftsjahr in Höhe von 5,75 Mio. Euro verkündete. "Das klingt dramatisch und ist auch sehr schmerzhaft für uns alle. Wenn man bedenkt, dass wir Corona-bedingt über 22 Mio. Euro Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, relativiert sich das Ergebnis jedoch."

"Wir konnten uns wieder auf die Solidarität unserer Mitglieder, Fans und Partner verlassen. Viele haben auf ihre Erstattungsansprüche verzichtet. Auch die Spieler und leitenden Angestellten trugen wieder ihren Anteil mit freiwilligen Gehaltsverzichten zur Milderung der Folgen der Pandemie bei. Dafür möchte ich allen meinen zutiefst empfundenen Dank aussprechen. Ohne Euch würde der Verein ganz anders dastehen", so Göttlich, der den Mitglieder mit Blick auf die finanzielle Situation anschließend versicherte, dass sie sicher sein können, dass "der Verein jeden Stein umdreht, um möglichst gut durch die Pandemie zu kommen".

Der Verein befinde sich in einer weiteren wirtschaftlich schwierigen Saison, in der erneut Verluste in Millionenhöhe zu erwarten sind. "Die pandemische Lage ist unübersichtlich und nicht vorhersehbar. Uns bleibt nur eins: Wir bleiben im Krisenmodus, minimieren unsere Kosten und sorgen für ausreichend Liquidität, für den Fall, dass die Lage wieder schlimmer wird als sie jetzt schon ist. Die gute Nachricht ist, auch wenn es sehr weh tut, wir werden mit erhobenem Kopf und klarer Haltung durch die Pandemie gehen."

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Kollegium / Organisation

Hier betonte Göttlich zunächst, dass der Verein die Verantwortung für nahezu 600 Mitarbeiter*innen trage und alles dafür getan werde, um alle Beschäftigten und Partner bestmöglich zu schützen. "Wir wollen den größtmöglichen Schutz unserer Kolleg*innen und freuen uns sehr zu sehen, dass eine hohe Impfbereitschaft bei uns besteht", freute sich unsere Präsident. Seit März seien alle Mitarbeiter*innen aus der Kurzzeit heraus und arbeiten wieder unter Volllast in sich stetig ändernden Umständen. Dabei habe man eine Belastung der Mitarbeiter*innen sowohl im Berufs- als auch im Privatlleben beobachtet, eine anonyme Anlaufstelle für Mitarbeiter*innen und deren Angehörige eingerichtet, die Kolleg*innen in Not unterstützt. "Dies haben wir zusätzlich zu den schon stattfindenden innerbetrieblichen Maßnahmen getan, um eine allumfassende Unterstützung in der Corona-Krise anzubieten." Anschließend richtete Göttlich direkt Worte an alle Beschäftigten. "Ihr leistet alle Besonderes für diesen Verein. Wir wissen, wie anstrengend die aktuellen Umstände und die Unsicherheit der pandemischen Lage sind. Lasst uns weiterhin als Team den FCSP gestalten. Egal ob Festangestellte, Mini-Jobber*innen, geringfügig Angestellte oder FSJ'ler*innen. Danke für Eure Anstrengungen und Eure Mühen der letzten Monate und in der aktuellen Herausforderung!"

Auch auf der Ebene der Geschäftsleitung habe sich der Verein der Weiterentwicklung verschrieben und klarere inhaltliche und personelle Strukturen geschaffen. Die Herausforderungen und Themen im Geschäft Profifußball werden zunehmend komplexer und dem tragen wir mit diesen Änderungen Rechnung. So wurden die verschiedenen Aufgabenfelder deutlicher konturiert. Mit Blick auf den sogenannten "Quotenantrag" aus dem Jahr 2019 berichtete Göttlich: "Wir haben bereits die Satzungsänderungen für die Gremien im FC St. Pauli besprochen und beschlossen. Der angenommene Antrag beinhaltete jedoch auch eine Prüfung einer möglichen Quotierung auf Führungsebene. Dazu haben wir 2020 eine bereichsübergreifende Steuerungsgruppe mit Kolleg*innen ins Leben gerufen. Unser Wunsch ist es, ohne eine feste Quotierung für eine geschlechterparitätische Besetzung der Geschäftsleitung auszukommen. Priorität hat, eine Umgebung für alle Mitarbeitenden zu schaffen, die auf allen Ebenen vielfältige und geschlechtergerechte Bedingungen und Beteiligungsmöglichkeiten schafft." Durch die Auswirkungen der Pandemie hätten sich viele Dinge verzögert oder sie brauchten in der fachlichen Auseinandersetzung mehr Zeit als gedacht. Unser Präsident betonte: "Eines steht jedoch fest: Sowohl das Präsidium als auch die Geschäftsleitung unterstützt diesen Prozess und damit auch den Antrag. Denn gerade die Punkte Vielfalt und Inklusion sind wesentliche Aspekte unserer Reise zu mehr Nachhaltigkeit. Wir sind und bleiben ein Verein für alle, ob in unseren Abteilungen oder innerhalb von Arbeitsverhältnissen."

CSR / Nachhaltigkeit

Zum Thema Nachhaltigkeit stelle Göttlich zunächst fest, dass dieses auch im gesamten Deutschen Fußball an Fahrt aufgenommen hat: "Beginnend mit unserem Positionspapier, den Stellungnahmen von Zukunft Profifußball, den Taskforce-Prozessen innerhalb der DFL und der nun stattfindenden Diskussion über das Thema in der DFL selbst. Wir können konstatieren, dass wir eine große Bewegung und Aktivität sehen, wenn wir die ökonomische, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit im deutschen Profifußball betrachten."

Auch beim FC St. Pauli habe das Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert, mit der bei der vergangenen Mitgliederversammlung zur Vizepräsidentin gewählten Esin Rager habe der Verein laut Göttlich eine "ausgewiesene Expertin" dazugewonnen, sie hat das Thema gemeinsam mit CSR-Geschäftsleiter Michael Thomsen weiterentwickelt. Bereits im Herbst 2020 habe der Verein mit der strukturierten Auseinandersetzung mit dem Thema begonnen, ausgehend von der sustainclub-Analyse. "Gemeinsam mit 51 Menschen aus den Bereichen Fans, Mitglieder und hauptamtlich Beschäftigten haben wir uns mit allen Fragestellungen und Anforderungen in den drei Nachhaltigkeitsbereichen befasst, die wir nun in alle Bereiche des FC St. Pauli geben können, um daraus eine Gesamtstrategie des Vereins zu erarbeiten. Übergeordnetes Ziel ist es, eine Klimafreundlichkeit herzustellen. Dafür prüft der Verein die Grundlagen und die Umsetzbarkeit, bis wann der Verein sein Ziel erreichen kann", erklärte Göttlich.

In der Folge betonte Göttlich, dass es keine Zeit zu verlieren gibt, die Auswirkungen des Klimawandels und die dringend gebotene Handlungsfähigkeit für die zukünftigen Generationen seien hinlänglich bekannt. "Wir alle müssen jetzt handeln, auch wir als FC St. Pauli. An dieser Stelle betonen wir ausdrücklich, dass der Erfolg unseres Fußballteams dadurch nicht beschnitten wird. Im Gegenteil. Es werden sich Effekte im Bereich Sponsoring und Kostenersparnissen zeigen, die dem sportlichen Bereich helfen werden. Denn wir glauben daran: 'Ein anderer Fußball ist möglich'."

Nachhaltigkeit werde laut Göttlich auch in Zukunft im Lizenzierungsverfahren der DFL eine gewichtige Rolle spielen. Hierzu betonte unser Präsident: "Wir wollen als mitgliedergeführter Verein das bestmögliche Ergebnis erzielen und den vermeintlichen Vorsprung anderer Vereine mit unseren Werten und unserer Club-DNA aufholen und übertreffen. Dafür braucht es uns alle. Wir sind ein Verein, der stets darum kämpft, dass wir in unserem Handeln, vom administrativen Bereich bis hinein in die einzelnen Abteilungen, die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft berücksichtigen. Dies und mehr wollen wir zukünftig auch darstellen. Das bedeutet, dass der Verein zukünftig eine Gemeinwohlbilanz erarbeiten wird. Wir werden somit Teil einer internationalen Bewegung von Unternehmen, Kommunen und anderen Organisationen sein, die sich dafür einsetzen, dass ethisches Wirtschaften möglich, erfolgreich und dringend geboten ist. Diese Gemeinwohlbilanz wird als Nachhaltigkeitsbericht ihren Platz neben unserer klassischen Bilanz und der GuV einnehmen."

So sollen über die nächsten Jahre vergleichbare Werte ermittelt werden, die zeigen, wo der Verein steht und wo er sich verbessern muss. "Transparent und authentisch, ohne Greenwashing, und deshalb unabhängig und extern auditiert", so Göttlich. Der Erfolg von DIIY habe sowohl in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht gezeigt, dass es möglich ist, Wirtschaft und Nachhaltigkeit zusammen zu denken. "Dieser Impuls kam von Euch im Jahr 2016 und wurde um die Menschen rund um unser Merchandising immer weiter professionalisiert und vorangetrieben", so Göttlich, der die Ziele als "ambitioniert" bezeichnete und dabei noch mal auf die Pandemie und die unruhigen Fahrwasser hinwies.

Erfreuliche Fortschritte konnte unsere Präsident mit Blick auf die Bereiche Inklusion und barrierefreie Kommunikation vermelden. "Wir möchten, dass möglichst viele Menschen Zugang zum FC St. Pauli haben und Teil unseres Vereins und des Vereinsleben sein können. Dazu haben die Bereiche CSR und Medien ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen, für das wir finanziell durch die DFL gefördert werden", so Göttlich, der die Vorstellung der Spieler bei Heimspielen mit Videos in Gebärdensprache und das AFM-Radio, das durch die Unterstützung des HVV mittlerweile auch im gesamten Stadion empfangen werden kann, erwähnte. Weitere Schritt wie Homepage-Beiträge in Leichter Sprache seien bereits in Planung, um den Verein noch offener und inklusiver zu gestalten, so Göttlich abschließend.

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Infrastruktur / Operations

Hier blickte unser Präsident zunächst auf die Mitgliederversammlung, die im September im Millerntor-Stadion stattgefunden hatte, zurück: "Veranstaltungen wie diese zeigen mir immer wieder, was für ein eindrucksvoller Verein der FC St. Pauli ist. Neben den guten und vor allem inhaltliche Debatten freue ich mich, dass die Mitglieder dafür gestimmt haben, dass wir uns weiter zukunftsfähig aufstellen können. Nicht nur, dass der FC St. Paulider erste Verein mit einer Quote ist, auch wurde der Weg für die Besonderen Vertreter*innen geebnet."

Eine Vorreiterrolle hatte zuletzt auch die aktive Fanszene eingenommen, die als erste aktive Fanszene dank der Arbeit einiger Gruppen und dank des Fanladens ins Stadion zurückgekehrt war. Das Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04, die zu dem Zeitpunkt größte Sonderveranstaltung unter 2G-Bedingungen in Hamburg, habe der Verein gestemmt. "Wie stets während dieser Pandemie-Zeit war uns der vorsichtige und verantwortungsvolle Weg wichtig. Dies geht nur über eine enge Abstimmung und kooperativen Umgang mit dem Gesundheitsamt und den Behörden. Und auch nur, weil wir uns auf das solidarische und verantwortungsbewusste Verhalten unserer Fans und Mitglieder verlassen können." Göttlich blickte anschließend auf die beiden überaus erfolgreichen Impf-Aktionen, die gemeinsam mit der Stadt Hamburg am Millerntor umgesetzt wurden, zurück, ehe er Justus Peltzer für seine 13-jährige Tätigkeit seinen Einsatz für den Verein, die Belange der Fans und so viele andere wichtige Themen dankte und auch noch dem verstorbenen Claus-Peter "Bubu" Bubke gedachte. Ihn bezeichnete Göttlich als "echtes St. Pauli-Original" und einen "großen Kämpfer".

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50+1

"Die 50+1 Regel beizubehalten und rechtssicher aufzustellen, dieses Ziel steht über allem", betonte Göttlich, der hinzufügte: "Daher begrüßen wir ausdrücklich die vorläufige Stellungnahme des Bundeskartellamts. Denn das hat die Grundregel von 50+1 eindeutig als 'kartellrechtsneutral' und damit unbedenklich eingestuft. Das kartellrechtliche Problem entsteht ausschließlich im Zusammenspiel mit den sogenannten 'Förderausnahmen'. Das Bundeskartellamt hat dem deutschen Profifußball aufgezeigt, wie eine Rechtssicherheit möglich ist. Diese dürfen wir nicht verlieren und die Abschaffung der gesamten Regel provozieren. Ich fordere alle Beteiligten auf, dass dies im weiteren Verfahren sichergestellt wird."

Göttlich hofft, in absehbarer Zeit mit Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund) einen weiteren Mitstreiter für 50+1 im DFL-Präsidium zu bekommen, und fügte hinzu: "Ich erwarte, dass dem Meinungsbild von 2018 und der mehrheitlichen Meinung der Clubs und der Fans Rechnung getragen wird und alles dafür unternommen wird, dass 50+1 bleibt. 50+1 ist unser Alleinstellungsmerkmal in Deutschland und grenzt unseren Wettbewerb von den anderen europäischen Modellen ab. Die Grundregel darf und muss immer wichtiger und höher angesiedelt sein als ein vermeintlicher Bestandschutz für die Ausnahmen."

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Amateursport / Mitglieder

Bevor sich Göttlich den Herausforderungen widmete, die unsere Amateursportabteilungen in der Pandemie zu bewältigen hatten und haben, würdigte er unser Blindenfußball-Team für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft: "Der erneute Titelgewinn unserer Blindenfußballer*innen ist ein großartiger Erfolg, über den man sich ruhig auch öfter freuen darf. Deutschlands Spitze auf St. Pauli zu Hause! Ihr seid große Sympathieträger unseres Vereins und repräsentiert die Farben eindrucksvoll. Danke!"

Der Amateursport musste eine lange Durstrecke durchleben, wie Göttlich erklärte, ehe eine langsame Rückkehr zu regelmäßigen sportlichen Angeboten stattfinden konnte. "Hygienekonzepte wurden angepasst, sich ständig verändernde Regeln wurden teilweise kurzfristig umgesetzt. Der Wettkampfbetrieb konnte nur teilweise stattfinden. Unsere Mitglieder haben in der ganzen Zeit große Solidarität mit dem Verein und den Abteilungen gezeigt, indem sie auch unter widrigen Bedingungen zu uns gehalten haben. Hierfür ein großer Dank an alle treuen Begleiter*innen des Vereins, seien es Mitglieder, die trotz des geringeren Angebots zu uns gehalten haben, oder die vielen engagierten Personen in den Abteilungen, die große Flexibilität bewiesen haben. Ein riesen Dank an das ganze ehrenamtliche Engagement in dem Bereich!"

Laut Göttlich hätten alle Sporttreibenden die Pandemie genutzt, um digitale Strukturen voranzutreiben.  Als "weiterhin schwierig" bezeichnete er die Erschließung neuer Flächen in unserem und den umliegenden Stadtteilen. Es entstünden gerade aber neue Angebote, die fernab von Sporthallen oder -plätzen Raum für Bewegung bieten. Ohne das Mitwirken des Amateurvorstandes, seien viele Prozesse nicht möglich, und so bedankte sich Göttlich für die Zusammenarbeit zwischen Amateurvorstand und Präsidium.

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Abschließend entschuldigte sich Oke Göttlich bei den anwesenden Mitglieder für Länge seiner Rede, diese dauerte tatsächlich stolze 43 Minuten, begründete dies aber mit seiner möglichen letzten Rede als Präsident, sollte er am späteren Abend nicht wiedergewählt werden. "Mir war eine tiefe Beschreibung des Wirkens aller und der Dank an die Gemeinschaft unseres FC St. Pauli sehr wichtig. Das Team hier vorne überzeugt mich jeden Tag aufs Neue, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren und Eure Themen und Anliegen zu repräsentieren. Diese Dienstleistung übernehme ich mit diesem Team und viel Gestaltungswillen im operativen Geschäftsbetrieb unserer Geschäftsstelle und Kollaustrasse erneut sehr gerne und würde mich über Eure Stimme sehr freuen."

 

Fotos: FC St. Pauli

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